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Elon Musk im Wortgefecht mit Warren Buffett – auf wen sollten Anleger eher hören?

Bernd Schmid

Die Quartalskonferenzen von Tesla gehören zur lehrreicheren, aber auch unterhaltsameren Sorte. Mal wird BMW ausgelacht, mal werden die Fragen von Analysten als „saudumm“ bezeichnet und einfach ignoriert. In der letzten Woche hat es Elon Musk, der CEO von Tesla und einer der wahrscheinlich hellsten Köpfe im Silicon Valley und unserer Zeit überhaupt, indirekt mit dem wohl besten Investor unserer Zeit, Warren Buffett, aufgenommen.

Diese Chance sollten wir normalsterblichen Anleger beim Schopfe packen und versuchen aus dem Duell zu lernen. Und ich glaube, dass es für uns etwas mitzunehmen gibt.

Warren Buffett ist ein großer Fan von Unternehmen mit einem, wie er es nennt, wirtschaftlichen Burggraben. Was er damit meint, sind nachhaltige Wettbewerbsvorteile, die es Wettbewerbern („Angreifern“) äußerst schwer machen, im Markt gegen dieses Unternehmen zu bestehen („den Burggraben zu überwinden“). Dazu gehören Netzwerkeffekte oder starke Marken, die einem Unternehmen erlauben, höhere Preise als die Konkurrenz zu verlangen und trotzdem kaum Kunden zu verlieren.

Elon Musk hingegen findet Burggräben in diesem Kontext wenig überzeugend. Er antwortete in der letzten Quartalskonferenz von Tesla auf eine Frage eines Analysten:

Burggräben sind unzureichend. Sie sind nett und entzückend, aber wenn deine einzige Verteidigung gegen eine eindringende Armee ein Burggraben ist, dann wirst du nicht lange überleben. Worauf es ankommt ist das Innovationstempo. Das ist der fundamentale Bestimmungsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit.

Was für eine Freude, dass am letzten Wochenende zufällig das Woodstock des Kapitalismus stattfand, das jährliche Aktionärstreffen von Warren Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway, bei dem er auch sehr viel über das Investieren und das Leben spricht. Natürlich durfte er es sich nicht entgehen lassen, auf die Speerspitze einzugehen:

Elon mag so manche Dinge auf den Kopf stellen. Ich glaube aber nicht, dass er es in Sachen Süßigkeiten mit uns aufnehmen möchte.

Damit meinte Buffett das unglaublich erfolgreiche Unternehmen See’s Candies, das seit Jahrzehnten eine wahre Goldgrube für Berkshire ist.

Musk wollte via Twitter das letzte Wort haben und zwitscherte kämpferisch, er werde ein Süßigkeiten-Unternehmen starten und es werde „verblüffend“ sein. Und „dann werde ich einen Burggraben bauen und ihn mit Süßigkeiten füllen. Warren B. wird nicht widerstehen können, darin zu investieren!“

Auf der einen Seite glaube ich nicht, dass Musk den letzten Tweet oben ernst meinte. Auf der anderen Seite hat er schon viel verrücktere Dinge angestellt, und er ist unheimlich ehrgeizig - warum es also nicht mit dem größten Investor der Welt aufnehmen und ihm zeigen, dass seine Grundannahme vielleicht gar nicht richtig ist?

Aber wer hätte die besseren Chancen diesen Kampf zu gewinnen?

Warren Buffett gab auch noch zum Besten:

Es gibt heute immer mehr Burggräben, die anfällig für Invasionen geworden sind, als es früher der Fall gewesen zu sein scheint.

Ich selbst würde die Prognose wagen, dass es für Musk schwieriger werden würde, als er glaubt.

Er macht mit Tesla derzeit selbst die Erfahrung, wie resistent manche Burggräben sein können. Tesla verschlingt Kapital wie das Krümelmonster die Kekse und kämpft seit Monaten damit, die Produktionszahlen des Elektrofahrzeugs Model 3 hoch genug zu schrauben, um damit Geld verdienen zu können.

