Kutzers Zwischenruf: Kleine Psycho-Tricks für erfolgreiches Sparen

Hermann Kutzer

Sind Sie der Typ Bundesbürger, der mit seinem Geldmanagement gut klarkommt, weil er ausreichend Zeit und Know-how investiert? Viele können das (noch) nicht von sich behaupten, obwohl ihre Zahl deutlich zunimmt. Erfolgreiche Selbstentscheider gehen in der Regel systematisch vor. Das macht Sinn, denn es gehört zu den großen Herausforderungen, auf ein sehr langfristiges Ziel hinzuarbeiten. Dazu gibt es praktische Tipps am Rande, die für das Sparen und Anlegen nützlich sein können.

Besonders schöne Überraschungen ergeben sich aus Dingen, die wir vergessen haben. Kennen Sie das Gefühl, das sich einstellt, wenn Sie zufällig auf unerwartetes Geld (möglichst ein nennenswerter Betrag) in einer alten Hose oder einer selten getragenen Jacke stoßen? Ich hatte vor ein paar Wochen ein solches Erlebnis und greife gern die Tipps dazu der Analysten von Morningstar, dem internationalen Ratinghaus, auf. Wäre es nicht schön, auf eine derart leichte Art zu Anlageerfolgen zu kommen? Das Problem bei langfristigen Sparvorgängen ist, dass man zugunsten der langfristigen Vorsorge auf kurzfristige Belohnungen, etwa in Gestalt von Luxus-Konsum verzichten muss. Das liegt nicht in der Natur des Menschen, daher müssen wir auch zu psychischen Tricks greifen, um unseren Affekten Herr zu werden. Das ist einfacher als Sie denken, liebe Leser, Sie müssen nur wenige, kleine Veränderungen in Ihrem Leben vornehmen, um „versteckte“ Notgroschen aufzubauen, angefangen mit einem mentalen „Bypass“ für einen Teil Ihres Geldes.

Schalten Sie auf Autopilot, rat Morningstar: „Der beste Weg, sich selbst zum Sparen zu bringen, ist die Automatisierung.“ Mit anderen Worten: Richten Sie es so ein, dass jedes Mal, wenn das Gehalt kommt, ein Teil aufs Sparkonto überwiesen wird, sagt Samantha Lamas, Behavioral-Analystin bei Morningstar. Der nächste Schritt wäre, eine Einstellung zu implementieren, bei der ein Betrag, den man sparen möchte, automatisch nach einem bestimmten Datum oder bei jeder Gehaltserhöhung erhöht wird. Die Automatisierung ist deshalb so effektiv, weil wir gar nicht über das Sparen nachdenken müssen, es geschieht alles nach dem Prinzip: Aus den Augen, aus dem Sinn. Regelmäßiges Sparen funktioniert auch im Kleinen, denn es gibt Apps, mit denen man seine Einkäufe automatisch aufrunden und das Gesparte dann investieren kann.

Abgesehen davon können einfache Regeln den Weg zu einem gesünderen Finanzverhalten abkürzen. Lamas schlägt deshalb vor, das Sparen zur Gewohnheit zu machen. Das kann damit beginnen, dass man sich eine einfache Sparregel überlegt, die in das persönliche Leben passt. Faustregeln sind großartig, eben weil sie so einfach sind. Und je einfacher es für eine Person war, Sparentscheidungen zu treffen, desto besser ging es ihr finanziell, hat Lamas in ihrer Studie herausgefunden. So ist die Erkenntnis keine Überraschung, dass Regeln wie „spare mindestens 10% deines Einkommens im Monat“ mit größerem finanziellen Wohlbefinden korrelieren. Sobald Sie eine Regel gefunden haben, die individuell passt, sollte man sie zur Gewohnheit machen. Die Wiederholung einer Regel ist der Schlüssel, um sie zur Gewohnheit werden zu lassen. Dazu die Empfehlung, ein paar Belohnungen oder Anreize für die Einhaltung der Regel einzubauen. Diese Belohnungen sollten etwas Einfaches und Günstiges sein, wie z. B. eine schöne Tasse Kaffee oder eine Stunde, in der Sie einen Roman lesen, der Ihnen Spaß macht. Über die Zeit sollten die Belohnungen, die man sich erlaubt, an den Geschmack angepasst werden. Und man braucht möglicherweise neue Tricks und Faustregeln, wenn sich die finanzielle Situation ändert: Geld dreht die Lautstärke von allem auf.

Das ist für mich auch das Motiv, die Tipps für automatisierte Sparregeln aufzugreifen. Denn bekanntlich wende ich mich immer gegen das „Falschsparen“ vieler Bundesbürger (= ausschließliches Kontensparen in der Nahe-Nullzins-Ära) und empfehle dringend die langfristige Aktienanlage - am besten durch langfristige Aktien- oder Fondssparpläne. An dieser Stelle gehen also Sparen und Anlegen auch begrifflich sinnvoll ineinander über.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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