EZB-Vize de Guindos für europäische Bankenfusionen

Frankfurt (Reuters) - EZB-Vizepräsident Luis de Guindos spricht sich für mehr grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen im europäischen Bankensektor aus.
De Guindos Bemerkungen kommen zu einer Zeit, in der die italienische Großbank UniCredit die Commerzbank übernehmen möchte. Investoren bewerteten US-Banken unterschiedlich im Vergleich zu europäischen Instituten und das verdeutliche die Probleme, sagte der Stellvertreter von EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem am Freitag veröffentlichten Interview der portugiesischen Zeitung "Expresso". "In diesem Zusammenhang ist die grenzüberschreitende Konsolidierung wichtig, und wir hoffen, dass sie in nächster Zeit weiter voranschreitet", merkte er an. "Ich glaube, Konsolidierung ist ein wichtiges Element."
Die UniCredit hatte vergangene Woche überraschend bekanntgegeben, neun Prozent an der Commerzbank erworben zu haben. Die Hälfte der Anteile kaufte sie dabei vom Bund. Bei einem Zusammenschluss mit dem Frankfurter Geldhaus könnte ein Bank-Riese entstehen, der einen Marktwert von fast 74 Milliarden Euro erreicht.
Aus Sicht der Investoren seien US-Banken relativ wertvoller als europäische Geldhäuser, sagte de Guindos. Zu den Gründen zählte der EZB-Vize die nicht vollendete Bankenunion in Europa sowie nationale Herangehensweisen im Bankensektor. Zankapfel bei der EU-Bankenunion ist eine gemeinsame EU-Einlagensicherung (EDIS), über die schon seit Jahren gestritten wird. Sie ist neben der gemeinsamen Bankenaufsicht und der gemeinsamen Bankenabwicklungsbehörde der dritte, jedoch noch unvollendete Bestandteil der Bankenunion. Insbesondere in Deutschland wird das EDIS-Vorhaben sehr skeptisch gesehen.
(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Hans Busemann Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)