Finanzsystem laut Bundesbank vor schweren Herausforderungen

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Frankfurt (Reuters) - Geopolitische Spannungen, eine stotternde Konjunktur und die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen US-Wirtschaftspolitik belasten aus Sicht der Bundesbank das deutsche Finanzsystem.

"Das Finanzsystem steht vor akuten Herausforderungen aufgrund geopolitischer Spannungen und einer schwachen Wirtschaft", erklärte Bundesbank-Vorstand Michael Theurer am Donnerstag zur Vorstellung des jüngsten Finanzstabilitätsberichts der deutschen Notenbank. "Unsere oberste Priorität muss ein widerstandsfähiges Finanzsystem sein." Insgesamt habe die Finanzwirtschaft die vergangene Hochzinsphase gut verkraftet. In den vergangenen zwölf Monaten sei das Finanzsystem stabil geblieben.

"Zusätzliche Unsicherheiten für die deutsche Wirtschaft bestehen nach dem Ausgang der Wahlen in den USA im Hinblick auf die konkrete Ausgestaltung der Wirtschaftspolitik", erklärte die Bundesbank. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat in seinem Wahlkampf wiederholt mit höheren Zöllen gedroht, was zu Handelskonflikten führen könnte und auch die deutsche Wirtschaft treffen würde. Die Frage wie stark die Wirtschaft dadurch belastet werde, hänge von der konkreten Ausgestaltung der US-Maßnahmen ab, sagte Theurer. "Und es gibt Szenarien, die darauf hinweisen, dass dies schon signifikante Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben wird und möglicherweise auch inflationstreibenende Momente beinhaltet." Solange aber die Details nicht auf dem Tisch lägen, sei das schwer abschätzbar.

"Richtig aus Finanzstabilitätssicht ist allerdings vor diesem Hintergrund gewachsener geopolitischer Risiken, dass wir alles tun, um unsere eigene Resilienz zu stärken," sagte Theurer. Banken sollten daher geopolitische Risiken bei ihren Simulationen miteinbeziehen. "Es ist also nicht auszuschließen, dass wir durch eine Phase von Turbulenzen uns bewegen," merkte er an. "Jedenfalls müssen wir gewappnet sein gegenüber Risiken, die auch plötzlich auftreten können." Banken sollten sich auch auf sehr negative Szenarien vorbereiten.

SCHWACHE WIRTSCHAFT - KREDITRISIKEN WERDEN THEMA

Die Bundesbank wies in ihrem Bericht zudem darauf hin, dass nun verstärkt Kreditrisiken ein Thema seien. Es bestehe die Gefahr, dass Finanzinstitute diese Risiken weiterhin unterschätzten. Die Ertragslage der Banken entwickle sich weiter positiv. Denn die Institute profitierten von den niedrigen Zinsen im Einlagegeschäft. Sorgen bereite aber weiter der Gewerbeimmobiliensektor. Analysen deuteten auf weitere Preisrückgänge hin, hieß es im Bericht. Die Verluste aus Gewerbeimmobilienkrediten seien deutlich gestiegen, was aber nur wenige Banken und Versicherer betreffe. Die Quote notleidender Kredite bei diesen Engagements habe sich seit Ende 2022 mehr als verdoppelt, sagte Theurer. Mit 4,2 Prozent läge sie aber noch nicht in einem außerordentlich kritischen Bereich. Auf dem Markt für Wohnimmobilien zeichnet sich laut Bundesbank dagegen langsam eine Entspannung ab.

Die Firmeninsolvenzen sind laut Bundesbank 2024 angesichts der mauen Konjunktur weiter gestiegen. "Aufgrund der weiterhin bestehenden strukturellen Veränderungen und der aktuell noch anhaltenden konjunkturellen Schwäche ist eine signifikante Anzahl an Unternehmensinsolvenzen im kommenden Jahr wahrscheinlich", hieß es im Bericht. Höhere Zinsausgaben bei Anschlussfinanzierungen könnten zu mehr Ausfällen beitragen, warnte die Bundesbank. Dagegen habe sich die Schuldentragfähigkeit der Privathaushalte auf Grund guter Lohnabschlüsse verbessert. "Sie sind widerstandsfähig", sagte Theurer.

(Bericht von Frank Siebelt; redigiert von Kerstin Dörr; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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