RTL übernimmt Bezahlsender Sky Deutschland - Aktie im Höhenflug

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- von Klaus Lauer und Alexander Hübner

Berlin (Reuters) - RTL kauft den Pay-TV-Sender Sky Deutschland und will damit den US-Streamingplattformen Netflix und Amazon Prime Paroli bieten.

Die Bertelsmann-Tochter kündigte am Freitag an, von Comcast 100 Prozent der Sky-Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf bargeld- und schuldenfreier Basis zu übernehmen. Der US-Medienkonzern bekommt 150 Millionen Euro in bar und kann - abhängig von der Entwicklung der RTL-Aktie - in den nächsten Jahren einen Nachschlag von bis zu 377 Millionen Euro erhalten. "Wir sehen uns im Verbund mit Sky als klarer nationaler Medienchampion in Deutschland, der alle Voraussetzungen und Ressourcen hat, um im Wettbewerb mit den US-Plattformen zu bestehen", sagte Thomas Rabe, Chef von Bertelsmann und der RTL Group, der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Deal kam an der Börse gut an. Die RTL-Aktie stieg bis Mittag um 17 Prozent auf 37,05 Euro und war größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax. "Die in Aussicht gestellten Synergien sind enorm für RTL und das Chance-Risiko-Verhältnis des Deals sieht klar positiv aus", sagte ein Händler.

FUSION MIT PROSIEBENSAT.1 VOM TISCH - "SKY BESSERE OPTION"

Der Zusammenschluss von RTL und Sky bringe zwei der stärksten Unterhaltungs- und Sportmarken Europas zusammen und schaffe ein einzigartiges Video-Angebot im Free-TV, Pay-TV und Streaming, erklärte Rabe. Mit künftig rund 11,5 Millionen zahlenden Streaming-Abonnenten holt das gemeinsame Unternehmen in Deutschland zu den großen US-Wettbewerbern auf. Die Streaming-Dienste RTL+ und Wow von Sky wären dann zusammen deutlich vor Disney auf Platz 3, aber noch immer klar hinter Marktführer Netflix und Amazons Prime.

In der Vergangenheit hatte Rabe wiederholt mit einer Fusion mit dem bayerischen Konkurrenten ProSiebenSat.1 geliebäugelt, aber am grünen Licht der Kartellbehörden dafür gezweifelt. "Das Thema eines Zusammenschlusses mit ProSiebenSat.1 hat sich nun definitiv erledigt", sagte Rabe Reuters. "Sky ist für uns die deutlich bessere Option, weil das Geschäft komplementär ist zu RTL", erklärte er. Denn RTL finanziere sich vor allem über Werbung, Sky über Abos. Überlappungen gebe es wenig, da das RTL-Publikum eher weiblich und jünger sei, das von Sky eher männlich und älter.

SKY STARK BEI FUSSBALL UND FORMEL1 - MEHR SPORT BEI RTL?

In puncto Rechte für Inhalte werde man genau schauen, wie man dies "optimal orchestrieren" könne, sagte Rabe. Sky habe neben der Formel 1 etwa Rechte für die Fußball-Bundesliga und den DFB-Pokal. "Es ist durchaus denkbar, dass einige Spiele auch im Free-TV von RTL laufen."

Der Sky-Deal ist für den europäischen TV-Konzern RTL Group die größte Transaktion seit der Gründung 2000. Die Transaktion soll 2026 über die Bühne gehen und nach drei Jahren 250 Millionen Euro an Synergien bringen. Top-Manager von RTL ließen offen, ob das angepeilte Einsparen von Kosten auch Personal betreffe. Der Deutsche Journalisten-Verband warnte umgehend vor einem Abbau von journalistischen Arbeitsplätzen. "Dazu darf es auf gar keinen Fall kommen", betonte Gewerkschaftschef Mika Beuster. Der Chef von RTL Deutschland, Stephan Schmitter, sagte der "Süddeutschen Zeitung" dazu nur: "Wir werden uns beide Organisationen sehr genau anschauen und dann entscheiden, wie wir uns zukünftig am besten und effizientesten aufstellen."

Schmitter soll das gemeinsame Unternehmen leiten. Der Hauptsitz von RTL Deutschland bleibt Köln, der von Sky München.

Sky Deutschland erzielte mit gut 2000 Beschäftigten zuletzt zwei Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Sender hat vor einigen Jahren hohe Verluste geschrieben. Sky-Chefin Dana Strong betonte, das Deutschland-Geschäft habe dank der Sanierung große Fortschritte gemacht. RTL erwartet, dass Sky Deutschland 2025 die Gewinnschwelle erreicht. Vor rund zwei Jahren hatte auch ProSiebenSat.1 eine Übernahme von Sky Deutschland ausgelotet. Comcast war damals sogar bereit, eine Mitgift von mehreren hundert Millionen Euro mitzugeben, wie Reuters im Mai 2023 von Insidern erfahren hatte.

Der variable Teil des Kaufpreises hängt vom RTL-Aktienkurs ab. Comcast kann jederzeit innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss des Deals die variable Vergütung auslösen - wenn der Aktienkurs 41 Euro übersteigt. Bei einem Kurs von 70 Euro wäre der Nachschlag für Comcast bei 377 Millionen Euro gedeckelt.

RTL kann wohl bald 1,1 Milliarden Euro einstreichen, da das niederländische Kartellamt ACM den Verkauf von RTL Nederland an die belgische Mediengruppe DPG unter Auflagen gebilligt hat.

(Mitarbeit von Rachel More, Daniela Pegna und Kate Holton; redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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