IW - Dienstleister verhindern schwere Rezession in Deutschland

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Berlin (Reuters) - Positive Impulse von den Dienstleistern verhindern dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge eine schwere Rezession.

"Sie reichen aber nicht aus, um eine gesamtwirtschaftliche Erholung auszulösen", heißt es in der Konjunkturprognose der Kölner Forscher, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. Das Bruttoinlandsprodukt werde daher in diesem Jahr allenfalls das Vorjahresvolumen erreichen. "Ein Aufschwung wird erst einsetzen, wenn eine anhaltende Besserung in der Bauwirtschaft und vor allem in der Industrie eintritt", so das Fazit des IW.

Auf die Dienstleister entfallen rund 70 Prozent der Wirtschaftstätigkeit. Der Sektor ist dem IW zufolge im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent gewachsen. "Dabei gab es Zuwächse in der gesamten Breite – also bei den Unternehmensdiensten, dem konsumnahen Service sowie im öffentlichen und sozialen Bereich." Begünstigt werde dies durch die positive Einkommensentwicklung infolge der Lohnsteigerungen und der abflauenden Inflation. Dadurch stiegen die Reallöhne zuletzt fünf Quartale in Folge.

Dem stehen starke Rückgänge bei den Investitionen gegenüber: Das IW rechnet mit einem Minus bei den gesamten Bruttoanlageinvestitionen in diesem Jahr von drei Prozent. Das Minus würde damit doppelt so groß ausfallen wie noch im Frühjahr erwartet. "Das schlechte Auslandsgeschäft, die anhaltend hohen wirtschaftlichen und politischen Verunsicherungen sowie die hohen Finanzierungskosten belasten die Investitionen stärker als zunächst angenommen", hieß es dazu.

Der Außenhandel wiederum leidet unter der schwachen Weltwirtschaft. Die realen Exporte dürften in diesem Jahr um ein Prozent sinken, erwartet das IW. Die Importe dürften wegen der merklich schlechter verlaufenden Binnennachfrage sogar doppelt so stark zurückgehen. Bei den privaten Konsumausgaben rechnet das Institut mit einem Zuwachs von nur gut einem halben Prozent. Dämpfend wirkten auch hier die allgemeine Verunsicherung und die damit einhergehende Vorsicht.

Trotz Stagnation soll die Erwerbstätigkeit im Jahresdurchschnitt um gut ein viertel Prozent wachsen. "Erstens profitierte die Erwerbstätigkeit von einem Überhang aus dem Vorjahr", lautet die Begründung für diese Prognose. "Zweitens halten die Unternehmen mehr Beschäftigte, als sie auslasten können, um sich für kommende demografische Knappheiten zu rüsten." Hinzu kämen die staatsnahen Dienstleistungsbereiche Verwaltung, Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen, die die Beschäftigungsverluste der Industrie überkompensieren würden. Da die Zuwanderung weiter anhält, dürfte die Arbeitslosigkeit auf knapp 2,8 Millionen Personen steigen, was einer Quote von rund sechs Prozent entspricht.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Ralf Bode. - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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