Kolumne

Weder Halving noch ETF – kommt es am Ende nur auf diesen einen Preistreiber an?

decentralist.de · Uhr
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Der Bitcoin-Kurs zeigt anhaltende Kursschwäche, nachdem sich Anfang der letzten Woche ein Death Cross zwischen 50- und 200-Tage-Trend gebildet hatte. Der 50-Tage-Trend funktioniert nun als deutlicher charttechnischer Widerstand, an dem die Erholungsbewegung jüngst ihr Ende gefunden hat, die nach dem Retest der runden Marke von 25.000$ eingesetzt hatte.

Quelle: Tradingview

Bitcoin bleibt damit weiterhin seinen zyklischen Preisbewegungen treu und wiederholt die Patterns, die auch in den letzten beiden Pre-Halving-Jahren beobachtet werden konnten. Der Ausbruch aus dem Bärenmarkt mit einer Befreiungsrally, gefolgt von einem weiteren Unterschreiten wichtiger charttechnischer Indikatoren: 200-Tage-Trend und Bullmarket-Supportband, gefolgt von einem Death Cross im 50- und 200-Tage-Trend.

Damit steht mindestens bis in das vierte Quartal hinein weitere Kursschwäche in Aussicht – vielleicht sogar für das restliche Jahr. Die Aktienmärkte, zu denen Bitcoin immer noch in enger Korrelation steht, liefern derzeit ebenfalls keinen Rückenwind. Lediglich ein neuer bullischer Katalysator könnte für unerwartetes Momentum sorgen und zu einer früheren Rückkehr in den Aufwärtstrend führen. Der beste Kandidat dafür wäre die Zulassung eines Bitcoin-Spot-ETFs bereits im Oktober.

Halving, ETF… alles irrelevant für die Preisentwicklung?

Langfristig bleibt das Mitte 2024 anstehende Halving ein wichtiger Preistreiber in den Augen vieler Marktteilnehmer, da durch die dadurch entstehende Halbierung der Neuerzeugungsrate von Bitcoin das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage positiv beeinflusst wird. Doch die These des Halvings als entscheidender Preistreiber für Bitcoin ist durchaus anfechtbar. Die übergeordneten Finanzmärkte – zu denen Bitcoin als spekulatives Asset eine enge Korrelation hat – werden bereits seit Jahrzehnten maßgeblich von den Interventionen der Notenbanken beeinflusst.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 hat die künstliche Liquiditätsversorgung der Märkte durch die Zentralbanken ein Ausmaß angenommen, welches man für die Bewertung der Vermögenswertentwicklung nicht mehr ignorieren kann, sondern im Gegenteil: die Zentralbank-Liquidität ist ein maßgeblicher Faktor für die Preisentwicklung geworden. Legt man den S&P 500 als aussagekräftiges Sinnbild der Finanzmärkte über das Balancesheet der US-Notenbank, wird der Zusammenhang ersichtlich.

Auch für Bitcoin spielt das eine maßgebliche Rolle. Die Kryptowährung will in ihrer Kernthese eine Herausforderung für das derzeitige Finanzsystem sein. Und zumindest in Ansätzen wächst Bitcoin auch bereits in diese Rolle hinein. Größtenteils wird die Kryptowährung an den Finanzmärkten jedoch immer noch als spekulatives Asset behandelt. Und sie dient aufgrund ihrer digitalen Limitierung besonders gut als Vehikel, um von der durch Zentralbankinterventionen hervorgerufene Veränderung der Geldmenge – sprich, deren massive Ausweitung - zu profitieren. Der folgende Tweet zeigt den direkten Zusammenhang zwischen der Jährlichen, prozentualen Geldmengenveränderung und der Preisentwicklung von Bitcoin.

Es ist erkennbar, dass sich die Geldmengenausweitung ebenfalls in einem zyklischen Muster bewegt, die mit den Halving-Zyklen von Bitcoin korreliert. Die Geldmengenausweitung korreliert indes mit den wirtschaftlichen Zyklen, vor allem der Refinanzierung von Schulden und wirtschaftlichen Auf- und Abschwüngen. Da Bitcoin direkt nach der Finanzkrise – als Antwort auf diese – ins Leben gerufen wurde, schmiegt sich auch der Halving-Zyklus gut in die übergeordneten Finanzmarktzyklen hinein.

Das Halving hat defacto einen Einfluss auf die Preisentwicklung, da sich ein verringertes Angebot bei gleichbleibender oder steigender Nachfrage positiv auf den Preis auswirken muss. Das Halving berührt jedoch nur die Angebotsseite. Die Nachfrageseite hingegen wird von externen Faktoren bestimmt. Das mag zum einen die langfristige Adaption und damit Verbreitung von Bitcoin sein. Zum anderen haben jedoch auch die Liquiditätszyklen der Zentralbanken scheinbar einen maßgeblichen Einfluss auf Bitcoin – genauso wie auf die Finanzmärkte generell. Diesen Umstand sollte man bei der Bewertung von Bitcoin auf keinen Fall außer Acht lassen.

Denken Sie langfristig!

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