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Kutzers Zwischenruf: Internationale Investoren geben Europa noch eine Chance

Hermann Kutzer

Es kam wie erwartet - und von der Börse längst eingepreist. Die Fed hat geliefert, obwohl es dem US-Präsi wieder zu wenig war. Was macht jetzt die Politik, um eine Rezession zu verhindern? Die Frage geht auf beide Seiten des Atlantiks, obwohl die Ausgangslage nicht identisch ist. Mahnungen und Warnungen kommen auch von der OECD, die heute ihren Interim Economic Outlook vorgelegt hat, in dem es heißt: Die Aussichten für die Wirtschaft verschlechtern sich sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern. Handelskonflikte und politische Unsicherheiten belasten die bereits geringen Wachstumsaussichten weiter, schwächen das öffentliche Vertrauen und hemmen Investitionen. Wegen seiner Exportabhängigkeit gilt das besonders für Deutschland. Und abschließend als Appell: Die Regierungen müssen die Gelegenheit nutzen, die die heutigen niedrigen Zinssätze bieten, um Investitionen in die Infrastruktur zu erneuern und die Wirtschaft der Zukunft zu fördern.

Aus Börsensicht kann man dies nur unterstützen. Und die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung der Anleger ruht ja nicht nur auf dem Rückhalt durch die Notenbanken, sondern gilt auch einer baldigen Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen. Das bezieht sich in erster Linie auf die Geo- und Handelspolitik, aber auch auf nachhaltige nationale Maßnahmen. Europa ist angesichts seiner Zerfallserscheinungen schon seit längerem kein Favorit internationaler Großanleger mehr, hat dennoch die Chance auf wieder zunehmende Anerkennung. Die Börse sendet dafür auch Signale - der Dax beispielsweise präsentiert sich seit Wochen in guter Kondition.

Wer hat den jüngsten Kursanstieg ausgelöst haben mag, dafür sendet die neue Fondsmanager-Umfrage von BofA Merrill Lynch ein Signal. Denn neben der beliebtesten Aktienanlage-Region USA gab es auch eine Verlagerung der Gewichtung in Richtung Eurozone: Netto 3 Prozent der befragten Fondsmanager sind dort nun übergewichtet nach -3 Prozent im Vormonat. Wie von den Sentiment-Analysten an der Börse Frankfurt schon vorher vermutet, haben leichte internationale Kapitalzuflüsse in Richtung Euroraum stattgefunden.

Anleger werden also weiterhin nicht nur auf die Notenbanken setzen, da bin ich mir sicher. Und ZEW-Professor Friedrich Heinemann sieht in seiner Stellungnahme zum Fed-Beschluss eine transatlantische Gemeinsamkeit: Wie in Europa gilt auch in den USA, dass die Zentralbank den Schaden einer verantwortungslosen Wirtschaftspolitik nicht kompensieren kann. Die US-Ökonomie wird nicht durch weitere Zinssenkungen wieder auf die Beine kommen, sondern nur durch mehr Vernunft im Weißen Haus.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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