Österreich stemmt sich gegen EU-weites Skiverbot über Weihnachten

Reuters

Wien/Rom (Reuters) - Österreich weist die Forderung des Nachbarlandes Italien zurück, die Skipisten über Weihnachten europaweit zu schließen.

"Ich halte generell nichts vom italienischen Vorschlag, österreichische Skigebiete zu schließen", sagte Finanzminister Gernot Blümel am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte die EU dem Wintertourismus tatsächlich einen Riegel vorschieben, wolle man eine Ausfallsentschädigung, fügte der konservative Politiker hinzu.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte appellierte an seine Landsleute, in den Weihnachtsferien nicht Skifahren zu gehen, um die zweite Welle der Corona-Pandemie einzudämmen. In diesem Jahr sei es nicht möglich "Ferien im Schnee zuzulassen", sagte Conte. Zugleich rief er andere europäische Länder dazu auf, gemeinsame Regeln für die Branche zu vereinbaren.

Blümel sagte, für den Wintertourismus sei die Pandemie eine enorme Bedrohung. Österreich bangt um milliardenschwere Einnahmen und hofft, die Wintersaison durch den derzeitigen harten Lockdown zu retten. "Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro", sagte Blümel. Er bezog sich dabei auf einen Zeitraum von etwa einem Monat rund um die Weihnachtszeit. Der Tourismus macht rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus und sorgt alleine im Winter für Hunderttausende Arbeitsplätze. Pro Wintersaison werden mehr als 59 Millionen Übernachtungen verzeichnet.

HOTSPOT ISCHGL

In Österreich stehen die Skilifte und Gondeln in den Gletschergebieten wie etwa in Zell am See am Kitzsteinhorn aufgrund des Lockdowns vorerst bis zum 6. Dezember still. Wann der Betrieb wieder aufgenommen wird und die auch bei deutschen Urlaubern beliebten Skiorte wie Sölden, Ischgl, St. Anton und Saalbach ihre Saison tatsächlich eröffnen können, ist noch nicht klar. Fest steht, dass es strenge Regeln geben soll. So muss etwa beim Anstellen bei einer Seilbahn ein Abstand von einem Meter eingehalten werden und in den Gondeln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Apres-Ski-Parties wurden bereits vor Wochen verboten. Im vergangenen Winter hatte sich der für seine Apres-Ski-Szene bekannte Tiroler Skiort Ischgl zu einem Corona-Hotspot entwickelt. Tausende Urlauber steckten sich dort zu Beginn der Pandemie an und verbreiteten das Virus dann auf der ganzen Welt. Vor allem die überfüllten Apres-Ski-Bars galten als idealer Nährboden für die Verbreitung des Virus. Auch bei einer Öffnung der Skigebiete dürften in diesem Winter viele ausländische Gäste zu Hause bleiben.

Italien gehört wie Österreich, Frankreich, Slowenien und die Schweiz zu den Ländern mit einem bedeutenden Anteil an den Alpen. Italiens Skigebiete erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund elf Milliarden Euro, ein Drittel davon stammt aus den Tagen, die Italiener normalerweise zu Weihnachten und Neujahr in den Alpen und Dolomiten verbringen. In Italien sind bislang mehr als 50.000 Menschen gestorben, die positiv auf Corona getestet wurden. Damit zählt das Land weltweit zu den am stärksten betroffenen Ländern. Viele italienische Regionen sind derzeit in einem Lockdown mit Einschränkungen, die mindestens bis zum 3. Dezember bestehen bleiben.

Anders ist die Situation in der Schweiz. Trotz ebenfalls hoher neuer Positiv-Tests sind die Skigebiete geöffnet. Das Land hofft mit dem Tragen von Masken und Abstandsregeln durch die Krise zu kommen.

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