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Der größte (Crash)-Irrtum aller Zeiten

Stefan Riße

Crash-Prognosen haben derzeit wieder Hochkonjunktur. Nach nun über zehn Jahren Wirtschaftsaufschwung, der tatsächlich der längste in den vergangen 100 Jahren ist, geht die Angst vor der nächsten großen Krise um. So ist es nicht verwunderlich, dass sich aktuell zwei Bücher auf der Spiegel-Bestsellerliste befinden, die vom größten Crash aller Zeiten oder dem Weltsystemcrash sprechen. In den vergangenen rund 35 Jahren, in denen ich das Geschehen an den Finanzmärkten mit verfolge, sind sie natürlich nicht die ersten, die den großen Untergang der Weltwirtschaft voraussagen. Paul C. Martin, der Bankier Johann Philipp Freiherr von Bethmann und Roland Leuschel waren die wohl bekanntesten im deutschsprachigen Raum. Nimmt man noch die aus dem angelsächsischen Raum dazu, ließe sich die Liste unendlich verlängern. Die auch hierzulande bekanntesten sind wohl Marc Faber und Albert Edwards. Bisher haben sich alle von Ihnen geirrt. Dazu gehören im Übrigen auch die aktuell auf der Bestsellerliste befindlichen Autoren Max Otte sowie das Autorendoppelpack Marc Friedrich und Matthias Weik. Denn auch sie haben schon in vorherigen Büchern den großen Untergang vorausgesagt. Max Otte muss man fairerweise aber zugestehen, dass er vor der letzten Finanzkrise ziemlich treffsicher einen Crash prognostizierte - der Untergang des Euros und andere Horrorszenarien, die er ebenfalls voraussagte, blieben jedoch aus.

Entweder Hyperinflation, Depression oder Staatsbankrott

Die Szenarien, die von den einzelnen Crash-Propheten aufgezeigt werden, sind immer die gleichen. Hyperinflation mit anschließender Währungsreform, bei denen die Leute ihr Erspartes verlieren. Oder es kommt der Staatsbankrott, der dazu führt, dass die Anleihebesitzer, wozu ja über Produkte wie Lebensversicherungen und Rentenfonds etc. auch die breite Bevölkerung gehört, große Teile ihres Vermögens verlieren. Letztes Szenario ist die große Deflation und Depression, weil die Weltwirtschaft bereits überstimuliert ist durch die Notenbanken, die ihr Pulver nun verschossen haben.

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Staatsbankrott ist im Papiergeldsystem ausgeschlossen

Beginnen wir mal, die einzelnen Szenarien zu beleuchten. Da gibt es zum einen den Staatsbankrott. Fraglos haben die Autoren recht, wenn sie beschreiben, dass die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen ist. Japan ragt heraus mit über 240 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Diese Summen seien nicht mehr rückzahlbar, lautet das Argument. Doch das ist natürlich totaler Unsinn. Denn wenn wir über die USA, über Japan, über China und über Großbritannien sprechen, dann reden wir über Länder, die sich in ihren eigenen Währungen verschulden. Und da alle diese Länder das Papiergeldsystem haben, in dem die Notenbanken so viel Geld erschaffen können, wie sie wollen, werden diese Länder ihre Anleihegläubiger natürlich immer befriedigen können. Argentinien, um nur ein Beispiel herauszugreifen, ist ein anderer Fall. Dieses Land verschuldet sich genau wie die Türkei in Fremdwährung, überwiegend in US-Dollar. Die können natürlich Pleite gehen, weil sie den Dollar ja nicht selber drucken können. Theoretisch sind seit Einführung des Euros daher auch Staatsbankrotte in der Eurozone vorstellbar. Denn die Griechen wie auch die Italiener können nun nicht mehr ihre eigene Währung nachdrucken. Nur das im Übrigen ist der Grund, warum plötzlich die Angst vor einer Staatspleite in Europa umging. Doch spätestens seit 2012 ist klar geworden, dass auch in der Eurozone die Europäische Zentralbank (EZB) die Staaten am Ende mit frisch gedrucktem Geld herauspauken wird. Der Satz des jüngst verabschiedeten EZB-Chefs Mario Draghi „whatever it takes“, hat dies deutlich gemacht.

