Morphosys-Aktie: Patentschlappe in den USA – Kurseinbruch

onvista · Uhr

Schlechte Nachrichten für Morphosys: Am Wochenende hat das deutsche Biotech-Unternehmen öffentlich gemacht, dass das zuständige US-Bezirksgericht von Delaware drei Patente des Unternehmens für ungültig erklärt hatte. Das Gericht habe damit einem Antrag von Janssen und Genmab stattgegeben, hieß es. Morphosys hatte im April 2016 vor dem US-Bezirksgericht in Delaware Klage wegen Patenrechtsverletzung gegen beide Unternehmen eingereicht.

Das Management von Morphosys zeigte sich von der Entscheidung „enttäuscht“ und will nun alle Optionen prüfen. Der Konzern kann gegen das Urteil beim Bundesgericht Berufung einlegen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Morphosys-Kurs rutscht ab - Analysten sehen Einstiegschancen

Die schlechten Neuigkeiten machten die Anleger nervös. An der Börse rutschte die Morphosys-Aktie am Morgen in der Spitze um mehr als acht Prozent ab. Gut zwei Stunden nach Handelsbeginn lag der Kurs noch gut 5 Prozent im Minus bei einem Wert von 99,50 Euro. Damit hält der Konzern derzeit die rote Laterne im Mdax, noch hinter Delivery Hero und Software AG.

Analyst Gunnar Romer von der Deutschen Bank sieht den Kursrutsch indes nun als gute Einstiegsgelegenheit in die Aktie. Aus seiner Sicht hatte der Markt ohnehin die Aussicht auf künftige Tantiemenzahlungen kaum eingepreist. Das Analysehaus RBC hat Morphosys auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 65 Euro belassen. Die Commerzbank hat das Kursziel für Morphosys nach der Patentschlappe von 107 auf 97 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Hold“ belassen.

Für Jansen und Genmab gab es dagegen einen leichten Schub. Die Genmab-Aktie konnte am Montag ein Kursplus von 2,35 Prozent verbuchen.

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Die Hintergründe des Patentstreits

Morphosys hatte in der Auseinandersetzung argumentiert, dass Janssens Medikament Darzalex gegen Knochenmarkkrebs (multiples Myelom) mehrere seiner eigenen Patente verletze. Darzalex wurde ursprünglich von Genmab entwickelt, später dann an die Johnson & Johnson -Tochter Janssen auslizensiert. Morphosys dürfte in dem Streit auf künftige Tantiemenzahlungen aus den Darzalex-Verkäufen gehofft haben. Eigentlich sollte nun im Februar ein Geschworenenprozess beginnen und die Patentklage prüfen. Dieser ist nun abgesagt.

Der Fall ist aber deshalb brisant, weil sich Darzalex gegen dasselbe Zielmolekül richtet wie das Morphosys‘ Prüfmedikament MOR202. Morphosys betonte jedoch, dass der Gerichtsbeschluss aus Delaware den Patentschutz von MOR 202 nicht betreffe und damit auch dessen Fähigkeit, den Antikörper in verschiedenen anderen Indikationen weiterzuentwickeln.

Morphosys hatte MOR202 ebenfalls als Wirkstoff gegen das multiple Myelom getestet. Wegen des enormen zeitlichen Vorsprungs von Janssen, das mit Darzalex nun schon seit längerem am Markt ist, wollen die Münchener aus Kostengründen aber ohne großen Partner vorerst nicht in dieser Indikation weiter forschen.

Bereits 2015 hatten die Bayern den US-Konzern Celgene als Partner für die Entwicklung von MOR202 verloren. Immerhin war es Morphosys aber gelungen, den Antikörper an das chinesische Unternehmen I-mab Biopharma auszulizensieren. I-mab will nun in Eigenregie das Medikament gegen das multiple Myelom für China weiterentwickeln, denn dort ist Darzalex bislang noch nicht zugelassen.

Allerdings hält Morphosys seinen Wirkstoff für aussichtsreich genug, um ihn nun an anderen Krankheiten zu testen. So will das Unternehmen im dritten Quartal eine Studie mit MOR202 gegen eine – bislang noch nicht näher benannte – Autoimmunerkrankung starten.

Janssen und Morphosys waren in dem Patentstreit zwar Gegner, sind aber gleichzeitig auch Partner. Janssens Schuppenflechte-Mittel Tremfya, das auf einem Antikörper des deutschen Unternehmens basiert, war der erste Zulassungserfolg der Münchener. Morphosys erhält aus den Tremfya-Verkäufen Tantiemen.

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(ama/dpa-AFX)

Titelfoto: Mettus / Shutterstock.com

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