Kolumne von Heiko Böhmer

Unternehmensgewinne: Kommt jetzt die Trendwende nach oben?

Heiko Böhmer · Uhr
Quelle: Viktollio/Shutterstock.com

Die Stunde der Wahrheit für viele Firmen steht wieder an: Die Berichtssaison für das erste Quartal 2024 läuft. Hier erhält jeder einen Eindruck über die Qualität der aktuellen Geschäftstätigkeit – quer durch alle Branchen. Dabei ist vor allem der Blick auf die Gewinnentwicklung im S&P 500 auf Branchenebene besonders spannend. 

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind massiv. Während bei den Technologie- und Kommunikations-Service-Unternehmen Gewinnzuwächse von über 20 Prozent zu erwarten sind, werden wohl die Gewinne bei den Energiewerten und im Gesundheitssektor um mehr als 25 Prozent nach unten rauschen.

Das ist zumindest die Erwartung der Marktexperten von der London Stock Exchange Group (LSEG). Insgesamt werden die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent zulegen. Bei den Umsätzen fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen deutlich kleiner aus. Insgesamt wird es aber auch hier um rund drei Prozent nach oben gehen. 

Neben den Prognosen liegen auch schon die ersten Unternehmensdaten vor. 70 der 500 Unternehmen aus dem S&P-500-Index haben bereits ihre Zahlen vorgelegt. Besonders stark ist hier bislang der Finanzsektor mit 26 Unternehmen vertreten. Immerhin 81 Prozent der Unternehmen haben die Erwartungen übertroffen. Das ist schon ein positiver Faktor.

Bislang haben die Unternehmen die Gewinne um elf Prozent gesteigert und damit deutlich stärker als erwartet. Beim Umsatz liegt der Zuwachs mit knapp fünf Prozent auch oberhalb der Erwartungen für den gesamten Index. Hier werden die nächsten beiden Wochen aber eine massive Verschiebung bringen, denn zahlreiche Firmen legen dann die neuen Geschäftszahlen vor. 

Steigende Gewinne sorgen oft für steigende Kurse

Nach einigen Quartalen mit einer eher schwachen Gewinnentwicklung stehen jetzt wohl wieder breite Gewinnanstiege an – vor allem auf Indexebene. Das zeigt sich beim Blick in die USA genauso wie beim genauen Blick auf die Entwicklung in Europa. Grundsätzlich waren das in der Vergangenheit oft Phasen mit moderat steigenden Kursen an den Börsen.

Aber der Blick in den Rückspiegel hat zuletzt auch nicht weitergeholfen. Viele klare Indikatoren haben keine klaren Ergebnisse geliefert. Das gilt vor allem für die Rezessionssignale. Inverse Zinsstrukturkurve oder die oft sehr aussagekräftigen ökonomischen Indikatoren in den USA. Obwohl auf verschiedenen Ebenen eine Rezession prognostiziert wurde, ist in den USA bislang noch keine eingetreten. Deshalb sollten wir vielleicht weniger auf die speziellen Aspekte der Vergangenheit schauen, als vielmehr die Herausforderungen der Zukunft als Maßstab heranziehen. 

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