Deutsche Wirtschaft fürchtet bei Trump-Wahlsieg "gewissen Hammer"

Die deutsche Wirtschaft sorgt sich wegen eines möglichen Wahlsiegs von Donald Trump.
"Trump wäre unter dem Strich schlecht für uns", sagte Volker Treier, Außenwirtschaftsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), am Montag in Berlin. Am Dienstag wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Der Republikaner Trump tritt dabei gegen Vize-Präsidentin Kamala Harris von den Demokraten an. Zwar könnten Unternehmen in den USA im Falle eines Trump-Siegs von Steuersenkungen, großzügigen Abschreibungsmöglichkeiten sowie weniger Vorschriften profitieren. Die stark vom Export abhängige deutsche Wirtschaft würde aber vermutlich neue Handelsstreitigkeiten zu spüren bekommen. Ein "gewisser Hammer" wäre zu erwarten. Trump wolle Zölle gegen alle Handelspartner verhängen. Außerdem dürfte er gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO ankämpfen.
Laut einer DIHK-Umfrage unter deutschen Firmen, die in den USA aktiv sind, ist die Wirtschaftspolitik derzeit das größte Geschäftsrisiko dort knapp vor dem Fachkräftemangel. 49 Prozent der Betriebe nannten die Rahmenbedingungen jetzt als Risiko, nachdem es im Frühjahr nur 46 Prozent waren. Die Sorge vor gestörten Lieferketten gaben 33 Prozent der Betriebe an, nachdem es im Frühjahr nur 16 Prozent waren. Auch bei Handelsbarrieren sind die Sorgen ausgeprägter als vor einem halben Jahr. Treier sprach von einem klaren Trump-Effekt. Beide Kandidaten liegen in Umfragen in etwa gleich auf. Treier zufolge könnten Handelsstreitigkeiten auch das Geschäft deutscher Unternehmen in anderen Märkten beeinflussen, zum Beispiel in China und Mexiko.
Die von Trump geplanten Zölle sollen die US-Industrie schützen und Investitionen ausländischer Konzerne in den USA befördern. Produkte aus China will er mit einem Strafzoll von 60 Prozent belegen, Produkte aus Deutschland und allen anderen Teilen der Welt mit zehn bis 20 Prozent. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel wandte sich bei einer Rede in Hamburg gegen neue Handelshemmnisse. "Mit Zollerhöhungen machen wir Konsum teurer und fachen die Inflation an. Das macht uns alle ärmer."
USA BALD WIEDER WICHTIGSTER DEUTSCHER HANDELSPARTNER
Trotz der Unsicherheit wegen der US-Wahl sind deutsche Unternehmen in den Vereinigten Staaten vergleichsweise zufrieden. 55 Prozent der befragten Firmen bezeichneten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, nur acht Prozent stuften sie als schlecht ein. 38 Prozent der Betriebe gaben an, in den nächsten zwölf Monaten eine bessere Konjunkturentwicklung in den USA zu erwarten. Im Frühjahr 2024 waren es mit 56 Prozent zwar noch deutlich mehr Unternehmen, dennoch sind hier die Konjunkturerwartungen weiterhin optimistischer als im Durchschnitt der vergangenen Jahre und deutlich positiver als weltweit.
Die USA dürften dieses Jahr China als wichtigster Handelspartner Deutschlands ablösen. Das waren sie zuletzt 2015. Während Deutschland in den vergangenen Jahren in Standort-Ranking immer weiter abgerutscht ist, haben die USA an Attraktivität gewonnen. 54 Prozent der dort aktiven deutschen Firmen gaben in der DIHK-Umfrage an, die Wettbewerbsposition hätte sich in den vergangenen fünf Jahren verbessert, nur fünf Prozent sehen eine Verschlechterung. Für die USA sprechen die Größe des Marktes sowie die Rechtssicherheit. Außerdem würden Firmen anders als in Deutschland nicht mit Vorschriften überfordert. "Die Dosis macht das Gift", sagte Treier.
Im Falle eines Harris-Wahlsiegs dürfte der Kurs von US-Präsident Joe Biden fortgesetzt werden. Auch dann würde die heimische Industrie geschützt werden, aber nicht mit dem "Holzhammer", so Treier. Wegen der aktuellen Unsicherheit zögern viele Firmen mit Investitionen in den USA. "Die Unternehmen sind abwartend, bis mehr Klarheit über die zukünftige Wirtschaftspolitik besteht." Laut DIHK planen 37 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA, ihre Investitionen dort zu erhöhen, 18 Prozent eine Reduzierung. Die Pläne lägen damit unter dem langjährigen Mittelwert.