Künftiger BDI-Präsident bemängelt Investitionsstau

Reuters

Berlin (Reuters) - Der designierte BDI-Präsident Siegfried Russwurm macht in der öffentlichen Infrastruktur und bei der Digitalisierung einen erheblichen Nachholbedarf aus.

Hier brauche es Investitionen, sagte der langjährige Siemens-Vorstand, der Anfang 2021 an die Spitze des Industrieverbandes rücken soll. Vor allem bei der Digitalisierung seien viele Staaten weiter als Deutschland. Die entscheidende Frage für die Politik laute daher: "Wie kommen wir da endlich in die Pötte?" In Summe seien große Zahlen als Investitionen nötig. "Das schreckt mich aber nicht." Sie würden sich lohnen.

Russwurm wurde am Montag in geheimer Abstimmung und ohne Gegenstimme zum künftigen BDI-Präsidenten gewählt. "Der durch Corona verschärfte Strukturwandel der deutschen Industrie ist tiefgreifend", sagte der 57-Jährige. Es müsse alles dafür getan werden, die Rezession rasch zu überwinden. Russwurm folgt beim BDI auf Dieter Kempf, der zu einem scharfen Kritiker der großen Koalition geworden ist. "Deutschland ist ein Schnarchland geworden", hatte er immer wieder gesagt und deutlich höhere Investitionen, mehr Tempo bei Großprojekten und steuerliche Entlastungen für Unternehmen angemahnt.

Russwurm war von 2008 bis 2017 im Siemens-Vorstand und dort für Industriethemen zuständig. Bei Thyssenkrupp ist er seit Oktober 2019 Aufsichtratschef. Er trat dort die Nachfolge von Martina Merz an, die Vorstandsvorsitzende des kriselnden Konzerns wurde. Russwurm muss vor allem die verschiedenen Interessen der Kapitalseite, der Arbeitnehmervertreter und von Großaktionären wie dem schwedischen Finanzinvestor Cevian und der Krupp-Stiftung in Einklang bringen.

Journalisten sagte er zuletzt, er wolle den Posten im Thyssen-Kontrollgremium behalten. In dieser schwierigen Phase für das Unternehmen von Bord zu gehen, würde er als Fahnenflucht empfinden. Technisch sei klimafreundlicher Stahl - sogenannter grüner Stahl - mittlerweile möglich. Er werde aber teurer werden, in etwa um ein Drittel. Außerdem sei noch nicht geregelt, woher die dafür benötigte Menge an Wasserstoff kommen solle. Diese Fragen müssten geklärt werden. "Unternehmen brauchen Investitionssicherheit."

Die Stahlsparte von Thyssenkrupp wird immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt. Auch über einen staatlichen Einstieg wird spekuliert. Russwurm sagte, grundsätzlich könnten Staatsbeteiligungen sinnvoll sein, aber nur als Übergang, wenn ein Ausstieg gleich mitgedacht werde. Auf Dauer angelegt seien sie kritisch zu sehen, besonders wenn es noch eine Einmischung in das operative Geschäft gebe.

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