Chinas Industrie schwächelt - auch Dienstleister verlieren an Schwung

Peking (Reuters) - Die chinesische Wirtschaft kämpft weiter mit Schwierigkeiten und setzt auf die zuletzt angekündigten Konjunkturhilfen von Politik und Zentralbank.
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg im September zwar leicht auf 49,8 Punkte, blieb aber den fünften Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern, wie Daten des Nationalen Statistikamts (NBS) am Montag zeigten. Auch der Dienstleistungssektor verliert an Schwung. Hier fiel das Barometer auf 49,9 Punkte und verzeichnete damit den ersten Rückgang seit Dezember vorigen Jahres, während der PMI für das Baugewerbe von 50,6 im Vormonat auf 50,7 Zähler kletterte.
"Die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft hat sich auch im September nicht erholt", sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. "Die jüngst beschlossenen Konjunkturmaßnahmen dürften in den nächsten Monaten die Geschäftsstimmung aber wohl beleben." Die chinesischen Behörden beschlossen vorige Woche umfangreiche Konjunkturmaßnahmen. So senkte die Zentralbank die Zinsen und die Regierung in Peking stellte weitere Maßnahmen in Aussicht. "Es braucht aber wohl noch Zeit, bis diese Maßnahmen in der realen Wirtschaft ankommen und dort die Geschäfte ankurbeln." Allerdings seien viele Probleme struktureller Natur, etwa am Immobilienmarkt.
"Positiv hervorzuheben ist dabei, dass Geld- und Fiskalpolitik das erste Mal seit Langem umfassend und koordiniert auf die wirtschaftliche Schwäche im Land reagieren", sagte Sandro Pannagl von der Landesbank Baden-Württemberg. "Auch die verwendete Rhetorik macht Mut, dass es sich um kein Strohfeuer seitens der Politik handelt." NordLB-Analyst Valentin Jansen geht davon aus, dass sich "Pekings jüngster 'Doppel-Wumms' aus umfangreichen geldpolitischen und fiskalischen Stimuli zur Belebung der strauchelnden Ökonomie" bereits im Oktober positiv auf die Einkaufsmanager-Daten auswirken dürfte.
Chinas Wirtschaft steht unter Druck: Angesichts schwacher Konjunkturdaten in wichtigen Bereichen werden drei Monate vor Jahresende Forderungen nach neuen Konjunkturhilfen lauter, um die Wachstumsziele für das kommende Jahr zu erreichen. Die chinesische Regierung kündigte bereits am Wochenende neue Maßnahmen an, nachdem sie in der vergangenen Woche das größte Konjunkturpaket seit der Corona-Pandemie vorgestellt hatte. China peilt 2024 ein Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent an.
(Bericht von Ellen Zhang und Ryan Woo, geschrieben von Klaus Lauer und Katharina Loesche, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)