Blatt - Heidelberg will Zementgeschäft in Indien verkaufen

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Heidelberg Materials ist einem Medienbericht zufolge mit dem indischen Mischkonzern Adani Group in Gesprächen über den Verkauf seines Zementgeschäftes auf dem Subkontinent.
Der Deal könnte einen Wert von 1,2 Milliarden Dollar betragen, berichtete die Tageszeitung "Economic Times" am Montag unter Berufung auf Insider. Auch UltraTech und JSW Cement sind nach früheren Medienberichten an HeidelbergCement India interessiert. Heidelberg Materials wollte sich dazu nicht äußern. Die Adani Group war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Die Aktien des Dax-Konzerns legten zum Handelsstart am Montag um mehr als drei Prozent zu. Die Anteilsscheine der indischen Heidelberg-Tochter, HeidelbergCement India, waren zuvor um mehr als 14 Prozent nach oben geschnellt. Die Firma war damit 675 Millionen Dollar wert.
Die indische Zementindustrie erfreut sich infolge der höheren Staatsausgaben für den Wohnungsbau und in die Infrastruktur einer zunehmenden Nachfrage. Zuletzt herrschte aber großer Preisdruck, was Heidelberg Materials im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang einbrockte. Der Markt ist im Hinblick auf Übernahmen in Bewegung. Vor zwei Jahren hatte die Adani Group des Milliardärs Gautam Adani den indischen Geschäftsbereich des Schweizer Zementriesen Holcim erworben und seitdem auch einige lokale Firmen.
Heidelberg Materials stieg 2006 mit einigen Zukäufen in den indischen Markt ein. Derzeit betreiben die Kurpfälzer dort vier Zementwerke mit eine Kapazität von 12,5 Millionen Tonnen. Das waren im vergangenen Jahr gut sieben Prozent der gesamten Kapazität des Baustoffkonzerns, der auch Zusatzstoffe wie Sand und Kies sowie Beton produziert. Im Zementgeschäft ist Heidelberg Materials weltweit die Nummer vier nach zwei chinesischen Herstellern und Holcim. Bei der jüngsten Analystenkonferenz im Juli hatte Vorstandschef Dominik von Achten erklärt, die Marktposition in Indien sei noch nicht perfekt. Angesichts des Konsolidierungstrends bleibe Heidelberg Materials flexibel und prüfe alle Optionen, darunter auch weitere Investitionen.
(Bericht von Chris Thomas und Nandan Mandayam in Bangalore, Christoph Steitz, geschrieben von Anneli Palmen und Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)