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onvista-Börsenfuchs: Unterschätzt die Inflation nicht!

onvista · Uhr
Quelle: onvista

Hallo Leute! Nun wissen wir (endlich), woran wir sind. Halt! Die Zinswende bedeutet nicht gleich das Ende des Inflationsdramas. Seit gestern liegen die ersten Schritte der geldpolitischen Umkehr auf dem Tisch. Im Großen und Ganzen wie erwartet bzw. vorhergesagt, auch wenn die Analysten nachdenklich jeden Satz der Europäischen Zentralbank sezieren. Das Gemeckere der Finanzexperten über den späten Termin sollte jetzt aber durch den Blick nach vorn abgelöst werden. Der fällt schwer genug. Entscheidend: Die EZB selbst erwartet höhere Inflation und schwächeres Wachstum. Auch das ist schon ganz schöner Mist. Denn unsere Währungshüter „unter-schätzen“ erfahrungsgemäß die Zukunft. Sollte das auch für 2022 insgesamt und das kommende Jahr gelten, würden uns voll düstere Zeiten drohen. Theorie?

Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges dämpfen die Konjunkturentwicklung im Euroraum und treiben die Inflation in die Höhe. Die Notenbank rechnet in ihrer neuen Prognose mit einem deutlich schwächeren Wirtschaftswachstum und einem stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise als im März angenommen. Demnach wird die Teuerungsrate in diesem Jahr bei 6,8 Prozent liegen. Im März war die Notenbank noch von 5,1 Prozent und im Dezember von 3,2 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr rechnen die Währungshüter im Jahresschnitt mit einer Preissteigerung von 3,5 Prozent (März-Prognose: 2,1 Prozent). Die Wirtschaft im Euroraum wird laut EZB in diesem Jahr um 2,8 Prozent.

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Und wie sieht’s bei uns aus? Der rasante Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise (vor allem als Folge des Ukraine-Kriegs) lässt die Inflation nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank in diesem Jahr hochschießen. Die Verbraucherpreise dürften in diesem Jahr noch stärker steigen als Anfang der 1980er Jahre. Der Preisdruck hat sich zuletzt sogar nochmal verstärkt, was die vorgelegten Projektionen nicht vollständig abbilden. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesbank nun mit einer Teuerung von 7,1 Prozent statt wie noch in der Dezember-Prognose von 3,6 Prozent.

Das reicht schon. Aber es kann ja noch schlimmer kommen. Das Zusammentreffen von zwei ungewöhnlichen, historischen Ereignissen könnte man nur dann einigermaßen plausibel beurteilen, wenn das Ende absehbar wäre. Nur steht Karl Lauterbach nicht allein da (Medien verbreiten mitunter diesen falschen Eindruck), wenn er die Corona-Pandemie nicht abhaken will. Der Herbst, vor dem er warnt, ist nicht weit. Und die Russen-Aggression? Wer will jetzt schon vorhersagen, wann die Waffen in der Ukraine ruhen werden. Die geopolitischen Folgen stehen sowieso noch in den Sternen. Pandemie & Krieg – da könnt Ihr Lieferketten und andere Probleme erst einmal in den Hintergrund drängen, meine Freunde. Für die Märkte bleibt die Inflation die größte Gefahr. Ob 8 %, 7 oder 6 % ist ziemlich egal. Solche Teuerungsraten sind für alle betroffenen Volkswirtschaften unerträglich.

Als Anleger kann guter (besser: gut gemeinter) Rat verdammt teuer werden. Selbst der neue Kurs der Notenbank beschert Sicherheit liebenden Anleihe-Fans auf absehbare Zeit noch keine positiven Realzinsen (Nominalzinsen minus Inflation). Und die negativen Auswirkungen machen auch vor den Aktien nicht Halt. Deshalb kann es nicht schaden, Leute, wenn Ihr Euch erst mal vom Spielfeld auf die Tribüne begebt und dazu einen Teil Eurer Kohle in edles Gold umwandelt. Was bleibt, und das bekräftige ich immer wieder (auch jetzt), ist der Reiz von gaaanz langfristigen Sparplänen mit Aktien, Gold oder entsprechenden Fonds.

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