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Was macht eigentlich Daimler?

Wikifolio

Christian Thiel betreut als „sparstrumpf“ das wikifolio „Global Champions
Die deutsche Autoindustrie fährt tiefer und tiefer in die Krise. Auf die Frage „Was macht Daimler?“ gibt es dieser Tage daher nur eine Antwort. Sie lautet: Ärger.
Im Sommer 2015 fällt zunächst einmal nur der Kurs der Aktie - scheinbar ohne Anlass. Investoren nutzen die (noch) guten Absatzzahlen der Autoindustrie, um den Titel frühzeitig zu verkaufen - ehe die Zahlen wieder sinken. Dann erreicht die Dieselkrise die Stuttgarter und ramponiert das Markenimage. Weltweit wird der Begriff „german engineering“ ganz neu definiert. Er bedeutet nicht mehr erstklassige Leistungen - sondern Schummelei. Darauf schmeißt im Oktober dieses Jahres Daimler-Chef Dieter Zetsche hin. Schließlich geht auch der Finanzchef. Der Kurs der Aktie fällt derweil weiter - auf stets neue Mehrjahrestiefs.

Stolperstein Elektromobilität

Darüber hinaus steckt die gesamte deutsche Automobilindustrie in einer massiven Strukturkrise. Die kommende Elektromobilität macht ihr zu schaffen, wie das Beispiel Daimler beweist: Im September stellte Dieter Zetsche in Kalifornien den neuen Elektro-SUV „EQC“ vor. Und erntete maue Reaktionen. Die Reichweite ist mit 450 km deutlich schlechter als beim Konkurrenten Tesla. Die Batteriepackung im EQC ist um 20 Prozent kleiner als die des Rivalen aus Kalifornien. Und sie ist immer noch um 10 Prozent kleiner als beim I-Pace von Jaguar.
„Der EQC liefert im Vergleich zu seinen beiden Konkurrenten die schlechteste Beschleunigung, die niedrigste Höchstgeschwindigkeit und die niedrigste Reichweite“, schreibt „Wallstreet-Online“. Zudem haben die Stuttgarter die Batterien einfach in eine bereits bestehende Plattform für ein Auto mit Verbrennungsmotor eingebaut, in die des GLC. Daimler hat sich schlicht die Entwicklung einer eigenen Elektro-Plattform gespart. Von einer Aktualisierung der Betriebssoftware über Funk (OTA - over the air) wie bei Tesla üblich kann der EQC nur träumen. Ein Billigauto soll also gegen die Kalifornier antreten. Das ist eine abseitige Idee.
Einen Preis für den EQC vermag Daimler, wenige Monate vor Beginn der Produktion, erstaunlicherweise nicht zu nennen.

Aktie kämpft mit 50-Euro-Marke - Dividende in Gefahr

Der Aktie hilft das alles überhaupt nicht. Sie fällt natürlich weiter - und nahm in den letzten Wochen die psychologisch wichtige 50-Euro-Marke ins Visier.

Im Chart ist gut zu erkennen, dass die Aktie von Daimler an der 50-Tage-Linie (grün) nach unten zieht. Seltene Versuche wieder nach oben zu drehen werden schon deutlich vor der 100-Tage-Linie (rot) wieder beendet. Da gibt es offensichtlich eine Menge Investoren, die die Aktie noch loswerden wollen - und jede „Erholung“ sofort für einen Verkauf nutzen. Wenn es ganz schlimm kommt, dann hat Daimler mit dem EQC ab Mitte 2019 auch noch ganz neue Probleme. Möglichkeiten dafür gibt es genug: Kein Absatz. Probleme mit der Qualität. Schlechte Reichweite. Eine miserable Software. Ich tippe auf eine Mischung der genannten Möglichkeiten. Während Konkurrent Tesla derzeit produziert, was das Zeug hält, hat der EQC das Zeug zum Ladenhüter. Wie seinerzeit beim Smart wird Daimler wohl auch beim EQC mit jedem Wagen einige tausend Euro verlieren. Das Unternehmen produziert also vermutlich noch länger das, was neudeutsch ein „negativer News-Flow“ genannt wird. Von einer Kappung der derzeit noch üppigen Dividende gehe ich persönlich fest aus.

Der Branchen-Crash ist da

Die Lage bei Daimler ist aber, wie bereits erwähnt, symptomatisch für die ganze Branche. Die Elektromobilität und das autonome Fahren erfordern hohe Investitionen - von denen niemand weiß, ob und wann sie sich rechnen werden. Der wohl schwierigste Punkt: Die deutschen Hersteller haben sich über Jahre nicht auf eine gemeinsame Batterieproduktion (Gigafactory) einigen können und einigen wollen. Sie produzieren lieber jeder für sich - und das bringt erhebliche Kostennachteile mit sich.
Mit Stand Ende November sind die wichtigsten Automobilunternehmen an der Börse nur noch halb so viel wert wie zu ihren Hoch-Zeiten. Dieser Abwärtstrend ist derzeit noch immer intakt.

NameKursverlust seit Hoch
BMW-33,50%
Continental-50,10%
Daimler-48,40%
Leoni-61,30%
Schäffler-55,80%
VW-48,40%

Am besten hält sich, wie schon im August in „Daimler, Conti, Leoni - ein Crash in Raten“ beschrieben, der Hersteller BMW. Insgesamt haben die sechs Unternehmen seit ihren Hochs im Frühjahr 2015 rund 200 Milliarden Euro an Börsenwert verloren. 

Finger weg von den Aktien

Derzeit floriert die Wirtschaft noch. Die Konjunktur läuft. Was aber passiert mit Daimler und den anderen Autoherstellern, wenn sich das ändert? Angesichts der unklaren Aussichten der Branche, der großen technologischen Herausforderungen der nächsten Jahre, der extrem hohen Verschuldung und der enormen Konkurrenz in dem Sektor, sind die Aktien von BMW, Daimler, VW, Leoni, Schaeffler und Continental auch für risikofreudige Anlegerinnen und Anleger derzeit kein Kauf.

Disclaimer: Christian Thiel ist wikifolio-Trader und betreut als „sparstrumpf“ das wikifolio „Global Champions“. Darüber hinaus betreibt er den Blog „Großmutters Sparstrumpf“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seines wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Der Inhalt stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. 
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