CureVac: Impfstoff gegen den Ballermann-Virus

Fundresearch

Rückblick auf die vergangene Woche

Die Bilder der Woche waren zweifelsfrei die Aufnahmen von feiernden Ballermann-Saufnasen auf Mallorca. Wer dabei war und sich im Fernsehen wiedererkannt hat, darf jetzt alles andere als stolz darauf sein. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass sich das dichtgedrängte Partyvolk bei Sangria und Pils nicht nur einen Kater, sondern auch den Corona-Virus eingefangen hat, könnten diejenigen, die offensichtlich nicht in der Lage waren, angesichts der Gefahrenlage beim Feiern mal einen Gang runterzuschalten, für den nächsten Lockdown verantwortlich sein. Eine ganze Industrienation schaut nun gebannt auf die Malle-Rückkehrer. 

Es ist kein freundlicher Blick. Denn das Corona-Virus ist wirklich fies. Nicht allein die Zahl der weltweiten Todesfälle ist erschreckend, sondern zunehmend auch das Wissen über die Nebenwirkungen der Infektion. Der Erreger greift alle inneren Organe des Menschen an, deren er habhaft werden kann. Wer Glück hat, bekommt niemals etwas davon mit. Wer Pech hat, bleibt vielleicht sein Leben lang gezeichnet. Die Liste des Horrors reicht von schweren Lungenschäden bis zu frühzeitiger Demenz. Vorsicht ist angebracht. Man sollte sich also wirklich nicht leichtsinnig dem Risiko einer Infektion aussetzen - zumal man damit zugleich andere gefährdet. 

Insofern ist die grundsätzliche Entscheidung der Bundesregierung richtig, mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht dafür zu sorgen, dass unser Schicksal in Zukunft nicht davon abhängt, ob ein paar feierwütige Partytouristen zu eng beieinanderstehen. Man muss ja auch sagen: Was ist das für eine Perspektive? Ohne gemeinsames Essen, Heiterkeit, Tanz und Musik? Von den wirtschaftlichen Implikationen gar nicht zu sprechen.

Doch muss sich der Staat an einem Biotech-Startup beteiligen, um uns gegen das Corona-Virus zu schützen? Die Rede ist von der Tübinger Firma CureVac. Hauptinvestor ist Dietmar Hopp, SAP-Mitgründer und Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft Dievini Hopp Biotech Holding. Auch Bill Gates und Elon Musk halten Anteile. Deutschland ist nun seit Anfang Juli über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einem Anteil von rund 23 Prozent an CureVac beteiligt. Im Gegensatz zu den anderen Anteilseignern hat der Bund allerdings keinen Einfluss auf geschäftspolitische Entscheidungen. 

Die gute Nachricht: CureVac hat bereits Mitte Juni mit einer ersten klinischen Studie begonnen. An der Tübinger Universitätsklinik wurde bislang rund 50 Probanden ein Impfstoff injiziert. Insgesamt werden 168 Menschen an der Studie teilnehmen, auch in Testzentren im belgischen Gent, in Hannover und München. Bei der nun laufenden klinischen Studie handelt es sich um eine sogenannte Phase-1-Studie. Verläuft sie erfolgreich, folgen Untersuchungen mit deutlich mehr Probanden. Wenn sich der von CureVvac entwickelte Impfstoff als wirksam und verträglich erweist, könnte das Unternehmen Mitte kommenden Jahres in sehr kurzer Kurz Millionen von Impfdosen herstellen. Denn CureVac entwickelt nicht nur den Impfstoff, sondern in Zusammenarbeit mit Elon Musks Firma Tesla auch die Maschinen zur Herstellung. 

Es gibt noch eine weitere gute Nachricht: Sehr wahrscheinlich wird es in den kommenden 18 Monaten einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus geben.

Die weniger gute Nachricht für uns Steuerzahler, die wir uns über die KfW an CureVac beteiligt haben, lautet: CureVac ist nur eine von vielen Biotech-Firmen, die an einer Entwicklung eines Impfstoffs arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet CureVac als erster Firma der Durchbruch gelingt, steht ungefähr eins zu 120. Das ist die Anzahl der Unternehmen, die an der ersten Generation von Impfstoffen arbeitet. Zu den Mitbewerbern zählen namhafte US-amerikanische und europäische börsennotierte Aktiengesellschaften wie Moderna, AstraZeneca, Pfizer und BioNTec, die zum Teil auch zusammenarbeiten. Mindestens einhundert Unternehmen arbeiten auch bereits an der Entwicklung einer zweiten Generation an Impfstoffen, die möglicherweise wirksamer und robuster und damit letztlich nützlicher sind als die Impfstoffe, die als erste auf den Markt kommen werden. Zu den Firmen, die hier ganz vorne mit dabei sind, zählen etwa GlaxoSmithKline Merck, Sanofi und Johnson & Johnson. Laut der Beratungsgesellschaft EY haben Biotech- und Pharma-Unternehmen bis Anfang Juni bereits 161 Impfstoff-Kandidaten, 242 therapeutische Test-Wirkstoffe und weltweit mehr als 700 Corona-Tests auf den Markt gebracht. Es ist ein Wettlauf um einen Megamarkt. 7,6 Milliarden Menschen hat dieser Planet derzeit. Um das Virus endgültig zu besiegen, muss man etwa die Hälfte der Erdbevölkerung impfen.

