Ifo-Umfragechef: In der deutschen Industrie gibt es keinen Lichtblick

Berlin (Reuters) - Die angeschlagene deutsche Industrie ist dem Ifo-Institut zufolge vor dem Jahreswechsel noch mehr ins Taumeln geraten.
"Es gibt in der Industrie keinen Lichtblick", sagte Ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Ihre Krise hat sich verschärft." Egal ob Autobauer, Elektrotechnik oder Metallbranche - die Misere ziehe sich mittlerweile durch alle Bereiche.
"Die exportabhängige Industrie profitiert derzeit nicht vom Aufschwung anderer Länder wie den USA oder einiger Euro-Staaten", sagte Wohlrabe. Das lasse auf eine strukturelle Krise schließen. "Die Schwäche in der Industrie strahlt auch auf die Branchen ab, die an ihr hängen", sagte Wohlrabe. Als Beispiele nannte er den Großhandel sowie die Transport- und Logistikbranche.
Dennoch hält der Experte ein leichtes Wachstum der deutschen Wirtschaft im zu Ende gehenden vierten Quartal für möglich. "Es könnte zu einem Mini-Plus von 0,1 Prozent reichen", sagte Wohlrabe. In diesem Tempo ist das Bruttoinlandsprodukt bereits im dritten Quartal gewachsen. Staats- und Privatkonsum könnten dazu erneut beitragen. Das Geschäftsklima im Einzelhandel habe sich zwar etwas eingetrübt. "Aber das Weihnachtsgeschäft ist wohl bislang ganz okay gelaufen", sagte Wohlrabe. "Gerade der Konsum im Onlinehandel läuft gut." Es sei aber noch Luft nach oben. Die Sparquote sei nach wie vor recht hoch.
Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen hat sich auch zum Jahresende eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex als wichtigstes Barometer für die Konjunktur in Deutschland fiel im Dezember überraschend stark auf 84,7 Zähler von 85,6 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. "Die Bescherung für die deutsche Wirtschaft fällt dieses Jahr aus", lautet das Fazit von Ifo-Umfragechef Wohlrabe.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Klaus Lauer - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)