Friedensnobelpreis gegen Atomwaffen - "Eine große Kraft"

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- von Gwladys Fouche und Satoshi Sugiyama

Oslo/Tokio (Reuters) - Die japanische Organisation Nihon Hidankyo, eine Basisbewegung von Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis.

Das gab das Nobelkomitee in Oslo am Freitag bekannt. Die Bewegung setzt sich in Gedenken an die Opfer vom August 1945 gegen die nukleare Rüstung ein. Das norwegische Komitee würdigte die Gruppe "für ihre Bemühungen um eine Welt ohne Atomwaffen und für das Zeugnis, das sie durch ihre Aussagen ablegen, dass Atomwaffen niemals wieder eingesetzt werden dürfen".

Bekannt ist die Organisation auch unter dem Namen Hibakusha. "Die Hibakusha helfen uns, das Unbeschreibliche zu beschreiben, das Undenkbare zu denken und den unvorstellbaren Schmerz und das Leid, das durch Atomwaffen verursacht wird, irgendwie zu erfassen", erklärte das norwegische Friedensnobelpreis-Komitee weiter. Das Komitee hat das Thema Atomwaffen bereits regelmäßig in den Fokus gerückt, zuletzt mit seiner Auszeichnung für die ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, die den Preis im Jahr 2017 gewann.

Der Vorsitzende der Organisation, Toshiyuki Mimaki, zeigte sich tief bewegt von der Auszeichnung. Auf einer Pressekonferenz in Hiroshima sagte er, der Preis werde die Bemühungen der Gruppe, die Abschaffung von Atomwaffen als möglich darzustellen, erheblich vorantreiben. "Es wäre eine große Kraft, der Welt zu vermitteln, dass die Abschaffung von Atomwaffen erreicht werden kann", sagte Mimaki, selbst ein Überlebender der Katastrophe von damals. "Atomwaffen müssen absolut abgeschafft werden." US-Bomber hatten am 6. und 9. August 1945 auf die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Kurz darauf endete der Zweite Weltkrieg auch im pazifischen Raum.

"WEIT GRÖSSERE ZERSTÖRUNGSKRAFT"

Ohne bestimmte Länder namentlich zu nennen, warnte Jörgen Watne Frydnes, Vorsitzender des norwegischen Nobelpreiskomitees, dass Atomstaaten nicht über den Einsatz von Atomwaffen nachdenken sollten. "Die heutigen Atomwaffen haben eine weit größere Zerstörungskraft. Sie können Millionen töten und hätten katastrophale Auswirkungen auf das Klima", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Ein Atomkrieg könnte unsere Zivilisation zerstören." Frydnes lobte "die außergewöhnlichen Bemühungen" von Nihon Hidankyo und anderen Vertretern der Hibakusha, die zur "Etablierung des Atomwaffentabus" beigetragen hätten. "Es ist daher alarmierend, dass heute dieses Tabu gegen den Einsatz von Atomwaffen unter Druck steht."

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock äußerte sich erfreut über die Entscheidung. Dies sei eine "wirklich schöne Nachricht", sagte sie in Berlin, "gerade in Zeiten, wo aggressive Mächte wieder mit Nuklearwaffen drohen". Es sei umso wichtiger, "dass die Welt insgesamt deutlich macht, Frieden bedeutet, dass solche Waffen niemals zum Einsatz kommen".

Im nächsten Jahr jährt sich der Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zum 80. Mal. Dan Smith, Leiter des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts, sagte, mit der Auszeichnung lenke das Nobelkomitee die Aufmerksamkeit auf eine "sehr gefährliche Situation" in der Welt. Dabei verwies er auf die wachsenden Spannungen zwischen den USA einerseits sowie Russland und China andererseits. "Wenn es zu einem militärischen Konflikt kommt, besteht das Risiko, dass er zu Atomwaffen eskaliert." Nihon Hidankyo sei "eine wichtige Stimme, die uns an die zerstörerische Natur von Atomwaffen erinnert", sagte Smith der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Friedensnobelpreis ist der fünfte Nobelpreis, der in dieser Woche verliehen wurde, nach Literatur, Chemie, Physik und Medizin. Die im Gefängnis sitzende iranische Frauenrechtsaktivistin Narges Mohammadi hatte den renommierten Preis im vergangenen Jahr erhalten. Er ist mit elf Millionen Schwedischen Kronen, etwa 900.000 Euro, dotiert und wird am 10. Dezember in Oslo verliehen. Dieser Tag markiert den Todestag des schwedischen Industriellen Alfred Nobel, der die Auszeichnungen in seinem Testament von 1895 stiftete. Die anderen Nobelpreise werden in Stockholm verliehen.

(Mitarbeit: Nora Buli, Kantaro Komiya; Bearbeitet von Alexander Ratz; Redigiert von Kerstin Dörr; Bei Rückfragen wenden Sie sich an berlin.newsroom@tr.com)

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