"Höher für länger"-Zinsszenario trübt Börsenstimmung

Reuters · Uhr
Quelle: (c) Copyright Thomson Reuters 2024. Click For Restrictions - https://agency.reuters.com/en/copyright.html

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf länger hochbleibende Zinsen in den USA treibt die Anleger an den europäischen Börsen zum Wochenschluss um.

Dax und EuroStoxx50 verloren am Freitag jeweils rund ein halbes Prozent auf 18.608 und 5011 Punkte. An der Wall Street lagen die US-Futures vorbörslich leicht im Plus. Jüngste Kommentare von Vertretern der amerikanischen Notenbank Fed und höher als erwartet ausgefallene Inflations-Daten dämpften die Risikobereitschaft der Investoren. Auch das Neugeschäft der US-Industrie im April fiel überraschend gut aus. Als möglicher Zeitpunkt für eine Zinssenkung in den USA wird nun zunehmend der November anstelle des Septembers angesehen.

Diese Verschiebung führte zu einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen. Die zehnjährigen Bundesanleihen wurden mit 2,609 nach 2,601 Prozent verzinst. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries zog auf 4,491 nach 4,475 Prozent an. Der Dollar-Index gab indes frühe Gewinne wieder ab und stand am Nachmittag 0,2 Prozent tiefer bei 104,83 Punkten. Am Ölmarkt blieb der Preis für die Nordsee-Sorte Brent mit 81,16 Dollar je Fass in einer engen Handelsspanne.

GUTE AUSSICHTEN FÜR AKTIENMÄRKTE - FMC IM AUFWIND

Insgesamt rechnen Strategen aber mit einem baldigen neuen Angriff auf die Dax-Marke von 19.000 Punkten. "Die Aktienmärkte scheint derzeit wenig aufhalten zu können. Die Kursschwäche europäischer und US-amerikanischer Aktien im April ist aus heutiger Sicht als kurze Verschnaufpause in der seit nunmehr sieben Monaten andauernden Kursrallye zu werten", sagte Marthel Edouard, Portfoliomanager bei der Weberbank. Als Treiber nannte der Vermögensexperte neben den verbesserten Konjunkturdaten aus Europa und den attraktiven Dividendenausschüttungen der letzten Wochen vor allem die starken Ergebnisse der Unternehmensberichtssaison für das erste Quartal.

Rund acht Prozent zulegen konnten am Freitag die Aktien des Dialyseanbieters FMC. Börsianer verwiesen auf Studiendaten von Novo Nordisk, wonach das Diabetesmittel Ozempic die Verschlechterung von Nierenfunktionsstörungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verlangsame und das Risiko von Nierenversagen, Herzproblemen, Schlaganfall und Tod senke. "Meine Interpretation der Kursbewegung wäre, dass die Dialyse-Patienten dann eine längere Lebenserwartung haben und länger von FMC behandelt werden können", sagte ein Händler. Aktien des FMC-Mutterkonzerns Fresenius standen mit einem Aufschlag von 2,5 Prozent an der Dax-Spitze.

TECH-SEKTOR IM MINUS - GRÜNES LICHT FÜR ETHER-SPOT-ETFS

Europaweit verzeichnete der Technologie-Sektor die größten Kursverluste. Der Branchenindex gab 0,9 Prozent nach. An der Madrider Börse ging es für Acciona mehr als acht Prozent bergab, nachdem der Bau- und Immobilienkonzern seine Ebitda-Prognose für das laufende Jahr heruntergeschraubt hatte. Die Titel der Ökostrom-Sparte Acciona Energia gaben sechs Prozent nach. Die Papiere des Windturbinenherstellers Nordex, an dem Acciona einen Anteil von 47,1 Prozent hält, verloren im MDax rund ein halbes Prozent.

Für Gesprächsstoff sorgten zum Wochenschluss auch die Kryptowährungen. Die US-Börsenaufsicht SEC genehmigte überraschend die Anträge verschiedener Handelsplätze für börsengehandelte Fonds (ETFs), die an die Kryptowährung Ether gebunden sind. Das könnte den Weg für einen Handel mit solchen Produkten (Ether-Spot-ETFs) noch in diesem Jahr ebnen. Die nach Bitcoin zweitgrößte Cyber-Devise verlor dennoch rund ein Prozent auf 3714 Dollar. Bitcoin notierte mit 67.532 Dollar 0,3 Prozent im Minus. Seit Anfang Mai haben Ethereum gut 23 Prozent, Bitcoin zwölf Prozent zugelegt.

(Bericht von: Anika Ross, Daniela Pegna. Redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

onvista Premium-Artikel