Zwei weitere Zyklen, die eine größere Krise erwarten lassen – und wie man sich darauf vorbereitet

Bernd Schmid

Für meinen Artikel letzte Woche habe ich zu Recht etwas negatives Feedback bekommen, da er dünn in Sachen Lösungen für die Situation war. Diese sehe ich eher außerhalb des Finanzbereichs. Trotzdem will ich darauf heute etwas eingehen.

Zwei weitere Zyklen, die eine größere Krise erwarten lassen – und wie man sich darauf vorbereitet

Lesen Sie hier die letzte Kolumne von Bernd Schmid: Der Sozialismus steht vor der Tür und es gibt keinen Weg zurück

Vorher aber noch etwas, um meinen Punkt zu untermauern. Der Tytler-Zyklus ist nämlich nicht der einzige größere und wirtschaftlich relevante Zyklus, der sich dem Ende zuneigt und wieder von vorne beginnt.  Zwei weitere sehr relevante Zyklen, auf die das zutrifft, wären der langfristige Schuldenzyklus, wie ihn Ray Dalio beschreibt und der Generationenzyklus nach William Strauss und Neil Howe.

Der große Schuldenzyklus

Der Bridgewater-Gründer hat dieses Phänomen in seinem Buch „Big Debt Cycles“ sehr ausführlich beschrieben. Historisch gesehen bewegt sich ein großer Schuldenzyklus durch drei Typen eines Währungssystems hinweg.

Es beginnt oftmals bei einer harten Währung, wie zum Beispiel Gold. Geld kann in diesem System nicht beliebig erschaffen werden, sondern hängt ab vom Angebot des harten Geldes. Der zweite Typ ist ein Papiergeld, das gedeckt ist durch eine harte Währung. Das erleichtert den Fluss des Geldes durch das System. Die dritte Phase besteht aus einer reinen Fiat-Währung.

Ray Dalio schreibt dazu:

Im Laufe der Geschichte haben Staaten aus logischen Gründen zwischen diesen verschiedenen Arten von Systemen gewechselt. Wenn ein Land mehr Geld und Kredit benötigt, als es derzeit hat, sei es, um mit Schulden, Kriegen oder anderen Problemen fertig zu werden, wechselt es ganz natürlich von Typ 1 zu Typ 2 oder von Typ 2 zu Typ 3, um mehr Flexibilität beim Gelddrucken zu haben. Wenn dann zu viel Geld und Schulden geschaffen werden, verliert es an Wert, was die Menschen dazu veranlasst, die Schulden und das Geld nicht mehr als Vermögensspeicher zu halten, sondern in Sachwerte (wie Gold) und andere Währungen umzuschichten. Da dies typischerweise in Zeiten von Wohlstandskonflikten und manchmal auch Kriegen geschieht, besteht in der Regel auch der Wunsch, das Land zu verlassen. Solche Länder müssen das Vertrauen in die Währung als Vermögensspeicher erst wiederherstellen, bevor sie ihre Kreditmärkte wiederherstellen können.

Ein solcher Schuldenzyklus geht historisch gesehen laut Dalio über 50 bis 75 Jahre. Der aktuelle große Schuldenzyklus begann nach dem Zweiten Weltkrieg beziehungsweise mit der Vereinbarung von Bretton Woods im Jahre 1944. Das ist jetzt 72 Jahre her.

Dazu passt auch das durchschnittliche Lebensalter einer Fiat-Währung, das historisch gesehen im Bereich von wenigen Jahrzehnten lag. Das aktuelle Fiat-Geldsystem besteht seit der Aufhebung des Umtauschrechts von US-Dollar in Gold durch den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon im Jahre 1971. Das ist jetzt auch schon 50 Jahre her.

Es ist aber auch abgesehen vom Alter dieses Zyklus unschwer zu erkennen, dass wir uns irgendwo am Ende befinden. Über Jahrzehnte sind die Schulden gestiegen und die Zinsen gesunken. Letztere befinden sich am Nullpunkt beziehungsweise sind zu großen Teilen bereits negativ. Dass das nicht mehr so arg lange weitergehen kann, das liegt auf der Hand.

Der Generationenzyklus

Dieser Zyklus ist noch spannender als der obige. William Strauss and Neile Howe studierten die Eigenschaften, die verschiedene Generationen von Menschen über Jahrhunderte hinweg aufwiesen. Dabei fiel ihnen ein immer wiederkehrendes Muster von vier verschiedenen generationalen Archetypen auf. Sie nennen diese Propheten, Nomaden, Helden und Künstler.

