Ärzte ohne Grenzen stoppen Arbeit in Haitis Hauptstadt wegen Gewalt

Port-au-Prince (Reuters) - Inmitten der dramatischen Lage in Haiti muss die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) nach eigenen Angaben ihre Arbeit in der Hauptstadt Port-au-Prince und Umgebung wegen zunehmender Gewalt und Drohungen gegen ihre Mitarbeiter einstellen.
Die Organisation sei zwar an extreme Unsicherheit gewöhnt, aber wenn die Polizei selbst zur Bedrohung werde, habe man keine andere Wahl, als die Arbeit auszusetzen, sagte MSF-Missionsleiter Christophe Garnier am Dienstag. Seit einem tödlichen Angriff auf einen ihrer Krankenwagen in der vergangenen Woche habe die Polizei wiederholt Fahrzeuge der Organisation angehalten und Mitarbeiter direkt bedroht, einige von ihnen mit dem Tode und mit Vergewaltigung. Die Unterbrechung gelte ab Mittwoch "bis auf Weiteres". MSF werde ihre Arbeit erst wieder aufnehmen, wenn es Sicherheitsgarantien gebe. Die Polizei lehnte eine Stellungnahme ab.
Der Karibikstaat leidet unter Bandenkriminalität, Gewalt und Hunger. Die Banden haben das Machtvakuum nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 gefüllt und kontrollieren weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince. Immer wieder kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen und der Polizei sowie zu Selbstjustiz durch Bürgerwehren. Die Vereinten Nationen (UN) sprechen von einer noch nie dagewesenen Nahrungsmittelknappheit - rund fünf Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger.
(Bericht von Steven Aristil und Harold Isaac, geschrieben von Katharina Loesche. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)