Wirtschaft drosselt Produktion - Brexit- und Halbleiterprobleme

Reuters

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft hat einen unerwarteten Fehlstart ins Jahr 2021 hingelegt:

Sie drosselte überraschend ihre Produktion im Januar auch wegen Problemen der Autobranche bei der Beschaffung von Halbleitern - womit eine Serie von acht Anstiegen in Folgen endet. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 2,5 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen einen Anstieg von 0,2 Prozent erwartet, nachdem es im Dezember zu einem Plus von revidiert 1,9 Prozent gereicht hatte. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Einschränkungen, lag die Produktion um 4,2 Prozent niedriger.

In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse am Jahresanfang sehr unterschiedlich aus. Die Industrie drosselte ihre Erzeugung um 0,5 Prozent und damit erstmals seit April 2020. "Der Ausstoß der Industrie verzeichnete im Januar trotz der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nur einen geringen Rückgang, der vor allem von den Engpässen bei Halbleiter-Produkten in der Kfz-Industrie herrührte", erläuterte das Ministerium. Dagegen verzeichnete der Maschinenbau ein merkliches Plus. "Der Produktionsrückgang ist wohl vor allem auch eine Brexit-Folge", nannte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe einen weiteren Grund für den Fehlstart der Industrie, nachdem seit Jahresbeginn der neue Handelsvertrag zwischen Großbritannien und der EU gilt. "Gestörte Lieferketten in der Autoindustrie kommen verschärfend hinzu, zum Dauerzustand dürften sie aber nicht werden." Bereits im Februar könnten Nachholeffekte auf der Agenda stehen, erwartet auch Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die Industrieproduktion wird deshalb im Februar zweistellig zulegen können", erwartet der Experte.

Im Baugewerbe kam es zu einem deutlichen Rückgang von 12,2 Prozent, der wohl teilweise der ungünstigen Witterung geschuldet ist. Auch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung dürfte eine Rolle gespielt haben. Versorger meldeten ein Plus von 0,6 Prozent.

Die exportabhängige Industrie kann mit einer Rückkehr zum Aufwärtstrend rechnen: Ihre Produktionserwartungen hellten sich im Februar bereits den dritten Monat in Folge auf. Das entsprechende Barometer stieg auf 20,7 Punkte von 9,4 im Januar, wie das Ifo-Institut in seiner monatlichen Umfrage unter 2000 Firmen herausfand. "Die Erwartungen der Branchen sind dabei sehr unterschiedlich", führte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe aus. "Die Autoindustrie will ihre Produktion besonders stark ausweiten, die Bekleidungsindustrie plant ihre Produktion einzuschränken." Die Industriebetriebe hatten im Januar 1,4 Prozent mehr Aufträge eingesammelt, wobei das Auslandsgeschäft mit 4,2 Prozent kräftig zulegte.

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