Für andere Automobilhersteller scheint so etwas ein Kinderspiel zu sein. Das liegt aber nur daran, dass diese die Automobilproduktion über mehr als ein Jahrhundert stetig perfektioniert haben. Sie haben einfach die Erfahrung etwas so enorm Komplexes wie die Massenproduktion eines Fahrzeugs wie das Einmaleins zu beherrschen. Außerdem erwirtschaften sie jedes Jahr die Milliarden an Gewinn, die man braucht, um eine neue Produktionslinie auf die Beine zu stellen.

Beides Dinge, die nicht nur Tesla nicht hat. Und die Kombination aus beidem „gehören“ den aktuellen Automobilherstellern exklusiv. Das ist der Burggraben dieser Industrie.

Allerdings erhält sich dieser Burggraben nicht von selbst. Die Hersteller müssen technische Innovationen nutzen, um ihre Produktion immer noch effizienter zu machen. Wenn sie träge werden und nicht versuchen, die besten Technologien einzusetzen, machen sie sich von außen angreifbar - zumindest für jemanden, der das nötige Kleingeld mitbringt.

Was bedeutet das nun für uns normale Anleger?

Ich denke, dass das Konzept eines Burggrabens nach wie vor ein sehr wichtiges ist. Jemand, der sein Kapital langfristig anlegen möchte, ist meines Erachtens gut beraten, sich Unternehmen mit möglichst breiten Burggräben zu suchen.

Aber auch Elon Musk würde ich recht geben und Innovation eine ebenfalls sehr hohe Bedeutung zumessen. Das zeigt sogar das zweite Paradebeispiel für Warren Buffetts These des Burggrabens, mit dem er ebenfalls ein Vermögen verdient hat: Coca Cola.

Der Burggraben des Cola-Produzenten ist eine einzigartige Marke. Es gibt auf der Welt ich weiß nicht wie viele Dutzende oder sogar hunderte von Cola-Getränken. In jedem Supermarkt in Deutschland findet man ein höchstens halb so teures Äquivalent. Trotzdem geben sehr viele Menschen nach wie vor viel mehr Geld aus, nur um die Coca Cola zu bekommen.

Allerdings ruht sich Coca Cola nicht einfach auf seiner Marke aus, sondern ist ebenfalls sehr innovativ. Zwar nicht in demselben Sinne wie unsere Autohersteller, aber auch Cola macht sich Technologie zunutze, um die Beliebtheit seiner Marke mindestens aufrecht zu erhalten, wie zum Beispiel diese 3D-Werbung zeigt.

Es ist schwer zu sagen, ob Coca Cola wirklich weniger erfolgreich wäre, wenn man weniger innovatives Marketing betreiben würde. Ziemlich sicher bin ich hingegen, dass der Untergang nicht über Nacht geschehen würde. Es dauert einfach seine Zeit, bis ein Burggraben wirklich überwunden werden kann.

Genau das macht das Konzept des Burggrabens für mich auch heute noch so attraktiv. Denn selbst wenn Burggräben aufgrund eines immer schnelleren Innovationszyklus vielleicht weniger stark sein können als zu Warren Buffetts besten Zeiten, erlauben sie es uns noch immer, uns die Zeit zu nehmen, ausgiebig darüber nachzudenken, wie nachhaltig unsere Investition in ein Unternehmen noch ist. Und es gibt wenige Dinge, die einem die eigene Performance so konsequent zerhageln können wie zu schnelle Investitionsentscheidungen.

Offenlegung: Bernd besitzt Aktien von Berkshire Hathaway und Tesla. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Berkshire Hathaway, Tesla und Twitter. The Motley Fool empfiehlt BMW.

Motley Fool Deutschland 2018

Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist der Leitende Investor von The Motley Fool Deutschland und verantwortlich für die Performance aller Newsletter von The Motley Fool in Deutschland. Er leitet selbst den Newsletter Stock Advisor Deutschland, mit dem Ziel langfristig orientierten Anlegern zu helfen, mit den besten Unernehmen am Aktienmarkt überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und mehr über das Investieren zu lernen.

Im Jahr 2016 hat Herr Schmid das letzte der drei Chartered Financial Analyst (CFA) Examen bestanden und kann damit ab dem Jahr 2019 den in der Investment-Industrie hoch angesehenen CFA Charter zugesprochen bekommen.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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