Dax verliert an Schwung: Analyst rechnet mit Gewinmitnahmen vor den Ostertagen – 650.000 Betriebe bundesweit melden Kurzarbeit an

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Dax verliert an Schwung: Analyst rechnet mit Gewinmitnahmen vor den Ostertagen – 650.000 Betriebe bundesweit melden Kurzarbeit an

In der Hoffnung auf eine rasche Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hatten sich die Anleger heute zunächst wieder in die europäischen Börsen zurück getraut. Der Dax legte in der Spitze um über zwei Prozent auf 10.575 Punkte zu, der EuroStoxx50 gewann zunächst 1,4 Prozent auf 2893 Zähler. Zuvor hatte Spaniens Regierung von einem Hoffnungsschimmer in der Virus-Krise gesprochen und Italien eine Lockerung der Beschränkungen in Aussicht gestellt. Doch im Handelsverlauf bis zum Mittag musste der Dax weit mehr als die Hälfte seines Gewinns abgeben. Momentan notiert er noch mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 10.376 Punkten. Der Eurostoxx notiert mittlerweile 0,9 Prozent im Minus.

Wegen des anstehenden verlängerten Osterwochenendes könnten weitere Investoren im Tagesverlauf kalte Füße bekommen und Kasse machen, warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „In der aktuellen Situation sind vier Tage eine Ewigkeit, und es braucht nicht viel an negativen Nachrichten, um einen erneuten Ausverkauf an den Märkten auszulösen.“ Aus diesem Grund griffen einige Investoren vor den Feiertagen zur „Antikrisen-Währung“ Gold, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 1661 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Entscheid über Euro-Hilfspaket dürfte die Marktstimmung vorgeben

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Sehr wichtig für die Stimmung wird auch das Gelingen oder Scheitern in den Verhandlungen rund um Hilfspakete für die Eurogruppe. Gestern konnte wegen zu großer Uneinigkeit zwischen Italien und den Niederlanden vorerst kein Ergebnis erzielt werden. Der Druck auf die Finanzminister ist groß – und damit auch das Risiko für die Märkte. Sollte abermals keine Entscheidung über ein Hilfspaket fallen, würde das „das Bild einer EU zeichnen, die selbst in Zeiten einer akuten Krise aufgrund ideologischer Differenzen nicht schnell genug auf einen gemeinsamen Nenner kommen kann“, schrieb Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch von der Landesbank BayernLB.

Die Minister wollen in einem zweiten Anlauf versuchen, gemeinsame Hilfen für die von der Virus-Krise besonders gebeutelten Staaten wie Italien auf die Beine zu stellen. „Das italienische Problem sollte als europäisches Problem behandelt werden“, mahnte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. „Es ist riskant, Italien in dieser Lage allein zu lassen.“ Dies würde den dortigen Nationalisten Auftrieb geben, die die Diskussion um einen EU-Austritt ihres Landes wieder entfachen könnten. EZB-Chefin Christine Lagarde rief die Regierungen Europas zu mehr Solidarität auf.

Italien-Anleger blieben skeptisch und trennten sich von Anleihen des Landes. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,727 von 1,656 Prozent und vergrößerte den Risikoaufschlag zu vergleichbaren Bundesanleihen.

US-Arbeitsmarktdaten und Powell-Rede

Auf dem Terminplan steht auch die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten. Experten rechnen mit 5,3 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, nachdem in den beiden vorangegangenen Wochen insgesamt rund zehn Millionen Amerikaner Stütze beantragt hatten. Aus diesem Grund und wegen der steigenden Corona-Fallzahlen in den USA dürfte Notenbankchef Jerome Powell mit seinem geplanten Konjunkturausblick kaum Euphorie verbreiten, prognostizierte BayernLB-Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch. „Powell dürfte vielmehr die Bereitschaft der Fed für weitere Maßnahmen signalisieren.“

Massiver Anstieg von Kurzarbeit in Deutschland

Der deutsche Arbeitsmarkt hält sich dank der Maßnahmen der Regierung bisher noch halbwegs solide. Bundesweit haben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 650.000 Betriebe Kurzarbeit wegen des Coronavirus angekündigt.

Die Zahl sei binnen einer Woche um knapp 40 Prozent gestiegen, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Berücksichtigt seien dabei Anzeigen bis zum vergangenen Montag (6. April). Mit der Anzeige von Kurzarbeit starten die Betriebe das förmliche Verfahren, damit Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten.

Die Anzeigen kommen laut BA aus nahezu allen Branchen. Schwerpunkte seien der Einzelhandel und das Gastgewerbe. BA-Chef Detlef Scheele machte deutlich, dass seine Behörde noch nicht abschätzen könne, wie viele Beschäftigte von Kurarbeit betroffen sein werden. Die Behörde und auch die Bundesregierung gehen davon aus, dass der Rekordwert von knapp 1,5 Millionen Kurzarbeitern im Frühjahr 2009 deutlich übertroffen wird.

Euro-Zone wird in Rezession stürzen

Beim Blick in die Zukunft sieht es jedoch düster aus: Die Euro-Zone stürzt laut einer Prognose des Ifo-Instituts in den kommenden Monaten in eine Rezession. Die Wirtschaftsleistung dürfte im ersten Quartal um 2,3 Prozent geschrumpft sein und wird im Frühjahr voraussichtlich um 10,5 Prozent einbrechen, wie das Münchner Ifo in einer am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Vorhersage mit der Konjunkturforschungsstelle KOF in Zürich annimmt. Laut den Forschern dürfte sich nach dem Abklingen der Viruskrise aber eine Erholung einstellen: Für das dritte Quartal sehen sie ein Wachstum von 8,7 Prozent voraus.

„Die Corona-Pandemie ist ein beispielloser Schock für die Weltwirtschaft“, konstatieren die Forscher. Das Ifo und weitere führende Forschungsinstitute hatten in ihrer am Mittwoch vorgelegten gemeinsamen Prognose für die Bundesregierung ein Schrumpfen des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr um 4,2 Prozent vorhergesagt. 2021 soll es dann um 5,8 Prozent zulegen.

Das an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligte Berliner DIW sieht im Gegensatz zu den anderen Instituten den Bedarf für ein Konjunkturprogramm zur Stärkung der Nachfrage. Mit umfangreichen Krediten, Garantien und mit der Kurzarbeit seien zwar bereits wichtige Weichen für das Überleben von Unternehmen und für den Erhalt von Arbeitsplätzen gestellt worden, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen: „Neben den Sofortmaßnahmen wäre ein Konjunkturprogramm aber ein wichtiger Impuls, um zügig aus der Krise zu kommen und eine Erholung einzuleiten.“

onvista/reuters/dpa-AFX

Titelfoto: ffikretow@hotmail.com / Shutterstock.com

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