Schwäbischer Kunststoff-Konzern Ritter für 890 Mio Euro verkauft

Reuters

München (Reuters) - Der schwäbische Kunststoff-Hersteller Ritter wird in die USA verkauft.

Der Chemie- und Pharma-Zulieferer Avantor zahlt rund 890 Millionen Euro zuzüglich Schulden für das Familienunternehmen aus Schwabmünchen bei Augsburg, wie Avantor am Montag mitteilte. Die Ritter GmbH hatte sich in der Corona-Krise vor allem als Laborausrüster einen Namen gemacht: Die Sparte Ritter Medical stellt Verbrauchsmaterialien für Labore wie Pipetten, Kartuschen und Flüssigkeiten-Spender her. Der Bedarf an diesen Plastik-Materialien war infolge massenhafter Tests und Impfungen nach oben geschnellt. Insgesamt erwartet Ritter einer Präsentation von Avantor zufolge in diesem Jahr einen Umsatz von 225 Millionen Euro.

Die Familieneigentümer hatten eigentlich nur einen Investor gesucht, der die Expansion ins Ausland finanzieren sollte. Die Ritter GmbH hatte die Investmentbank Goldman Sachs mit der Suche nach möglichen Partnern für die Medical-Sparte beauftragt. Nun wird das ganze Unternehmen verkauft.

Ritter war 1965 gegründet worden und produzierte zunächst Kunststoff-Zylinder zum Stapeln von Holzpaletten. In den 1970er-Jahren stieg das Unternehmen in die Produktion von Dia-Rahmen und Druck-Kartuschen ein, 1987 kam die Medizintechnik-Sparte hinzu. Avantor war 1904 als J.T. Baker gegründet und 2019 nach zahlreichen Eigentümerwechseln an die Börse gebracht worden. Als Laborausrüster tritt das Unternehmen unter der Marke "VWR" auf.

Die Corona-Krise hat Zulieferer und Dienstleister für die Medizinbranche in den Fokus gerückt: Der italienische Diagnose-Dienstleister DiaSorin bietet 1,8 Milliarden Dollar für den US-Rivalen Luminex. Roche ist dabei, die amerikanische GenMark Diagnostics zu kaufen, während der Münchner Laborbetreiber Synlab für eine Milliardenbewertung an die Börse strebt.

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