Italiens Notenbankchef plädiert für weitere Zinssenkung

Mailand (Reuters) - Die EZB sollte aus Sicht von Italiens Notenbankchef Fabio Panetta ihre Zinszügel angesichts der schwachen Wirtschaft im Euroraum weiter lockern.
Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse sich nun auf die lahme Wirtschaft fokussieren, sagte Penetta laut Manuskript in einem Vortrag an der Bocconi Universität in Mailand. "Da die Inflation nahe an der Zielmarke ist und die heimische Nachfrage stagniert, sind restriktive geldpolitische Bedingungen nicht länger erforderlich", sagte er. Eine Geldpolitik ist dann restriktiv, wenn sie die Konjunktur bremst. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Im Oktober lag die Teuerung in der 20-Länder-Gemeinschaft auf diesem Niveau.
Die Zinsen sollten laut Panetta in einen neutralen oder sogar in einen expansiven Bereich bewegt werden. Ein Zinsniveau ist dann expansiv, wenn es die Wirtschaft anschiebt. Es sei keine Blasphemie zu erwägen, dass die Zinsen unter ein für die Wirtschaft neutrales Niveau gesenkt werden könnten, merkte er an. Wo genau das neutrale Zinsniveau für die Wirtschaft derzeit liegt, ist umstritten. Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hatte im Oktober Erwartungen für einen Wert irgendwo zwischen 2,25 Prozent und 2,75 Prozent als zu hoch erachtet.
Wenn sich die Konjunktur nicht nachhaltig erhole, könne die Inflation deutlich unter die EZB-Zielmarke sinken, warnte Panetta. "Ein Szenario, dem die Geldpolitik nur schwer entgegenwirken kann und das daher vermieden werden sollte." Die EZB hat bereits dreimal den Leitzins in diesem Jahr gesenkt. Notenbankchefin Christine Lagarde sieht das Inflationsziel im Laufe des nächsten Jahres nachhaltig erreicht. Für die EZB-Zinssitzung im Dezember rechnen die meisten Experten mit dem vierten Zinsschritt nach unten.
(Bericht von Valentina Za; Bearbeitet von Frank Siebelt; Redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)