3D-Druck, Fleischersatz, Wasserstoff

Welche Trends von gestern eine Warnung für Anleger von heute sind

onvista · Uhr

Mit den Aktien von einstigen Hype-Firmen wie 3D Systems, Beyond Meat und Ballard Power haben Anleger viel Kapital verloren. Dabei gab es Anzeichen, dass sich die Firmen später als „Eintagsfliegen“ entpuppt haben.

Quelle: Sundry Photography/Shutterstock.com

3D Systems – gerade mal 3,34 Euro wert. Beyond Meat, mit 3,76  Euro ebenfalls nicht weit davon entfernt, eine Penny Stock zu sein. Und Ballard Power Systems kommen sogar nur auf einen Kurs von nur 1,93 Euro. Jede dieser Aktien war mal das Hundertfache wert – und sind nun mahnende Beispiele dafür, wie Trends und Kapital einfach verpuffen.

Bei 3D Systems standen einst, im Dezember 2013, gut 66,50 Euro zu Buche. Beyond Meat schoss nach dem Börsengang im Sommer 2019 fast bis auf 200 Euro nach oben. Die Aktie von Ballard Power Systems war im Januar 2021 fast 30 Euro wert. Wer damals gekauft hat, hat einen Großteil seines Kapitals eingebüßt, und wird solche Niveaus vermutlich nie wieder sehen.

3D-Druck, vegane Ersatzprodukte, Wasserstoff, das waren für kurze Zeit einmal die heißen Trendthemen am Markt. Doch die Euphorie verflog innerhalb von Wochen. Trotzdem dürfte es Anlegern schwer gefallen sein, zum Hype nicht einzusteigen. Jetzt stehen sie mit Depotleichen da.

Anleger sollten dem Etikett „Megatrend“ misstrauen

Diese „Trends von gestern“ sind eine Warnung für alle Anleger von heute. Natürlich lässt sich gutes Geld verdienen, indem einfach auf den Markt gehört wird. Etwa bei den Tech-Aktien, die das Prädikat „Megatrend“ auch wirklich verdienen. In anderen Bereichen aber sollten sich Anleger hüten, diesem Etikett zu trauen.

Dafür gibt es auch Warnzeichen. Besonders gut erkennbar an Beyond Meat. Ende Juli 2019, kurz nach dem IPO, summierte sich der Börsenwert auf fast 12 Milliarden US-Dollar. Im damals gerade abgelaufenen zweiten Quartal aber hat Beyond Meat gerade mal 67,25 Millionen (!) Dollar Umsatz gemacht. Davon blieben gerade mal drei Millionen Dollar operativer Gewinn.

Anders ausgedrückt: Der Börsenwert überstieg das Betriebsergebnis um den Faktor 4000. Sicher gab es auch gute Zahlen. Das Wachstum für eine echte Börsenstory war da. Der Umsatz stieg damals zum Vorjahresquartal um fast 290 Prozent, der operative Gewinn wuchs um über 140 Prozent.

Beyond Meat hätte wahnsinnig wachsen müssen, um den Börsenwert zu rechtfertigen

Doch diese Raten hätten unfassbar lange – bei gleicher Marktkapitalisierung – gehalten werden müssen, um eine halbwegs vernünftige Bewertung zu ergeben. Für ein solides Verhältnis von 25 beispielsweise hätte der Gewinn bei 480 Millionen US-Dollar liegen müssen.

Tatsächlich überstieg der operative Quartalsgewinn nie die Marke von sechs Millionen Dollar. Seit dem dritten Quartal 2020 schreibt Beyond Meat operativ nur Verluste. Wer damals ausgestiegen wäre, wäre sogar nur mit einem blauen Auge davongekommen. 

Ähnlich sieht es bei 3D Systems aus. Das einst als Pionier des 3D-Drucks gefeierte Unternehmen kommt nicht aus den roten Zahlen heraus. Bei Ballard Power Systems rutschte zuletzt sogar der Bruttoumsatz ins Negative – das heißt, die Kosten für Arbeit und Rohmaterialen (cost of goods sold) des Brennstoffzellen-Spezialisten überstiegen die Erlöse.

