Daimler: Kommt das dicke Ende zum Schluss? – Kürzt Vorstandschef Källenius morgen die Dividende auf einen Euro?

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Daimler: Kommt das dicke Ende zum Schluss? – Kürzt Vorstandschef Källenius morgen die Dividende auf einen Euro?

Das die Stuttgarter wohl mehr Stellen abbauen als ursprünglich geplant, scheint heute schon durchgesickert zu sein. Zumindest berichtet heute das Handelsblatt heute unter Berufung auf Konzernkreise, dass statt 10.000 Arbeitsplätzen wohl 15.000 Stellen über Abfindungen, Frühpensionierungen und Altersteilzeit wegfallen sollen. Daimler muss wohl noch ein Bisschen mehr sparen, als bisher angenommen. Das dicke Ende könnte allerdings morgen bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen noch folgen.

Zahlen stehen unter keinem guten Stern?

Daimler-Chef Ola Källenius legt seine erste Jahresbilanz in stürmischen Zeiten vor. Der seit Mai amtierende Schwede wird beim schwäbischen Traditionskonzern den zweiten Gewinneinbruch nacheinander vermelden müssen. Die vorläufigen Zahlen, die am 22. Januar vermeldet wurden, hatten schon für Unmut unter den Anlegern gesorgt. Der Stuttgarter Autobauer vermeldete ein vorläufiges Konzern-EBIT von 5,6 Milliarden Euro nach 11,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Was den Anlegern besonders nicht schmeckte: In den vorläufigen Zahlen waren voraussichtliche zusätzliche Aufwendungen für laufende behördliche und gerichtliche Verfahren und Maßnahmen betreffend Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge in verschiedenen Regionen und Märkten noch nicht enthalten. Diese betragen nach vorläufiger Einschätzung des Dax-Konzerns 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro und werden sich im Wesentlichen bei Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans negativ auswirken.

Kürzt Källenius die Dividende?

Der Daimler-Chef hatte schon vor den Zahlen darauf hingewiesen, dass der Autobauer mehr sparen müssen. Nach den ersten Schätzungen ist wohl klar, dass die Stuttgarter noch mehr sparen müssen. Daher dürften mehr Stellen wegfallen als geplant und wahrscheinlich müssen die Aktionäre wieder eine gekürzte Dividende hinnehmen. Sollte es so kommen, dürften die Anleger erneut nicht begeistert sein.

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Der Stern von Källenius ist blass geworden

Was unter Dieter Zetsche alles so strahlend aussah, wird für Ola Källenius immer mehr zum Alptraum. Am 22. Mai 2019 trat der Schwede die Nachfolge von Zetsche an. Betrachtet man ganz nüchtern die Zahlen, dann hat Källenius mit dem vorläufigen Ergebnis für das Geschäftsjahr 2019 die dritte Gewinnwarnung in seiner Amtszeit ausgesprochen. Es gibt sicherlich bessere Einstände auf dem Vorstandsvorsitz eines Dax Konzerns.

Vorgänger hinterlässt kein gepfügtes Feld

Dieter Zetsche hielt wohl nicht sonderlich viel von der Elektromobilität. Ein Bild, dass dafür spricht, bleibt eindrucksvoll in Erinnerung. Während 2018 auf der Detroit Motor Show viele Autobauer schon damit beschäftigt waren ihre Pläne für die Elektrifizierung ihrer Flotte in den Vordergrund zu stellen, präsentierte Zetsche zusammen mit Arnold Schwarzenegger die neue G-Klasse: Ein spritschluckendes PS-Monster!

Weg zur Elektromobilität ist teuer

Jetzt liegt es an Källenius den Weg zur Elektromobilität einzuschlagen. Ein steiniger und vor allen Dingen teurer Weg. Die Umstellung hin zu Elektroantrieben wird Daimler viel Geld kosten. Daher dürfte die Umsatzrendite von Pkw und Vans den Planungen zufolge auch in diesem Jahr nur magere 4 Prozent übersteigen und erst 2022 über 6 Prozent liegen. Källenius will die jährlichen Personalkosten um 1,4 Milliarden Euro senken. Mit den ursprünglichen Plänen, die der Schwede hatte, dürfte dieses Kunststück nicht mehr zu bewerkstelligen sein. Daher wird über die Zahl der Stellenstreichungen und eine Dividendenkürzung immer lauter gemunkelt.

