Über 20 Tote bei israelischem Angriff auf Beirut
Beirut/Jerusalem (Reuters) - In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind nach Angaben der dortigen Regierung bei israelischen Angriffen 22 Menschen getötet worden.
117 Menschen seien bei dem Beschuss am Donnerstagabend im Zentrum Beiruts verletzt worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Freitag mit. Wafiq Safa, ein ranghohes Mitglied der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz, das vermutlich Israels Ziel war, sei dem Angriff entgangen, verlautete zudem aus Sicherheitskreisen. Safa leitet die Verbindungs- und Koordinierungseinheit der Hisbollah, die für die Zusammenarbeit mit den libanesischen Sicherheitsbehörden zuständig ist. Unter den Toten ist einem Insider zufolge auch eine achtköpfige Familie, darunter drei Kinder. Die Familie stamme aus dem Süden des Libanons und habe sich vor den israelischen Angriffen in Sicherheit bringen wollen.
Der jüngste israelische Beschuss traf ein dicht besiedeltes Wohnviertel mit Mehrfamilienhäusern und kleinen Geschäften im Herzen Beiruts. "Ich habe gebetet", berichtete ein Anwohner, dessen Haus beschädigt wurde. "Wir hörten den ersten Einschlag, und ich dachte, er wäre in meinem Haus gewesen. Der zweite war viel stärker als der erste." In seinem Haus seien die Fenster zu Bruch gegangen. "Es war ein schrecklicher Anblick, es war einfach unglaublich."
Israel hatte vor dem Angriff keinen Evakuierungsaufruf erteilt. Das beschossene Gebiet, das von den südlichen Vororten Beiruts entfernt liegt, wo das Hauptquartier der Hisbollah wiederholt von Israel bombardiert wurde, war zuvor nicht angegriffen worden.
In dem seit einem Jahr andauernden Krieg zwischen Israel und der mit der Hisbollah verbündeten Hamas im Gazastreifen, der immer mehr eskaliert, wurden im Libanon nach Angaben der Regierung mindestens 2169 Menschen getötet. Die meisten Todesopfer habe es seit dem 23. September gegeben, als Israel seinen Militäreinsatz massiv ausgeweitet habe, erklärte die libanesische Regierung. Bei den Opferzahlen wird nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern unterschieden.
Die Hisbollah hat sich solidarisch mit der Hamas erklärt, die mit ihrem Angriff auf Israel den Krieg auslöste, und feuert immer wieder Raketen auf Israel. Dessen Militär nimmt verstärkt Ziele in den südlichen Vororten von Beirut, im Süden des Libanons und im Bekaa-Tal im Osten des Libanons unter Beschuss.
Mit seinem jüngsten Angriff in Beirut weitet das israelische Militär, das bislang Kommandeure und Spitzenpolitiker der Hisbollah ins Visier genommen hat, seine gezielten Tötungsversuche auf andere Hisbollah-Funktionäre aus. Zum Angriff auf den für Sicherheitsfragen und politische Angelegenheiten zuständigen Safa äußerten sich die Hisbollah und Israel zunächst nicht.
Das israelische Militär erklärte allerdings, es habe im Westjordanland einen weiteren Anführer militanter Palästinenser getötet. Es handele sich um Muhammad Abdullah, den Chef des Netzwerks der Extremistengruppe Islamischer Dschihad in der Flüchtlingssiedlung Nur Schams. Er sei zusammen mit einem weiteren Extremisten bei einem Angriff in der Nähe der Stadt Tulkarm getötet worden. Abdullah soll nach Angaben des Militärs und des israelischen Geheimdienstes in eine Reihe von Anschlägen gegen israelische Soldaten verwickelt gewesen sein. Dem palästinensischen Gesundheitsministerium zufolge wurden zwei Menschen bei dem israelischen Angriff auf Nur Schams getötet. Im Laufe des Gaza-Krieges, dessen Beginn sich am 7. Oktober jährte, hat auch im Westjordanland, dem anderen Palästinensergebiet, die Gewalt immer mehr zugenommen.
(Bericht von: Maya Gebeily, Alexander Cornwell; geschrieben von Sabine Ehrhardt; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)