Man kann mehr darüber in dem Buch der Autoren „The Fourth Turning“ lesen. Im Prinzip geht es um ein Muster verschiedener generationaler Eigenschaften und Einstellungen zu grundlegenden Dingen wie Familie, Werten, Kultur und anderen. Die Menschen in einem generationalen Archetyp haben zu diesen Dingen eine ganz bestimmte Einstellung.

Der Kern dabei ist, dass sich diese Eigenschaften und Einstellungen nicht kontinuierlich weiterentwickeln. Stattdessen bedingt und beeinflusst die Einstellung der einen Generation die der nächsten. Und zwar so, dass immer dieselben Archetypen aufeinanderfolgen und sich so ein wiederkehrender Zyklus aus diesen ergibt.

Jede dieser Generationen hat in etwa eine Länge von 20 bis 25 Jahren, so dass ein ganzer Zyklus historisch 80 bis 100 Jahre dauerte. Die Übergänge zwischen den Generationen bezeichnen Strauss und Howe als „Turnings“ (zu Deutsch: Zeitenwenden).

Nach der Analyse von Strauss und Neil befinden wir uns aktuell im vierten generationalen Archetyp, und die vierte Zeitenwende (the Fourth Turning) liegt vor uns. Oder wir befinden uns bereits darin.

Um einen Eindruck von der Arbeit dieser beiden zu bekommen: Das Buch „The Fourth Turning“ wurde in den 1990ern veröffentlicht. In diesem prognostizierten die Autoren für das Jahr 2020 für die USA einen „autoritären, strengen, unnachgiebigen“ Leader aus der Baby-Boomer-Generation. Diese Beschreibung trifft ziemlich gut den Umgang Joe Bidens mit der Coronakrise.

Wer mehr über die vier Zeitenwenden erfahren möchte, der bekommt auf dieser Seite einen schönen Überblick. Hier nur, was uns bevorsteht, wenn die beiden Recht behalten:

„Die Vierte Zeitenwende ist eine Krise. Alte Künstler sterben, Propheten werden älter, Nomaden kommen in die Mitte ihres Lebens, Helden kommen ins junge Erwachsenenalter - und eine neue Generation von Kinderkünstlern wird geboren. Dies ist eine Ära, in der Amerikas institutionelles Leben niedergerissen und von Grund auf neu aufgebaut wird - immer als Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung für das Überleben der Nation selbst. Die bürgerliche Autorität lebt wieder auf, der kulturelle Ausdruck findet einen gemeinschaftlichen Zweck, und die Menschen beginnen, sich als Mitglieder einer größeren Gruppe zu verorten. In allen Fällen wurden die Vierten Zeitenwenden schließlich zu neuen „Gründungsmomenten“ in der Geschichte Amerikas, die die nationale Identität erfrischten und neu definierten. Amerikas jüngste Vierte Wende begann mit dem Börsencrash von 1929 und fand ihren Höhepunkt im Zweiten Weltkrieg. Die Generation, die während dieser vierten Zeitenwende erwachsen wurde, war die G.I.-Generation (geboren 1901 bis 1924), deren kollektiver Geist und Optimismus die Stimmung dieser Ära verkörpert. Die heutige Jugend, die Generation der Millennials (geboren 1982 bis 2004), weist viele ähnliche Merkmale auf wie die G.I.-Jugend, darunter zunehmendes bürgerschaftliches Engagement, besseres Verhalten und kollektives Vertrauen.” (Hervorhebungen durch den Autor)

Alle diese Zyklen überlagern sich gerade

Der 200-jährige Tytler-Zyklus, der 50-75-jährige große Schuldenzyklus und der 80-100-jährige Generationenzyklus - wir befinden uns aktuell am Ende in allen dieser drei Zyklen.

Beim Tytler-Zyklus würde das typischerweise den Übergang in eine größere Abhängigkeit vom Staat und in die sogenannte Knechtschaft bedeuten.

Beim Schuldenzyklus würde das typischerweise eine Restrukturierung von Schulden und des Geldsystems bedeuten.

Beim Generationenzyklus würde das typischerweise einen Neuaufbau des institutionellen Lebens bedeuten.

Die Zeit scheint reif für eine größere Veränderung. Wahrscheinlich größer, als wir es uns überhaupt vorstellen können.

Meine Antwort: Mehr Selbstverantwortung, Dezentralisierung und Regionalisierung wagen

Erst einmal vorne weg. Die oben beschriebenen Zyklen basieren lediglich auf Theorien, die auf bestimmten Annahmen beruhen und deren Basis empirische Beobachtungen bzw. die Analyse historischer Ereignisse waren. Sie sind jedoch keine Naturgesetze. Daher könnten sich einzelne davon oder sogar alle als nicht zutreffend herausstellen.

