Uniper tritt bei grünem Umbau auf die Bremse

Reuters · Uhr
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Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper nimmt bei den Plänen für den grünen Umbau seiner Geschäfte das Tempo raus.

"Wir passen das Tempo der Transformation an", sagte Finanzchefin Jutta Dönges am Dienstag Analysten bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen. Die Nachfrage insbesondere im Bereich Wasserstoff habe sich nicht so entwickelt wie erwartet. Uniper habe sich daher sein acht Milliarden Euro schweres Transformationsprogramm angeschaut. Es bleibe intakt, werde aber wohl etwas langsamer umgesetzt. Uniper investiere nur dort, wo es sich auch bezahlt mache.

Konzernchef Michael Lewis hatte im August vergangenen Jahres ein acht Milliarden Euro schweres Programm angekündigt, mit dem der Umbau Unipers zu einem grüneren Unternehmen bis 2030 beschleunigt werden soll. Die Pläne sehen Investitionen in grüne Gase, Kraftwerke, Wind- und Solaranlagen vor. Die installierte Stromerzeugungskapazität soll 2030 zu über 80 Prozent CO2-frei sein. Kunden - rund 1.000 Industriebetriebe, Stadtwerke und Netzbetreiber - sollen verstärkt mit grünen und flexiblen Strom- und Gasprodukten bei der Energiewende unterstützt werden.

In den vergangenen Monaten gerieten aber insbesondere die Pläne für den Ausbau der klimafreundlichen Wasserstoffwirtschaft ins Stocken. Zweifel kamen unter anderem auf, ob genügend Wasserstoff zur Verfügung steht und dies zu vertretbaren Preisen. Dänemark verschob Pläne für den Bau einer Pipeline für den Transport von grünem Wasserstoff nach Deutschland. Der norwegische Energiekonzern Equinor gab Überlegungen für eine Wasserstoff-Pipeline nach Deutschland auf. Das Projekt sei zu teuer und die Nachfrage zu schwach.

UNIPER ZAHLT HILFEN DES BUNDES ZURÜCK

Uniper bereitet sich derzeit auf die Reprivatisierung vor. Der Bund hatte den größten deutschen Gaskonzern nach dem russischen Gaslieferstopp 2022 mit Eigenkapital in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt. Nach der Verstaatlichung hält der Staat 99,12 Prozent an dem Unternehmen, muss den Anteil EU-Auflagen zufolge aber bis 2028 auf mindestens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Im September hatte das Finanzministerium angekündigt, den Ausstieg vorzubereiten und Anteile wahrscheinlich über den Kapitalmarkt zu verkaufen. Aber auch andere Optionen würden geprüft. Uniper begrüßte die Ankündigung. Insidern zufolge könnte der Bund im Frühjahr kommenden Jahres eine Minderheitsbeteiligung veräußern.

Die Düsseldorfer haben inzwischen damit begonnen, die vom Bund für die Rettung geleistete Staatshilfe zurückzuzahlen. Das Unternehmen habe dem Staat 530 Millionen Euro aus realisierten Schadenersatzzahlungen vom russischen Konzern Gazprom überwiesen. Der Konzern habe eine weitere Rückstellung für Zahlungen an den Bund gebildet, die mittlerweile knapp 2,5 Milliarden Euro wert sei. "Beide Zahlungen sind als Rückzahlungen an den deutschen Steuerzahler zu betrachten", erläuterte Uniper. Und aus dem Verkauf der Uniper-Anteile werde der Bund weitere Erlöse erzielen.

Uniper bestätigte am Dienstag die Prognosen für 2024, wonach etwa das bereinigte Ebitda zwischen 1,9 und 2,4 Milliarden Euro liegen soll. In den ersten neun Monaten lag es bei 2,18 (Vorjahr: 6,08) Milliarden Euro.

(Bericht von Tom Käckenhoff, Christoph Steitz, Vera Eckert redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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