Die Europäische Union hat angesichts dieser Situation das Richtige getan: Sie hat eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca getroffen, mit der sich die EU-Staaten bis zu 400 Millionen Dosen eines in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoffs sichern. Voraussetzung, dass die Vereinbarung greift, ist natürlich, dass es AstraZeneca tatsächlich gelingt, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Für das Unternehmen ist das ein attraktiver Anreiz, für die EU eine Chance mit Risikobegrenzung.

Der CureVac-Deal der Bundesregierung dagegen ist eine 300-Millionen-Euro-Wette auf ein einzelnes Unternehmen. Den Preis dafür zahlen wir Steuerzahler. Mitspracherecht haben weder wir noch die Bundesregierung. Da sind andere CureVac-Teilhaber klüger: Elon Musk und Bill Gates sind breit gestreut an vielen weiteren Biotech-Firmen beteiligt, die an einem Corona-Impfstoff arbeiten. Sollte eine dieser Firmen im Multimilliarden-Rennen vorne liegen, können sie mitsteuern, wie das Rennen ausgeht. Das nennt man clever.

Was uns bleibt, ist die Hoffnung, dass der Corona-Spuk bald vorbei ist, damit es uns wenigstens im Hinblick auf unsere eigene Gesundheit egal sein kann, wie heftig auf dem Ballermann gefeiert wird. Und was den CureVac-Deal angeht: Vielleicht kann man ihn sich ja schönsaufen. Aber bitte mit Abstand zum Nächsten.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht die Redbook Research Inc. ihren sogenannten Johnson Redbook Index. Der Index ist ein umsatzgewichteter Wachstumsindikator von rund 9.000 Filialen großer US-Einzelhändler. Es sind nicht irgendwelche Einzelhändler. Der Index repräsentiert rund 80 Prozent des offiziellen Einzelhandelsumsatzes, der vom US-Handelsministerium veröffentlicht wird. Deshalb misst der Index wie kaum ein anderer das Verhalten und die Tendenz der US-Verbraucher, wenn es um tägliche Ausgaben geht. Auf Jahresbasis sieht der Index schon jetzt mies aus. Ob die Monatszahlen Hoffnung auf eine Belebung der Konjunktur machen, ist fraglich. Das Corona-Virus schlägt den US-Amerikanern zunehmend aufs Gemüt und verdirbt ihnen die Kauflaune. Neue Lockdowns inklusive Schließung von Geschäften in einigen Bundesstaaten macht die Lage nicht besser.

Am Mittwoch folgen der US-Immobilienpreisindex und die aktuellen Zahlen zum Wohnimmobilienmarkt. Im vergangenen Monat war die Anzahl der Verkäufe um fast zehn Prozent zurückgegangen. Aktuell wird damit gerechnet, dass das Umsatzvolumen einigermaßen stabil bleibt, was zumindest ein Signal für Preisstabilität ist. Solange dies so bleibt, bleibt auch der Blick auf den Hypothekenmarkt entspannt. Eine neue Subprime-Krise kann jetzt wirklich niemand gebrauchen.

Am Donnerstag zeigt die GfK Verbrauchervertrauensumfrage, wie gut es um die Zuversicht der Deutschen bestellt ist. Der Index misst das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Aktivität. Erwartet wird ein leichter Stimmungsumschwung, hin zum Besseren - wohlgemerkt von einem sehr niedrigen Niveau aus startend. Der Index bewegt sich immer noch im negativen Bereich.  

Am Freitag veröffentlicht Markit Economics den Gesamt PMI Produktion und Dienstleistung. Das ist ein Indikator, der die wirtschaftliche Lage des Dienstleistungs- und Produktionssektors der Eurozone misst. Er gibt einen Überblick über den Zustand des Umsatzes und der Beschäftigung. Die Erwartung ist, dass wir Grund zur zarten Hoffnung auf Besserung haben. Europas Wirtschaft befindet sich in der Regenerationsphase. Hoffen wir mal, dass die Schinkenstraße auf Malle nicht zum Ischgl 2.0 wird. Das wäre jetzt wirklich blöd.

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