Nichtsdestotrotz sehe ich mehr, das für die Thesen dieser Zyklen spricht als dagegen. Entsprechend stelle ich mich darauf ein, dass der Great Reset und damit so etwas wie ein globaler Sozialismus von den sogenannten Eliten erfolgreich eingeführt werden kann.

Aber hier kommt die gute Nachricht: Ich glaube, man muss da nicht unbedingt mitmachen, wenn man nicht möchte. Man könnte einfach genau das Gegenteil tun: mehr Unabhängigkeit und Selbstverantwortung wagen, mehr auf Dezentralisierung und Regionalisierung setzen.

Vor allem Ersteres wird Dank der heutigen Technologien möglich gemacht. Wo man vor noch wenigen Jahrzehnten wahrscheinlich kaum eine Wahl hatte, können wir heute die Möglichkeiten des Internets für uns nutzen.

Angefangen bei den eigenen Finanzen. Hierfür bietet die Blockchain-Technologie eine einzigartige Möglichkeit. Mit Bitcoin & Co hat man die Möglichkeit, seine Finanzen oder einen Teil davon außerhalb des fragilen Bankensystems zu managen. Man muss nicht mehr angewiesen sein auf die zentralistischen Institutionen und das noch bestehende, fragile Fiat-Geldsystem. Darüber hinaus kann man meiner Meinung nach durchaus noch für das eine oder andere Jahr dreistellige Renditen im Durchschnitt von Bitcoin & Co erwarten. Das tröstet über die enorm hohe Volatilität hinweg.

Aber ich würde über den finanziellen Aspekt hinausgehen. Zum Beispiel bei der Nahrungsversorgung. Diese könnte in der kommenden Zeit auch etwas anders werden als es die meisten von uns kennen. Man muss sich nur mit Menschen unterhalten, die in der ehemaligen DDR lebten und noch am eigenen Leib erfahren haben, welche Defizite ein zentral gemanagtes Wirtschaftssystem hat, auf das die heutigen Institutionen offensichtlich zusteuern.

Warum nicht den eigenen Balkon, die Küche oder, wer hat, den Garten nutzen, um Kartoffeln, Obst und Gemüse anzubauen? Oder wer dafür keine Zeit und Lust hat, warum nicht einer solidarischen Landwirtschaft beitreten? Die Nahrungsmittel aus solchen Projekten schmecken nicht nur besser, sondern sind oftmals auch noch gesünder und darüber hinaus aus der eigenen Region - sie kommen praktisch direkt von der Ernte auf den Esstisch und werden nicht vorher hunderte oder tausende Kilometer und tage- oder gar wochenlang durch die Gegend gefahren.

Die Regionalisierung allgemein sehe ich als einen möglichen und sehr hilfreichen Ansatz. Gerade in einer Zeit, in der einige von uns sich darauf einstellen müssen, stark eingeschränkt zu werden, was das Reisen oder die Teilnahme am öffentlichen Leben betrifft.

Anstatt dies zu bedauern, kann man es als Chance nutzen. Man kann sich zum Beispiel mit den Menschen in seiner Umgebung enger vernetzen und sich gegenseitig unterstützen. Vielleicht hat der Nachbar einen größeren Garten mit mehr Gemüse, als er selbst verarbeiten kann. Warum ihm nicht mit den eigenen Fähigkeiten helfen, wenn zum Beispiel sein Fahrrad kaputt ist oder er einen Schuppen bauen möchte?

Solche Ansätze sind sehr befreiend. Sie geben jedem Einzelnen die Möglichkeit, sein Leben so zu gestalten, wie er es selbst für richtig hält. Diejenigen, für die ein solches Leben nicht erstrebenswert ist, für die bleibt vermutlich immer noch der Weg offen, den Weg des Great Resets mitzugehen. Immerhin stecken auch darin, zumindest laut Packungsbeilage, einige erstrebenswerte Ideen.

Aber ich denke tatsächlich, dass man diesen Weg nicht gehen muss, und, wie oben beschrieben, dass man die Option hat, sein Leben unabhängiger zu gestalten.

Für mich persönlich ist das oben Beschriebene so oder so erstrebenswert. Selbst wenn es nicht so kommt, wie die dargestellten Zyklen es mich erwarten lassen. Aber gleichzeitig würde es helfen, durch die temporäre Krise zu kommen, sollte sie uns doch bevorstehen.

Offenlegung: Bernd besitzt Bitcoin und die folgenden Optionen: Short Sep-21 $40.000 Call auf Bitcoin. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Bitcoin.

Foto: amgun / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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