Nagel: Deutschland muss aus "Wachstumsdelle" herauskommen

Washington/Berlin (Reuters) - Angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute muss Deutschland laut Bundesbankchef Joachim Nagel seine Wachstumsanstrengungen forcieren.
Er verwies am Freitag in Washington am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank auf die Prognose des IWF, der Deutschland im laufenden Jahr nur eine Stagnation vorhersagt. Und in der Vorausschau für 2025 werde lediglich ein Zuwachs von 0,8 Prozent veranschlagt: "Das ist zwar jetzt keine Situation, die man als tiefe Rezession beschreiben könnte. Aber es ist klar, dass die deutsche Wirtschaft unter einem starken Anpassungsdruck leidet." Diese Anpassungsprozesse müssten in Gang kommen, bevor die Krise tiefer werde, mahnte Nagel.
Es werde insbesondere darum gehen, dass das Wachstumspaket der Bundesregierung auch umgesetzt werde: "Wir benötigen an der Stelle gute Nachrichten, dass das Vertrauen zurückkommt." Es sei sicher wichtig, die Diskussion zu führen, wie man Wachstumskräfte hierzulande wieder entfesseln könne. Es werde auch darum gehen, dass Deutschland und auch die Euro-Zone resilienter würden.
Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes hatten signalisiert, dass die Wirtschaft im Euroraum den zweiten Monat in Folge den Rückwärtsgang eingelegt hat. Die Euro-Zone schaffte den Sprung über die Wachstumsschwelle nicht, obwohl die deutsche Wirtschaft ihre Talfahrt im Oktober überraschend stark abbremste.
Die deutsche Wirtschaft kann laut der Bundesbank auch zum Jahresende nicht mit einem Aufschwung rechnen. Aus heutiger Sicht laufe es auf eine Stagnation hinaus, heißt es im jüngsten Monatsbericht. Und im Sommerquartal sei das Bruttoinlandsprodukt wohl erneut etwas zurückgegangen, nachdem es bereits im Frühjahr um 0,1 Prozent geschrumpft war. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer technischen Rezession gesprochen.
(Bericht von Reinhard Becker, Mitarbeit Maria Martinez, redgiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)