Konsumlaune stark eingetrübt - "Spendierhosen bleiben im Schrank"

Berlin (Reuters) - Ausgerechnet mitten im Weihnachtsgeschäft trübt sich die Kauflaune der Deutschen überraschend stark ein.
Das Barometer für das Konsumklima im Dezember sank auf minus 23,3 Punkte von revidiert minus 18,4 Zählern im Vormonat und damit auf den tiefsten Stand seit Mai, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Mittwoch mitteilten. Die Forschenden prognostizieren anhand einer Umfrage vom November unter rund 2000 Verbrauchern die Konsumstimmung für den Folgemonat. Die Menschen schätzen die Konjunktur sowie ihre künftigen Finanzen skeptischer ein und sind weniger bereit für größere Einkäufe. Stattdessen steigt die Sparneigung deutlich, und die Konsumenten legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante. "Die letzten Wochen des Jahres enden mit einem deutlichen Rückschlag beim Konsumklima", sagte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.
"Die Verunsicherung der Konsumenten hat zuletzt offenbar wieder etwas zugenommen, wie die steigende Sparneigung belegt." Zudem sorgten sich die Menschen wieder mehr um den eigenen Arbeitsplatz. Gründe dafür seien der aus der Industrie gemeldete Stellenabbau und das Verlagern von Produktion ins Ausland, betonte Bürkl. "Zudem ist die Zahl der Insolvenzen zuletzt gestiegen - kurzum: Das Konsumklima bleibt im Keller."
Ökonomen zeigten sich wenig überrascht. "Die Konsumhoffnungen sind schon wieder in Luft aufgegangen. Die Spendierhosen bleiben im Schrank", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Auch Chefökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank hält die Verbraucher für verunsichert - wegen der Negativschlagzeilen über Jobabbau etwa in der Industrie und die Aussicht auf neue Handelskonflikte unter dem designierten US-Präsidenten Donald Trump. "Im Ergebnis halten sie sich mit ihrem Konsum zurück, obwohl die Reallöhne zuletzt deutlich gestiegen sind und die Menschen mehr Geld in ihrem Portemonnaie haben."
DIW: "ENDE DER STAGNATION RÜCKT IN IMMER WEITERE FERNE"
Der Einzelhandelsverband HDE rechnet im laufenden Weihnachtsgeschäft nur mit stagnierenden Umsätzen, da das Konsumklima nicht stabil sei. "Größere Ausschläge nach oben werden demnach ausbleiben", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Auch für den aus den USA bekannten Aktionstag Black Friday erwartet der Verband nur Umsätze auf Vorjahresniveau. Am Freitag nach dem US-Feiertag Thanksgiving lockt der Einzelhandel traditionell mit großen Rabatten. Wie aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht, planen Shopper im Schnitt für 282 Euro einzukaufen. "Männer greifen zum Black Friday mit durchschnittlich 324 Euro tiefer in die Tasche als Frauen mit 237 Euro." Demnach kennen 98 Prozent der Deutschen den Black Friday. Rund 59 Prozent wollen ihn dieses Jahr nutzen und das vor allem online.
Die schwache Verbraucherlaune trifft die Wirtschaft in einer schwierigen Situation. Denn der private Konsum gilt als Hoffnungsträger für die lang erwartete Erholung der Konjunktur, die sich immer wieder verzögert hat. Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer-Quartal nur minimal um 0,1 Prozent gewachsen und dümpelt am Rande einer Rezession. "Ein Ende der Stagnation rückt in immer weitere Ferne", erklärte das Berliner DIW-Institut zum Rückgang seines Konjunkturbarometers.
Die örtlichen Ableger der Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnen in den nächsten Monaten mit einer weiter zunehmenden Zahl von Arbeitslosen. In der monatlichen Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verschlechterte sich die Einschätzung zur Arbeitslosigkeit nochmals um 0,3 Punkte auf 97,9 Punkte. "Bei der steigenden Arbeitslosigkeit ist bis zum Frühjahr keine Trendwende in Sicht", sagte IAB-Experte Enzo Weber. "Die Industriekrise und der langanhaltende Wirtschaftsabschwung hinterlassen am Arbeitsmarkt ihre Spuren."
(Bericht von Klaus Lauer, Rene Wagner, Christian Krämer und Holger Hansen, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)