EU senkt Wachstumsprognose für Euroraum - Deutschland 2025 Schlusslicht

Reuters · Uhr
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Brüssel/Berlin (Reuters) - Die EU-Kommission blickt etwas skeptischer auf die Wirtschaft im Euroraum und setzt erst 2026 auf eine spürbare Konjunkturerholung.

Die Brüsseler Behörde erwartet für die Währungsunion 2024 weiter einen Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent, rechnet aber im nächsten Jahr nur noch mit plus 1,3 Prozent. Das geht aus der am Freitag vorgelegten Herbstprognose hervor. Im Mai hatte die Kommission hier noch 1,4 Prozent Wachstum vorhergesagt. 2026 soll es dann mit 1,6 Prozent stärker bergauf gehen.

"Die europäische Wirtschaft erholt sich langsam", sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. "Das Wachstum dürfte sich in den nächsten zwei Jahren allmählich beschleunigen." Für Schwung sorgten die abflauende Inflation und die niedrige Arbeitslosigkeit sowie das Anziehen von Privatkonsum und Investitionen. Zugleich sei es für EU-Staaten eine Gratwanderung, einerseits die Schulden zu senken und andererseits das Wachstum anzuschieben.

TRUMP ANTE PORTAS - GENTILONI WARNT VOR HANDELSSTREIT

Gentiloni betonte wie Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis, dass Strukturreformen wichtig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu erhalten. Damit könne man das Potenzialwachstum steigern und zunehmende geopolitische Risiken besser bewältigen. Hierzu gehören auch Handelskonflikte.

Wirtschaft und Politik schauen mit Sorge auf die Machtübernahme im Weißen Haus von Donald Trump, der jüngst die US-Präsidentenwahl gewonnen hat. Der Republikaner hat im Wahlkampf wiederholt höhere Zölle angekündigt und dürfte die USA weiter abschotten. Gentiloni sagte, eine protektionistische Wende in der US-Handelspolitik wäre für die USA und Europa äußerst schädlich. Diese Handelsbeziehungen seien enorm wichtig. Die Handelsströme seien eine entscheidende Verbindung nicht nur zwischen beiden Partnern, sondern auch weltweit. "Wir sollten diese Wichtigkeit niemals unterschätzen." Dies stabilisiere auch die internationale Gemeinschaft.

Höhere Zölle dürften Deutschland und Italien stärker treffen als andere Volkswirtschaften in der EU, sagte Gentiloni. Man habe in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich die Konflikte in den Handelsbeziehungen gemanagt, bilanzierte Gentiloni. Europa müsse seine Stärke verteidigen als Wirtschaftsraum, der offen sei für Handel. Europa sei bereit für die Herausforderungen, dies sei aber im Detail Aufgabe für die nächste Kommission.

2026 WÄCHST NUR ITALIEN LANGSAMER ALS DEUTSCHLAND

Pessimistischer sieht die Kommission vor allem die Lage in Deutschland. Hier erwartet sie ein Schrumpfen der Wirtschaft in diesem Jahr um 0,1 Prozent. Für 2025 traut die Brüsseler Behörde Deutschland ein BIP-Plus von 0,7 Prozent zu - aber dies wäre das geringste Wachstum aller Euro-Länder. 2026 soll es dann zu einem Anstieg von 1,3 Prozent reichen. Pessimistischer ist die EU hier nur für Italien mit einem erwarteten Wachstum von 1,2 Prozent.

Jüngst hatten die Wirtschaftsweisen ihre Wachstumsprognose für Deutschland für 2025 auf 0,4 Prozent mehr als halbiert. Für dieses Jahr erwarten auch die Regierungsberater vom Sachverständigenrat einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent. Bereits 2023 war Europas größte Volkswirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft.

Die EU-Kommission veranschlagt in ihren Prognosen einen deutlich nachlassenden Preisdruck. Sie erwartet 2024 für Deutschland eine für den europäischen Vergleich berechnete Teuerungsrate (HVPI) von 2,4 Prozent und für 2026 dann 1,9 Prozent. Im vorigen Jahr lag diese Inflationsrate hierzulande noch bei 6,0 Prozent. Für die Euro-Zone erwartet die Kommission dieses Jahr auch eine Inflation von 2,4 Prozent, die sich 2025 auf 2,1 Prozent und 2026 auf 1,9 Prozent abschwächen dürfte. Das wäre unter dem Zielwert von 2,0 Prozent, den die Europäische Zentralbank (EZB) als ideal für die Konjunktur ansieht.

(Bericht von Jan Strupczewski und Klaus Lauer, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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