Börsen unter Druck - US-Inflation und Fed im Blick

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Frankfurt (Reuters) - Einen Tag vor zwei wichtigen Terminen in den USA macht sich die Nervosität an den Börsen rund um den Globus bemerkbar.

Der Dax gab am Dienstagnachmittag anfängliche Kursgewinne wieder ab und fiel um 0,6 Prozent auf 18.379 Punkte. Der EuroStoxx50 verlor knapp ein Prozent auf 4973 Zähler. Auch die wichtigsten US-Indizes eröffneten im Minus.

Die Investoren warteten auf die am Mittwoch anstehenden US-Inflationsdaten und den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wenige Stunden später. "Es gibt eine ungewöhnliche Menge an Angst um diese Zahlen und um die Fed-Sitzung, insbesondere nach dem Beschäftigungsbericht am Freitag", konstatierte Thomas Hayes, Vorsitzender der Private-Equity-Gesellschaft Great Hill Capital LLC. Überraschend starke offizielle US-Jobdaten hatten vergangene Woche neue Sorgen über den geldpolitischen Kurs der Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell geschürt. Die Notenbanker versuchen, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen.

DOLLAR FESTER - EURO GIBT WEITER NACH

"Die Anleger sind sich sicher, dass die Federal Reserve dieses Mal nicht an der Zinsschraube drehen wird, weit mehr Unsicherheit aber herrscht über den geldpolitischen Ausblick", konstatierte Jochen Stanzl, Chefanalyst vom Broker CMC Markets. Die meisten Marktteilnehmer gehen derzeit von einer Zinswende der Fed zum Jahresende aus. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinssenkung in den USA im September, November und Dezember auf rund 50, 70 und 90 Prozent geschätzt.

Der Dollar-Index rückte im Vorfeld beider Termine um 0,2 Prozent auf 105,36 Punkte vor. Der Euro verlor vor dem Hintergrund der Zugewinne rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Parteien bei der Europawahl 0,4 Prozent auf 1,07 Dollar. Auch wegen der vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron ausgerufenen Neuwahlen rechnen Experten mit anhaltendem Druck auf die Einheitswährung. "Das ist einer der Gründe, warum wir an unserer Einschätzung festhalten, dass das Euro-Dollar-Verhältnis 1,05 erreichen und dort verharren wird", sagte Thierry Wizman, globaler Devisen- und Zinsstratege bei der Investmentbank Macquarie.

Die politische Situation in Frankreich bedroht der Ratingagentur Moody's zufolge die Kreditwürdigkeit des Landes. "Die vorgezogenen Neuwahlen erhöhen die Risiken für die Haushaltskonsolidierung", teilten die Bonitätswächter mit. Dies sei für das Rating negativ. Moody's bewertet die Kreditwürdigkeit derzeit mit Aa2. Damit wird Frankreich zwar eine sehr hohe Bonität zugestanden, die aber langfristig schwerer einschätzbar ist. Der Pariser Leitindex setzte am Dienstag seine Talfahrt fort und verlor gut ein Prozent.

ÜBERNAHMEFANTASIEN BEI COVESTRO

Bei den Einzelwerten trieben neu angefachte Spekulationen auf eine mögliche Übernahme von Covestro deren Aktien kräftig nach oben. Die Titel des Leverkusener Kunststoffkonzerns zogen um gut sieben Prozent an. Für Rückenwind habe ein Bericht der Agentur Bloomberg gesorgt, demzufolge Covestro davor stehe, dem staatlichen Ölkonzern Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) Zugang zu einer eingehenden Due Diligence zu gewähren, sagten zwei Händler. Dies schürte Spekulationen auf ein verbessertes Übernahmeangebot. Der Ölkonzern aus Abu Dhabi hatte bereits vor rund einem Jahr Interesse an Covestro bekundet.

Der Zuschlag für das Restrukturierungspaket seines Großaktionärs David Layani schickte unterdessen die Aktien des hoch verschuldeten IT-Konzerns Atos auf Talfahrt. Die Titel büßten an der Börse in Paris 13 Prozent ein. Die von Ankerinvestor Layani angepeilte Umstrukturierung des Schuldenbergs geht mit einer massiven Verwässerung der Anteile der bisherigen Eigner einher.

(Bericht von Zuzanna Szymanska und Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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