Helikopter-Geld kann jede Deflation beenden

Das nächste Szenario, dass die Weltwirtschaft in ein Siechtum überführen soll, ist die Deflation und Depression ähnlich wie in den dreißiger Jahren. Die Notenbanken hätten ihr Pulver verschossen. Schließlich seien die Zinsen schon bei null oder im Minus-Bereich und es wären schon massenhaft Staatsanleihen gekauft worden. Doch Unternehmen und Bürger seien zu hoch verschuldet, um noch weitere Kredite aufzunehmen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. An diesem Argument ist durchaus etwas dran. Doch der Staat kann dann einspringen, wie er es nach der Finanzkrise bereits getan hat, Stichwort Abwrackprämie und ähnliche Maßnahmen. Auch hier hilft das Papiergeldsystem. Schon Ex-US-Notenbank Chef Ben Bernanke brachte einst das Helikopter-Geld ins Spiel. Zur Not kann sich der Staat ja unbegrenzt bei der eigenen Notenbank verschulden und über massive staatliche Investitionen, Steuersenkungen oder Grundeinkommen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Und das zum Nullzins, alles kein Problem. Es braucht nur den politischen Willen. Der fehlte in Japan lange Zeit nach dem Platzen der dortigen Immobilienblase 1990. Und in den 30er Jahren in den USA gab es kein Papiergeldsystem. Die Welt war unter dem Diktat des Goldstandards, in dem die Notenbanken die Geldmenge immer nur erhöhen konnten, wenn Sie entsprechende Goldreserven hierfür hinterlegt hatten. Weil die Krise in den USA am schwersten war und der Dollar unter Währungsabflüssen litt, musste die US-Notenbank damals mit ihren Goldbeständen den Dollar aufkaufen, um diesen stabil gegenüber anderen Währungen zu halten, wie beispielsweise dem Britischen Pfund, das zur Stärke tendierte. So verknappte sie die Geldmenge immer mehr und verschärfte die Krise damit weiter. Erst als Präsident Roosevelt die Dollarbindung auflöste und wieder Geld gedruckt wurde, kam das Land aus der Krise.

Inflation ist das einzige, langfristig denkbare Szenario

Was für eine schöne neue Welt, mag der Leser bis hierhin denken. Gibt es Probleme, wird Geld nachgedruckt, und alles ist gut. Tatsächlich funktioniert dies momentan so und dadurch hat die Wirtschaft aufgrund des technischen Fortschritts und die Einbindung der Billiglohnländer in den globalen Produktionsprozess unglaubliche Kapazitäten geschaffen. Warenknappheit ist ein Problem von gestern. Käme es tatsächlich zum Helikoptergeld, würde dies zunächst wohl kaum zu deutlich höherer Inflation führen. Eines Tages könnte sich diese dann aber doch Bahn brechen, ausgelöst durch steigende Mieten aufgrund von Vermögenspreisinflation bei den Immobilien oder die Knappheit natürlicher Ressourcen wie Rohstoffen. Dann kämen die Notenbanken das erste Mal wieder in die Situation wie in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre und müssten sich entscheiden zwischen Wirtschaft ankurbeln oder Inflationsbekämpfung. An dem Tag, an dem sie sich für letzteres entscheiden, wäre die Party dann vorbei. Bis es dazu kommt, würden die Währungshüter eine Zeit lang aber sehr wahrscheinlich höhere Inflationsraten tolerieren, um den Schuldenabbau via Inflation zu ermöglichen. Doch auch die höheren Inflationsraten dürften sich in Grenzen halten. Für Hyperinflation, die es natürlich nach Kriegen gab, als alles zerstört und nur das Geld noch da war in den Luftschutzkellern, gibt es überhaupt keinen Anlass. Dafür ist die Verschuldung und die Geldmenge gar nicht weit genug ausgeweitet worden.

„Die Inflation kommt“ lautete der Titel meines letzten Buches. Oberflächlich gesehen mag ich mich da in den Reigen der „Crash-Propheten“ eingereiht haben. Wer das Buch gelesen hat, weiß allerdings, dass ich Inflationsraten von fünf bis maximal zehn Prozent voraussagte. 2009 erschien das Buch, und bisher habe ich mich da diesbezüglich natürlich auch geirrt. Was allerdings eingetroffen ist, ist der negative Realzins, den ich prognostizierte. Doch dieser kam nicht durch steigende Inflationsraten, sondern durch negative Zinsen zustande. Im Ergebnis ist es das gleiche, die Sparer verlieren sukzessive ihr Geld durch seine schleichende Entwertung. Daher waren die Anlageempfehlungen auch goldrichtig und dürften es weiterhin bleiben. Sachwerte wie Aktien, Immobilien und ein wenig Edelmetalle braucht man, Geldwerte sind zu meiden. Anleger, die dies beherzigen, sollten in den nächsten Jahren weiterhin eine Vermehrung ihres Vermögens erleben und nicht die schleichende Entwertung.

Vor dem größten Crash aller Zeiten muss sich jedenfalls niemand fürchten.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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