US-Notenbank lockert Geldpolitik erneut - Zinspause im Januar?

- von Howard Schneider und Ann Saphir
Washington (Reuters) - Die US-Notenbank Fed senkt zum Jahresende noch einmal die Leitzinsen und signalisiert für 2025 eine langsamere Lockerung ihrer Geldpolitik.
Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell setzten wie allgemein erwartet den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwoch um einen Viertelpunkt nach unten - auf die Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent. Die Federal Reserve hat im September die Zinswende eingeleitet, im November nachgelegt und nun zum dritten Mal in diesem Jahr ihre Geldpolitik gelockert. Man sei an dem Punkt oder kurz davor, dass man die Zinssenkungen verlangsamen könne, sagte Powell auf einer Pressekonferenz. "Von hier an ist es eine neue Phase. Wir werden bei weiteren Kürzungen vorsichtig sein." Die Geldpolitik sei zwar immer noch restriktiv, aber deutlich näher an einem neutralen Niveau.
Die US-Notenbanker gehen nun davon aus, dass sie bis Ende 2025 nur zwei Zinssenkungen um jeweils einen Viertelprozentpunkt vornehmen werden. Dies ist ein halber Prozentpunkt weniger als noch im September erwartet. Auch Fachleute gehen davon aus, dass die Fed 2025 ihre Zinsen langsamer senken wird als ursprünglich angenommen. Denn die vom designierten US-Präsidenten Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Importe könnten die Inflation anheizen. "Zwei Zinssenkungen liegen im kommenden Jahr zwar drin, dies ist aber wohl als Maximum und nicht als Minimum zu verstehen", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Dabei wird die Fed bereits auf ihrer Sitzung Ende Januar eine erste Pause einlegen."
Die Fed sollte die Zinsen in den nächsten Meetings zunächst unverändert lassen, um ihre Handlungsfähigkeit angesichts unsicherer ökonomischer Rahmenbedingungen zu bewahren, sagte auch Lena Dräger vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). Denn das makroökonomische Umfeld sei schwierig. "Vieles spricht derzeit für ein erneutes Anziehen der Inflation, gleichzeitig sind die Aussichten für die Konjunktur unsicher."
"ZINSPAUSE IM JANUAR NAHEZU AUSGEMACHTE SACHE"
Elmar Völker von der LBBW betonte, die Fed signalisiere, dass die Gangart bei den Zinssenkungen ab jetzt deutlich langsamer werden dürfte. Zum einen liege dies an den verbesserten Konjunkturaussichten und der hartnäckigen Inflation. Zum anderen dürfte der baldige Amtsantritt der Trump-Regierung bereits im Hinterkopf der Notenbanker herumschwirren. "Wir gehen daher davon aus, dass eine Zinspause auf der nächsten Fed-Sitzung im Januar nahezu ausgemachte Sache ist", erklärte Analyst Völker.
Powell sagte dazu, man müsse Änderungen der US-Politik unter Trump abwarten und sehen, was dies für Folgen haben werde. "Ist es sehr verfrüht, irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen."
Der Fed-Beschluss fiel mit 11:1 Stimmen aus, ein Ausschuss-Mitglied hätte die Zinsen gerne unverändert gelassen. Gold baute unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Fed-Entscheidung seine Verluste etwas und lag 2,1 Prozent im Minus. Die Wall Street drehte deutlich ins Minus. Der Dow-Jones-Index ließ mehr als zwei Prozent Federn.
Die Fed erklärte, die Risiken für Beschäftigung und Inflation seien weiter "im Gleichgewicht". Der Arbeitsmarkt sei solide, aber kühle sich ab, erklärte Powell. Sollte sich der Jobmarkt schwächer entwickeln oder die Inflation sinken, könne man schneller lockern. Die US-Wirtschaft laufe rund und er erwarte auch 2025 ein gutes Jahr. Die Fed rechnet dann mit 2,1 Prozent Wachstum.
Die jüngsten Daten zum Jobmarkt hatten gezeigt, dass sich der US-Arbeitsmarkt weiter abkühlt, aber relativ widerstandsfähig bleibt. Im November kamen dem Bericht zufolge 227.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, allerdings gab es statistische Verzerrungen wegen Hurrikans und Streiks. Die Arbeitslosenquote stieg von 4,1 auf 4,2 Prozent. Derweil kletterte die Inflation im November auf 2,7 Prozent, nach 2,6 Prozent im Oktober. Die sogenannte Kernrate, bei der die schwankungsanfälligen Kosten für Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, verharrte sogar bei 3,3 Prozent. Das liegt weit über der Zielmarke der Notenbank von zwei Prozent. Diese zu erreichen könne noch ein oder zwei Jahre dauern, sagte Powell. Man sei aber auf gutem Wege. Für 2025 rechne die Fed mit einer Jahresteuerung von 2,5 Prozent.
(Geschrieben von Klaus Lauer und Scot Stevenson, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)