Großaktionär Mediaset schießt kurz vor ProSieben-Hauptversammlung Giftpfeile

Reuters

Berlin (Reuters) - Kurz vor der Hauptversammlung fordert Großaktionär Mediaset das Management von ProSiebenSat.1.<PSMGn.DE> auf, endlich eine Wachstumsstratgie zu präsentieren.

Der deutsche Fernsehkonzern habe "in den letzten Jahren versucht zu überleben, ohne eine Strategie für sein Mediengeschäft zu haben", sagte Mediaset-Finanzchef Marco Giordani dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" laut Vorabbericht vom Freitag. Der Versuch, sowohl eine TV-Sparte als auch Portale wie die Verbraucherplattform Verivox oder das Dating-Portal Parship zu betreiben, habe dazu geführt, "dass die Sender gelitten und Marktanteile an RTL verloren haben". Das ProSieben-Management sei "jetzt in der Pflicht, den Aktionären eine Wachstumsstrategie vorzulegen, im Moment sehe ich die nicht", mahnte Giordani. Alles, was zuletzt vorgelegt worden sei, "führt nur dazu, dass das Unternehmen schrumpft".

ProSieben wollte sich nicht konkret zu der Kritik äußern. Eine Konzernsprecherin sagte nur, man halte an der eingeschlagenen Strategie fest. Der neue ProSieben-Chef Rainer Beaujean hat angekündigt, man wolle sich wieder stärker auf das Unterhaltungs- und TV-Geschäft konzentrieren.

Die von der Familie des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset ist mit rund 24,2 Prozent größter Eigentümer des bayerischen Unternehmens. Knapp zwölf Prozent halten die Italiener direkt, den Rest über Finanzinstrumente. Am Mittwoch steht bei ProSieben die mit Spannung erwartete Hauptversammlung an. ProSieben hat bisher zurückhaltend auf das Werben von Mediaset reagiert, sich an dem von den Italienern angeschobenen europäischen TV-Projekt MFE zu beteiligen. In der Branche gibt es Spekulationen, die Mailänder könnten ihren ProSieben-Anteil aufstocken. Einem Übernahmeangebot erteilte Giordani jedoch vorerst eine Absage: "Gegenwärtig schließen wir das aus." Man wolle dem Management in Unterföhring "keine Strategie aufdrücken, wir wollen es auch nicht bekämpfen. Vielleicht hat die Führung von ProSiebenSat.1 eine eigene Idee, woher das Wachstum künftig kommen soll."

Wegen eines Streits mit dem eigenen Großaktionär Vivendi stockt Mediasets Vorhaben für MediaforEurope (MFE) derzeit. Sobald dies geklärt sei, "gehen wir direkt auf das (ProSieben-)Management zu und reden", sagte Giordani. Er bekräftigte, dass an einer Konsolidierung auf dem europäischen TV-Markt kein Weg vorbeiführe. Deutschland müsse als wichtigster TV-Markt in Europa mit an Bord sein. Durch gemeinsame Technologien könnten Kosten gespart werden, etwa bei Streaming-Lösungen. Um gegen die Giganten aus den USA anzukommen, reiche aber auch das nicht aus. "Der Kampf gegen Amazon und Netflix ist aussichtslos." Gegen deren Finanzkraft habe man in Europa "ohnehin keine Chance". Sorgen über einen politischen Einfluss Berlusconis seien unbegründet: "Unser Geschäftsmodell beruht nicht darauf, Herrn Berlusconi oder sonst jemandem einen Gefallen zu tun." Heute sollten sich Politiker "eher vor der Marktmacht von Google und Facebook fürchten".

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