Kutzers Zwischenruf: Bitcoin-Boom kratzt nicht am Gold-Glanz

Hermann Kutzer

Irgendwas geht immer an den Finanzmärkten. Diese alte Erfahrung gilt heute mehr denn je, wenn man die enorme Ausweitung des internationalen Angebots im Auge hat. Das gilt für Anlageklassen und Anlageinstrumente gleichermaßen. Für die Privatanleger (insbesondere die Einsteiger und wenig Erfahrenen) stellt sich daraus aber das Problem der Qual der Wahl. Und das ist im praktischen Alltag komplizierter als es klingt. Denn zunächst einmal muss der Interessent herausfinden, ob die neue Anlage für ihn und seine Ziele überhaupt geeignet ist bzw. ob bereits bestehende Märkte bessere Alternativen bieten.

Ein aktuelles Beispiel liefert der Boom der Krypto-Währungen. Auf allen Ebenen (bis hin zu Notenbanken und Regierungen) wird über die Rolle von Bitcoin & Co. heute und morgen diskutiert. Und die Privatanleger werden immer intensiver von Online-Finanzdienstleitern und Handelsplattformen umworben. Die irre Preisentwicklung mit nicht weniger dramatischen Gewinnprognosen führt zur Überlegung, Bitcoin langfristig als Alternative zum Gold einzusetzen. Dazu Auszüge aus einer kritischen Analyse, der ich mich anschließe.

Die Frage von Gold vs. Bitcoin stellt sich derzeit mehr denn je, schreibt Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck. Der Bitcoin als Anlagewert erfährt mittlerweile eine breitere Akzeptanz. War der Bitcoin-Markt bisher auf Kleinanleger ausgerichtet, hat der Bitcoin im Laufe des vergangenen Jahres jedoch in bedeutendem Maße Einzug in den institutionellen Bereich gehalten. Es scheint, als ob dieser Anlagewert nicht mehr länger als eine Modeerscheinung oder technische Kuriosität abgetan werden kann. Interessenten sollten die Warnungen nicht vernachlässigen: Bitcoin-Anleger stehen noch vor großen Herausforderungen, vor regulatorischen und behördlichen Aspekten und der Frage, wie man Hacks und illegale Aktivitäten verhindert. Unter der Annahme, dass all diese Herausforderungen im Laufe der Zeit bewältigt werden können, stellt sich die Frage, wo sich der Bitcoin im Anlageuniversum künftig positionieren wird.

Das größte Potential des Bitcoin besteht in der Möglichkeit eines dezentralen globalen Zahlungssystems und eines Ersatzes für Bargeld. Ist der Bitcoin aber auch ein Wertspeicher, der künftig eine Absicherung gegen die Entwertung von Währungen bieten kann? Der Bitcoin ist ja kein materieller Vermögenswert. Wie Papiergeld hat er nur so lange einen Wert, wie die Öffentlichkeit von seinem Wert überzeugt ist. Ohne öffentliches Vertrauen ist der Bitcoin wertlos. Gold ist real. Es wird in der Elektronik, Medizin und Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Es wird täglich von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zur Schau gestellt. Gold hat einen Nutzen, der über seine Verwendung als Wertspeicher weit hinausgeht, und ist mit der Kultur und Geschichte der Menschheit eng verwoben.

Das aktuelle von Risiko und Unsicherheit geprägte Anlageumfeld ist sowohl für Gold als auch für Bitcoin vorteilhaft. In jedem Fall handelt es sich nicht (!) um eine Welt des Konkurrenzkampfes zwischen Gold und Bitcoin. Vielmehr haben wir es mit einer Welt von Gold und Bitcoin zu tun, in der beide Werte nebeneinander existieren können.

Nach meinem Verständnis ist das langfristige Investment in physisches Gold (Barren und Münzen) als Sicherheitselement im Portfolio nicht performanceorientiert. Es geht also in erster Linie um Werterhalt, nicht um Wertsteigerung. In den letzten Jahren wird Gold jedoch zunehmend auch als spekulatives Anlageobjekt betrachtet, das mit anderen Asset Classes konkurriert. Ob man Kryptowährungen mag (und kennt) oder nicht - der Bitcoin bleibt spannend und spekulativ, hat aber einen anderen Charakter als das Edelmetall.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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05.05.2021, 22:59, Deutsche Bank Indikation

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