Tausende fliehen nach Rebellen-Vormarsch aus syrischer Großstadt Homs

Beirut (Reuters) - Tausende Menschen sind angesichts des rasanten Vormarsches islamistischer Rebellen nach Angaben von Augenzeugen aus der syrischen Großstadt Homs geflohen.
Auch die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Freitag mit, dass zahlreiche Menschen über Nacht und am frühen Morgen die drittgrößte Stadt des Landes verlassen hätten. Ihr Ziel sei die Küstenregion, die als Hochburg der Regierung von Präsident Baschar al-Assad gilt. Dort bestätigte ein Anwohner, dass Tausende aus Homs angekommen seien.
Befürchtet werden wie zuvor schon in Aleppo und Hama heftige Kämpfe. Trotz russischer Unterstützung konnte die syrische Armee diese beiden strategisch wichtigen Städte nicht gegen die Rebellen verteidigen. Um den weiteren Vormarsch der Aufständischen Richtung Süden auszubremsen, bombardierten russische Einheiten Militärangaben zufolge in der Nacht die Rustan-Brücke an der Autobahn M5, der Hauptverkehrsroute nach Homs. "Es gab mindestens acht Einschläge auf der Brücke", sagte ein Offizier der syrischen Armee der Nachrichtenagentur Reuters. Mit dem Angriff solle verhindert werden, dass die Rebellen diese wichtige Verkehrsader nutzen können.
Regierungstruppen verstärkten zugleich ihre Stellungen rund um Homs. Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz schickte zudem Sicherheitskreisen zufolge eine kleine Zahl an "Aufsichtseinheiten" aus dem Libanon nach Syrien. Sie sollen demnach dabei helfen, eine Einnahme von Homs durch die Rebellen zu verhindern. Der Iran sagte der Assad-Regierung weitere Raketen und Drohnen zu. Auch die Zahl der militärischen Berater werde erhöht, um den Präsidenten im Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen, sagte ein hochrangiger Vertreter des Iran. Derzeit stelle der Iran Syrien Geheimdienstunterstützung und Satellitendaten zur Verfügung.
ISRAEL GREIFT GRENZÜBERGÄNGE AN
Israel griff unterdessen in der Nacht zu Freitag zwei wichtige Grenzübergänge zwischen dem Libanon und Syrien an. Das israelische Militär gab an, bei dem Angriff Waffenumschlagplätze und Infrastruktur auf der syrischen Seite der Grenze ins Visier genommen zu haben. Diese Routen seien von der Hisbollah als Versorgungswege zum Waffenschmuggel genutzt worden. Im Kampf gegen die radikalislamische Organisation greift Israel daher immer wieder Ziele in Syrien aus der Luft an.
Die Rebellen haben unter der Führung der islamistischen Gruppierung Haiat Tahrir al-Scham in einer Blitzoffensive vom Norden aus in den vergangenen Tagen mit Aleppo und Hama zwei der größten Städte Syriens erobert. Als nächstes Ziel haben sie Homs ausgemacht, die wichtigste Stadt in Zentralsyrien und ein Verkehrsknotenpunkt, der für die Verbindung zur Hauptstadt Damaskus und zur Küste entscheidend ist. Neben Homs hat auch in anderen Gegenden wegen der Kämpfe bereits eine Massenflucht eingesetzt. Im Nordwesten seien über 280.000 Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben worden, teilte das UN-Welternährungsprogramm am Donnerstag mit. Rebellenanführer Abu Mohammed al-Golani sagte in seinem ersten Interview seit Beginn der Offensive dem Sender CNN, dass er Syrien aufbauen und in den Libanon und nach Europa geflüchtete Landsleute zurückholen wolle.
(Bericht von Maya Gebeily und Clauda Tanios, geschrieben von Philipp Krach, redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)