Umfrage - Große Familienunternehmen erwägen Verlagerung wegen Bürokratie

Berlin (Reuters) - Der hohe Aufwand für Bürokratie treibt einer Umfrage zufolge viele große Familienunternehmen ins Ausland.
43 Prozent planen die Verlagerung von Teilbereichen oder gar des ganzen Betriebs in andere Länder, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts für den Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen hervorgeht. Die Hälfte der Firmen hat demnach in den vergangenen zwei Jahren Investitionen aufgrund von bürokratischen Hemmnissen zurückgestellt. 40 Prozent fürchten, dies in den nächsten zwei Jahren tun zu müssen.
Den Angaben zufolge können nur fünf Prozent der Unternehmen mehr als 80 Prozent ihrer bürokratischen Anforderungen digital erledigen. Lange Genehmigungsverfahren und komplexe Steuergesetze lähmten die Investitionsbereitschaft. Zudem sei der Erfüllungsaufwand bei gut 90 Prozent der Befragten seit 2022 gestiegen.
Ermittelt wurden auch die konkreten Erfahrungen mit den Behörden. Diese sind auf kommunaler Ebene eher positiv: 43 Prozent der Befragten sind mit der Stadt- oder Gemeindeverwaltung zufrieden – aber nur 22 Prozent mit dem Landratsamt oder der Kreisverwaltung und nur sieben Prozent mit der Landes- oder Bundesebene.
Die schlechten Erfahrungen beziehen sich vor allem auf den Verwaltungsprozess und den Grad der Digitalisierung. Diese hat nur in etwa einem Fünftel der Fälle zu einer positiven Prozesserfahrung beigetragen. Große Familienunternehmen sind hier noch kritischer: Die Digitalisierung hat bei ihnen nur in elf Prozent der Fälle einen positiven Eindruck hinterlassen.
Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, forderte einen Praxischeck für neue Regulierungen, eine Beschleunigung der Verfahren, den Ausbau der Digitalisierung und die Beschränkung auf wesentliche Angaben. Andernfalls gehe Wettbewerbsfähigkeit verloren.
Für den Jahresmonitor hat das Ifo-Institut fast 1800 Unternehmen befragt, davon rund 1400 Familienunternehmen verschiedenster Größe und Branchen. 57 Familienunternehmen in der Umfrage gehören den sogenannten Top 500 an, zählen also mindestens 2000 Mitarbeiter.
(Bericht von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)