Schlechtes Omen für Konjunktur - Lkw-Verkehr auf Autobahnen sinkt

Berlin (Reuters) - Die krisengeplagte deutsche Industrie hat auch im August voraussichtlich keine Trendwende geschafft. Darauf deutet der Rückgang der Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen hin, die als Vorbote für die Industriekonjunktur gilt.
Diese sank um 0,3 Prozent im Vergleich zum Juli, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das Niveau lag damit um 0,7 Prozent unter dem vom August 2023.
Die Lkw-Fahrleistung auf Autobahnen gibt sehr frühe Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung in der Industrie. "Wirtschaftliche Aktivität erzeugt und benötigt Verkehrsleistungen", erklärten die Statistiker dazu. "Daher besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Lkw-Maut-Fahrleistungsindex und Indizes zur wirtschaftlichen Aktivität, insbesondere zur Industrieproduktion." Da die Lkw-Maut-Entwicklung etwa einen Monat früher verfügbar ist als die Produktionsdaten, eignet sie sich als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung.
Die deutschen Industriebetriebe produzierten im Juli 3,2 Prozent weniger als im Vormonat. Besonders schwer tut sich derzeit die deutsche Autobranche: Der Produktionsrückgang in dieser Schlüsselbranche brach um 8,1 Prozent ein. Rasche Besserung ist derzeit nicht in Sicht: Das Geschäftsklima in der Industrie hat sich im August sogar merklich eingetrübt, wie das Ifo-Institut bei seiner Unternehmensumfrage herausfand. "Die Unternehmen klagten erneut über rückläufige Auftragsbestände", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Insbesondere die Investitionsgüterhersteller sind in einer schwierigen Lage."
Wegen dieser anhaltenden Flaute droht Deutschland der Rückfall in die Rezession. Nach einem kleinen Wachstum zu Jahresanfang schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,1 Prozent. Folgt im laufenden Sommerquartal das zweite Minus in Folge, wird von einer technischen Rezession gesprochen.
(Bericht von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)