Das sind aber nicht die einzigen Baustellen, die Källenius schließen muss. Der Daimler-Chef sieht sich neuen Schwierigkeiten gegenüber, neben der schwächelnden Pkw-Sparte fällt dem Konzern nun auch die Flaute auf den europäischen und nordamerikanischen Lkw-Märkten auf die Füße. Auch das gemeinsam mit BMW betriebene Geschäft mit Mobilitätsdiensten fährt weiter Verluste ein.

Nur noch ein Euro Dividende?

Mit den zusätzlichen Belastungen für die Profitabilität könnte die Dividendenkürzung noch deutlicher ausfallen als befürchtet, schrieb Experte Marc-Rene Tonn von Warburg Research nach der jüngsten Gewinnwarnung. Der Analyst rechnet nach 3,25 Euro im Vorjahr nun mit einer Ausschüttung von nur noch 1,00 Euro je Aktie.

Die von Bloomberg befragten 15 Branchenexperten rechnen im Schnitt mit 1,28 Euro. Daimler orientiert sich bei der Dividende hauptsächlich an dem auf die Aktionäre entfallenden Konzerngewinn, von dem 40 Prozent ausgeschüttet werden sollen. Diesen veranschlagen die Analysten im Stimmungsbild durchschnittlich bei 2,7 Milliarden Euro und damit rund 65 Prozent unter dem Vorjahresgewinn von 7,6 Milliarden.

Commerzbank-Experte Demian Flowers errechnet auf Basis seiner Schätzung für den Gewinn nur 89 Cent Dividende. Das sei aber wohl nur im schlimmsten Fall zu erwarten. Er gehe davon aus, dass das Management über die angestrebte Ausschüttungsquote in diesem Jahr hinwegsehe und mehr ausschütten dürfte.

Wie hoch genau die Ausschüttung ausfällt, könnte auch vom freien Mittelzufluss im vierten Quartal abhängen. Aus dem Industriegeschäft wollte Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm auf Jahressicht zuletzt noch einen positiven Zufluss erreichen – in den ersten neun Monaten flossen insgesamt 522 Millionen Euro ab. Daimler hatte dabei im dritten Quartal viel Boden gutmachen können.

Wieder aufwärts gehen sollte es im laufenden Jahr immerhin wieder: Die Experten rechnen mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von knapp 8 Milliarden Euro. Warburg-Analyst Tonn gibt allerdings zu bedenken, dass behördliche und gerichtliche Verfahren um Dieselfahrzeuge weiter belasten könnten.

Anleger haben nicht viel zu lachen

Die Daimler-Aktie stellt ihre Anteilseigner weiter auf die Probe. Sah es im vergangenen Jahr zweimal danach aus, als könnte sich das Papier von der mauen Entwicklung etwas lösen, zog es den Titel im Nachgang immer wieder nach unten. Stand die Daimler-Aktie im Januar 2018 bei über 76 Euro, ist sie heute nur noch gut 43 Euro wert.

Rund um die Amtsübernahme von Källenius im Mai und vor seiner Strategiepräsentation mit mittelfristigen Zielen im November keimte etwas Optimismus auf. Doch auch der Ausflug über 54 Euro im November erwies sich als kurzes Strohfeuer.

Seit Anfang 2018 hat Daimler fast 40 Prozent an Wert verloren. Konkurrent BMW steht in diesem Zeitraum mit rund einem Viertel Minus etwas besser da und hat sich in etwa wie der europäische Branchenindex entwickelt.

Sollte Daimler morgen tatsächlich die Dividende Richtung einen Euro kürzen, dann könnte die leichte Erholung von heute auch schon wieder ganz schnell Geschichte sein!

Von Markus Weingran / dpa-AFX

Foto: Christian Mueller / shutterstock.com

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