Cost of goods sold ist eine Kenngröße vieler produzierender Unternehmen. Enthalten darin sind alle Material- und Arbeitskosten, nicht aber sonstige Kosten, wie Vertrieb oder Administration. Die Metrik verschafft so schnell einen Überblick über das Verhältnis zwischen dem Erlös aus dem Verkauf von Produkten und den rein dafür aufgebrachten Kosten.

Die entscheidende Frage bleibt: Warum sind diese Trends gescheitert, während anderswo überzogene Bewertungen und fehlende Profite kein Problem waren, teilweise für Jahre? So war es etwa bei Tesla oder auch Amazon, mittlerweile zwei der wertvollsten Firmen der Welt.

„Die anfängliche Euphorie ist meist nicht nachhaltig“

Grundsätzlich, erklärt Portfoliomanager Damian Schlehlein gegenüber onvista, ist es für Anleger immer schwierig, Trendthemen frühzeitig als „Eintagsfliegen“ zu identifizieren. Anfangs werden die Potenziale von Branchen oder Unternehmen oft übertrieben dargestellt.

„Der große Hype geht meist mit Überbewertung einher. Die anfängliche Euphorie ist meist nicht nachhaltig“, sagt der Vermögensexperte. Darüber hinaus würde oft eine fundamentale Grundlage fehlen. „Ein Trend wie 3D-Druck oder vegane Produkte können kurzfristig spannend erscheinen. Unternehmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell oder realistische Wachstumsprognose, sollten nachhaltig hinterfragt werden.“

Dafür gebe es auch Warnzeichen – „fehlende Rentabilität, hohe Bewertung, fehlende Skalierbarkeit und unklare Visionen oder Managementprobleme“. Skeptisch sollten Anleger natürlich auch bei hohen KGVs werden, wenn das tatsächliche Wachstum dann in keinem Vergleich steht.

Diversifikation und Skalierbarkeit sind der Schlüssel

Was beispielsweise Amazon von den oben genannten Trends unterscheidet, ist vor allem die Skalierbarkeit. „Amazon als Unternehmen basiert auf langfristiger und struktureller Veränderung der Gesellschaft und Wirtschaft. Das Wachstum des Sektors ist keine kurzfristige Modeerscheinung oder spekulativ getriebene Blase. Das Modell basiert auf großen Veränderungen des Einkaufverhaltens der Gesellschaft“, erklärt Schlehlein.

„Vielen verschiedene Ertragsquellen und Unternehmensstränge sorgen für langfristige Wettbewerbsfähigkeit, Diversifikation und Skalierbarkeit.“

Damian Schlehlein

Ein weiterer Punkt: Amazon hat als Online-Buchhandel angefangen, sich dann aber immer weiter diversifiziert. „Man hat Geschäftsfelder und Themen wie z.B. Unterhaltung, Streaming, Cloud Computing, Werbung und viele weitere Dienste erschlossen. Die vielen verschiedenen Ertragsquellen und Unternehmensstränge sorgen für langfristige Wettbewerbsfähigkeit, Diversifikation und Skalierbarkeit.“

Diversifikation steht theoretisch jedem Börsenkonzern offen. Allerdings ist bei Firmen wie 3D Systems oder Beyond Meat schnell erkennbar, dass die Optionen für weitere Märkte weit begrenzter sind als bei einem 360-Grad-Internetkonzern wie Amazon.

Daher sollten Anleger stets diese Skalierbarkeit und Flexibilität bei Geschäften berücksichtigen, wenn sie die Zukunftsperspektiven von Unternehmen abwägen und sich nicht vom Hype hinreißen lassen. Was sonst mit dem eingesetzten Kapital passieren kann, zeigen 3D Systems, Beyond Meat und Ballard Power nur allzu eindrücklich.

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