Verschärfte Talfahrt bei deutscher Industrie - "Rezession zieht sich länger hin"

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Berlin (Reuters) - Der Abschwung in der deutschen Industrie hat sich auch im August fortgesetzt.

Der Einkaufsmanagerindex für den Wirtschaftszweig sank zum Vormonat um 0,8 Punkte auf 42,4 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Montag zu seiner Umfrage unter rund 430 Firmen mitteilte. Das Barometer, bei dem Einkaufsmanager von Firmen die Geschäftsbedingungen beurteilen, gilt an den Finanzmärkten als wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung und signalisiert Wachstum bei Werten von über 50 Punkten. "Die Rezession in der deutschen Industrie zieht sich deutlich länger hin als erwartet", sagte Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB), die Sponsor der Umfrage ist.

Vor allem ein schwächelndes Neugeschäft belastet viele Betriebe. "Im August sind die Auftragseingänge noch etwas stärker eingebrochen als in den Vormonaten, was wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Erholung macht", erläuterte De la Rubia. Die Schwächephase der Industrie dauere seit Mitte 2022 an und damit verglichen mit anderen Rezessionen im Verarbeitenden Gewerbe ungewöhnlich lange. "Dass es dieses Mal anders ist, hat unseres Erachtens in erster Linie mit China zu tun", betonte der HCOB-Fachmann. "Das Land macht deutschen Herstellern mit zunehmendem Erfolg Konkurrenz, und zwar in China selbst, in Deutschland und auch auf Drittmärkten - insbesondere im Automobil- und Maschinenbausektor."

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal überraschend geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Die Aussichten für einen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte haben sich zuletzt eingetrübt. So sank der Ifo-Geschäftsklimaindex - der als wichtigster Frühindikator für Europas größte Volkswirtschaft gilt - im August bereits den dritten Monat in Folge. Dies gilt als schlechtes Omen für die Konjunktur.

Die Schwäche der Industrie in Deutschland und in Frankreich bremst auch die Entwicklung des Sektors in der gesamten Euro-Zone. Der Einkaufsmanagerindex für die Währungsunion blieb im August unverändert bei 45,8 Zählern und signalisierte damit unterhalb der 50-Punkte-Marke ein Schrumpfen der Geschäftsaktivitäten. "Es geht abwärts, und zwar schnell", sagte de la Rubia. Er sehe kaum Anzeichen, dass sich die Lage bald bessere.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Rene Wagner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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