Hoffnung auf Nahost-Waffenruhe vor US-Wahl schwindet - Israel bombardiert weiter

Kairo/Beirut (Reuters) - Trotz verstärkter Bemühungen der USA um Waffenruhen im Gazastreifen und im Libanon setzt Israel seine Angriffe fort.
Allein im Gazastreifen wurden nach Angaben von Medizinern bis Freitag innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Palästinenser getötet und Dutzende weitere verletzt. Mindestens zehn Menschen seien durch einen israelischen Angriff in Nuseirat umgekommen, bei dem der Eingang einer Schule getroffen worden sei, in der Vertriebene Zuflucht gesucht hätten. Vom israelischen Militär lag dazu zunächst keine Stellungnahme vor. In den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut wiederum zählten Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters am Morgen mindestens zehn Angriffe. Es waren die ersten Bombardements des Gebiets seit fast einer Woche.
Die Angriffe lassen kaum Hoffnung bestehen, dass es vor der Präsidentschaftswahl in den USA am kommenden Dienstag noch zu einer Einstellung der Kampfhandlungen kommen könnte. Libanons kommissarischer Ministerpräsident Nadschib Mikati warf Israel Sturheit gegenüber den Bemühungen zur Beruhigung der Lage vor. Israel lehne Lösungsvorschläge ab und bestehe auf "den Ansatz, zu töten und zu zerstören".
Israel kämpft im Gazastreifen gegen die radikalislamische Hamas und im Libanon gegen die Hisbollah-Miliz. Beide Gruppen werden von Israels Erzfeind Iran unterstützt. Die USA wiederum sind der wichtigste Verbündete Israels. Die Regierung von Präsident Joe Biden dringt seit langem auf ein Ende der Kämpfe. Diese Woche forderten die USA Insidern zufolge die libanesische Regierung dazu auf, einseitig eine Waffenruhe mit Israel zu erklären. Ziel sei es, dadurch die festgefahrenen Gespräche zur Beendigung der Feindseligkeiten zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah-Miliz wiederzubeleben. Der US-Gesandte Amos Hochstein habe das Anliegen Mikati vorgetragen.
Mikatis Büro dementierte jedoch in einer Erklärung gegenüber Reuters die Angaben, die von einem ranghohen libanesischen Informanten und einem ranghohen Diplomaten stammten. Das Büro betonte, dass die Regierung eine von beiden Konfliktparteien getragene Waffenruhe anstrebe sowie eine Umsetzung der UN-Sicherheitsrats-Resolution 1701, die im Jahr 2006 ein Ende der damaligen Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah bewirkte. Die US-Botschaft in Beirut war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
(Bericht von Nidal al-Mughrabi, Timour Azhari, Laila Bassam, geschrieben von Christian Rüttger, redigiert von Jörn Poltz.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)