Kutzers Zwischenruf: Wetterkapriolen forcieren Klimaschutz-Investitionen

Hermann Kutzer

Wetter oder Klima? Ob die rund um den Globus (zunehmend) auftretenden Wetterkapriolen noch normal oder bereits die Folgen des beginnenden Klimawandels sind, wird Fachleuten und Laien noch lange Diskussionsstoff liefern. Schwere Tornados, verheerende Brände, Dürreperioden und Flutkatastrophen - die Folgen beschäftigen immer öfter die Menschen weltweit. Engagierte Analysten sind deshalb der Überzeugung, dass der Klimaschutz trotz Pandemie wieder in den Mittelpunkt rückt. Das sehe ich ähnlich, zumal die Politik das damit verbundene Thema Infrastruktur endlich zu einer dringenden Aufgabe erklärt und gewaltige staatliche Mittel bereitstellen will (siehe USA und EU). Klimaschutz erfordert eben auch enorme infrastrukturelle Investitionen. Es liegt auf der Hand, dass die Kapitalmärkte dafür beansprucht werden. Eine Chance für private Anleger.

In einer Analyse von Swisscanto Asset Management heißt es, der Trend hin zu einer emissionsärmeren Welt ist schon voll im Gang. Immer mehr Länder bekennen sich zu einer Reduktion ihrer Nettoemissionen auf null. Insbesondere die ökonomischen Schwergewichte USA und China gehen diesen Weg mit und setzen damit positive Signale für die Weltgemeinschaft. Die globale Dekarbonisierung wird auch die Wirtschaft maßgeblich beeinflussen, wobei in diesem Zusammenhang teilweise schon von einer grünen industriellen Revolution gesprochen wird. Künftig sind deswegen strengere gesetzliche Regulatorien für Treibhausgas-Emissionen zu erwarten. Auch der Druck der Investoren wird zunehmen, so dass sich Unternehmen, die ihre Emissionen nicht reduzieren, mit steigenden Kapitalkosten konfrontiert sehen. Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und die Dekarbonisierung ist für Unternehmen und Investoren entsprechend unverzichtbar, wenn Risiken und Chancen für die Geschäftsmodelle bewertet werden sollen.

Große Chancen bietet der Wandel denjenigen Unternehmen, die mit ihren Produkten, Dienstleistungen und Herstellungsmethoden einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten. Die Schweizer Fondsmanager beschreiben einen positiven Impact für das Klima in drei Schlüsselbereichen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Mobilität und Ressourceneffizienz. Dass Klimaschutz heute bezahlbarer ist und weniger kostet als in Zukunft, wird heute gesellschaftlich anerkannt und wirkt unterstützend für Werte in diesem gesamten Bereich. Auch sind die Erneuerbaren Energien (Solar/Wind) heute deutlich günstiger als noch vor zehn Jahren.

Ein anderes Beispiel hat Goldman Sachs kürzlich beleuchtet: Müll in Bares verwandeln - die Kreislaufwirtschaft. Denn das Müllproblem auf unserem Planeten ist riesig und wächst weiter. Doch besteht die Hoffnung auf einen Wandel der derzeitigen Wegwerf-Mentalität - hier spielen Unternehmen der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle. Plastik ist nicht das einzige Problem. Es ist beispielsweise sehr wahrscheinlich, so die Studie, dass das Abendkleid von heute schon morgen zum „Weltmüll“ gehört. Durch übermäßiges Konsumverhalten sind Millionen Tonnen an Textilabfall entstanden. Rund 80 Prozent der weggeworfenen Kleidung füllen fast 5 Prozent der Deponiekapazitäten in Industrieländern. Und noch ein Fakt, der vielleicht nicht ganz so glamourös ist: Die Mode-/Bekleidungs-/Textilbranche ist für rund 10 Prozent der menschlichen CO2-Emissionen verantwortlich.

Doch verfügen wir bereits heute über Technologien, um Textilabfall in einen löslichen Zellstoff zu verwandeln, der in Ballen gepresst und als Ersatz für Stoffe wie Baumwolle, Öl, Wolle und andere Materialien auf Erdölbasis wie Polyester verwendet werden kann. Das ist wichtig: Durch jedes Kilo an Bekleidung, das recycelt wird, reduzieren sich die Landnutzung, die Abfallerzeugung, die Plastikverschmutzung sowie die CO2- und Chemikalienemissionen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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