OECD offen für Sozialabgaben auf Kapitalerträge

Reuters · Uhr
Quelle: (c) Copyright Thomson Reuters 2025. Click For Restrictions - https://agency.reuters.com/en/copyright.html

Berlin (Reuters) - Die Industriestaaten-Organisation (OECD) steht der vom grünen Kanzlerkandidaten Robert Habeck angestoßenen Debatte über Sozialabgaben auf Aktien- und Zinsgewinne offen gegenüber.

"Die OECD hat in ihren Wirtschaftsberichten zu Deutschland solch eine Empfehlung bereits gemacht", sagte der Leiter der Deutschland-Abteilung, Robert Grundke, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Generell werde der Faktor Arbeit in Deutschland höher besteuert als in vielen anderen OECD-Ländern. Steuern auf Kapitaleinkommen und Vermögen machten dagegen nur einen vergleichsweise kleineren Teil am Gesamtsteuereinkommen aus. Die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt daher etwa, Ausnahmen und Vergünstigungen bei der Erbschaftssteuer sowie bei der Besteuerung von Kapitaleinkommen aus der Vermietung und dem Verkauf von Bestandsimmobilien zu verringern.

Habeck hatte einen Vorschlag aus dem Wahlprogramm seiner Partei zur Entlastung der Abgaben auf Löhne und Gehälter konkretisiert. "Warum soll eigentlich Arbeit höher belastet sein als Einkommen durch Kapitalerträge?", sagte Habeck. "Deswegen schlagen wir vor, dass wir auch diese Einkommensquellen (...) sozialversicherungspflichtig machen." Von Union und FDP hagelte es daraufhin Kritik.

"Allerdings kann eine Lösung für die Stabilisierung der Sozialsysteme keinesfalls nur von der Einkommensseite her gelingen", betonte Grundke. Der Renteneintritt der Babyboomer-Generation werde in den nächsten Jahren zu einem starken Anstieg der Ausgaben im Renten- und Gesundheitssystem führen. Die OECD geht von einem Kostenanstieg von etwa 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2030 sowie von 3,5 Prozent bis 2045 aus.

"Ein ganz wichtiger Teil der Lösung muss es deshalb sein, die Bedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit zu schaffen", sagte Grundke. "Dazu gehört es, die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer zu stärken und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern." Ein flexibleres Zeitmanagement sowie eine gute Gesundheitsvorsorge würden die Arbeitsbedingungen für Ältere verbessern.

"Es ist ebenfalls zentral, Anreize zum früheren Renteneintritt abzubauen", sagte der OECD-Experte. Obwohl sich das durchschnittliche Renteneintrittsalter bereits signifikant erhöht habe seit den 2000er Jahren, liege es immer noch merklich unter dem gesetzlichen. "Die Rente mit 63 wird hauptsächlich von besserverdienenden Arbeitnehmern in Anspruch genommen, welche keinen schlechteren Gesundheitszustand im Vergleich zu anderen haben", sagte Grundke.

Auch die Abschläge bei einem früheren Renteneintritt außerhalb der Rente mit 63 seien in Deutschland geringer als anderswo. Zudem werde Altersteilzeit oft als weitere Möglichkeit zur Frühverrentung genutzt. "Anreize, auch nach dem gesetzlichen Rentenalter noch weiterzuarbeiten, sind ebenfalls wichtig", sagte Grundke. Auch sollte das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Dabei soll für jedes zusätzliche Lebensjahr das Renteneintrittsalter um zwei Drittel heraufgesetzt werden.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

onvista Premium-Artikel

onvista Trading-Impuls
Favoritenwechsel bei den US-Techwerten: IBM ist zurück!02. Apr. · onvista
Favoritenwechsel bei den US-Techwerten: IBM ist zurück!
Gold, Aktien, exotische ETFs
So schützt du dich vor Inflation01. Apr. · onvista
So schützt du dich vor Inflation
Chartzeit Wochenausgabe vom 30.03.2025
US-Zölle und Inflation: Warum der Abschwung noch weiter gehen könnte30. März · onvista
US-Zölle und Inflation: Warum der Abschwung noch weiter gehen könnte

Das könnte dich auch interessieren

Interview mit Vermögensverwalter
"Auch Trump wird die USA nicht zerstören können"gestern, 16:30 Uhr · onvista
"Auch Trump wird die USA nicht zerstören können"
Dax Tagesrückblick 03.04.2025
Trumps Zölle reißen Dax ins Minus - Adidas verliert über 11 Prozentgestern, 17:59 Uhr · onvista
Trumps Zölle reißen Dax ins Minus - Adidas verliert über 11 Prozent
Gold, Aktien, exotische ETFs
So schützt du dich vor Inflation01. Apr. · onvista
So schützt du dich vor Inflation