China-Geschäft bricht ein - Mercedes-Benz senkt erneut Prognose

Berlin (Reuters) - Die hartnäckige Flaute auf dem chinesischen Markt für Luxusautos lässt den Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz pessimistisch in die Zukunft blicken.
Das Unternehmen senkte am Donnerstag seine Prognose für das Gesamtjahr zum zweiten Mal binnen zwei Monaten und rechnet nun mit einem deutlich niedrigeren Gewinn als vor Jahresfrist. Auslöser sei eine weitere Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds gewesen, vor allem in China, hieß es zur Begründung. Die Konjunktur in China habe angesichts des schwächeren Konsums und des anhaltenden Abschwungs im Immobiliensektor weiter an Dynamik verloren. "Das wirkte sich auf den Gesamtabsatz in China aus, einschließlich der Verkäufe im Top-End-Segment."
Auch der Münchner Konkurrent BMW spürt die schwächere Nachfrage in China und senkte unter anderem deswegen zuletzt seine Prognose. Die Autobauer leiden vor allem unter der schwelenden Immobilienkrise: Die fallenden Immobilienpreise treffen insbesondere wohlhabende Chinesen - die typischen Kunden der deutschen Premium-Hersteller. Porsche hatte zum Halbjahr ebenfalls eingeräumt, dass keine rasche Erholung in der Volksrepublik zu erwarten ist.
Schon in der ersten Jahreshälfte hatte Mercedes zu spüren bekommen, dass weniger Spitzenmodelle verkauft wurden, die üblicherweise eine deutlich höhere Gewinnmarge mit sich bringen als kleinere Fahrzeuge. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte Ende Juli seine Hoffnung auf neue Modelle gesetzt, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen und das Geschäft ankurbeln sollten. Doch diese Hoffnung scheint sich nun nicht zu erfüllen. Mercedes teilte dazu mit, der Absatzmix dürfte im zweiten Halbjahr unverändert gegenüber der ersten Jahreshälfte bleiben und damit schwächer ausfallen als ursprünglich erwartet. Auch der Preisdruck dürfte bleiben: Mercedes sprach selbst von einem "dynamischen Preisumfeld".
Die Prognose für die bereinigte Umsatzrendite im Autogeschäft kappte Mercedes entsprechend erneut, nachdem sie bereits Ende Juli heruntergenommen wurde. Die Stuttgarter rechnen nun mit einer Marge zwischen 7,5 und 8,5 Prozent im Gesamtjahr, bislang waren sie von zehn bis elf Prozent ausgegangen. Das impliziere eine bereinigte Umsatzrendite von ungefähr sechs Prozent in der zweiten Jahreshälfte, hieß es. Zusätzlich spielten negative Bewertungseffekte eine Rolle. Der Betriebsgewinn der gesamten Gruppe dürfte deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen, bislang hatte Mercedes-Benz lediglich einen leichten Rückgang erwartet.
(Bericht von Christina Amann, redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)