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Lehren aus dem Golf und den Irakkrieg

Stefan Riße

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Golfkrieg 1990. Ich war frisch in meinem ersten Job bei einer Brokerfirma in Hamburg, die im „Vorinternetzeitalter“ deutschen Kunden die Möglichkeit gab, zu amerikanischen Börsenzeiten direkt an US Börsen zu handeln. Das war mit deutschen Banken – Onlinebroker gab es ja noch nicht – überhaupt nicht möglich. Da musste jegliche Wertpapierorder bis 11:00 Uhr abgegeben werden. Vor dem zu erwartenden Ausbruch des Krieges hatten wir regen Zulauf neuner Kunden, die unbedingt Ölkontrakte kaufen wollten. Entsprechende Zertifikate gab es damals auch noch nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Ölpreis bereits von rund 20 auf 40 US-Dollar pro Barrel verdoppelt. Ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, dass dieser drohende Krieg hierzulande noch eine Menge anderer Reaktionen auslöste. „Kein Blut für Öl“ skandierte die Friedensbewegung gegen ihren Hassgegner USA. Dieser wollte damals im Übrigen nur Kuwait befreien, das vom Irak besetzt worden war. Dennoch wurden Karneval und andere Festivitäten abgesagt. Der Aufruhr wegen dieses Krieges am Persischen Golf war enorm.

Das Phänomen des Fait Accompli

Dann fielen tatsächlich die ersten Bomben der USA. Sie trafen ihre Ziele sehr genau. Und was passierte? Die zuvor über Wochen gefallenen Aktienkurse schnellten in die Höhe und der Ölpreis halbierte sich innerhalb von wenigen Stunden. Es war wieder das Phänomen des Fait Accompli, der vollendeten Tatsache, die an der Börse keine Rolle mehr spielt, weil Spekulation sich eben auf die Zukunft bezieht. Und so konnte man vor Ausbruch des Krieges trefflich auf den Krieg spekulieren, nach seinem Eintreffen aber eben nur noch auf den Frieden. Und da es schnell danach aussah, dass die Amerikaner die Schlacht für sich entscheiden, war die diesbezügliche Spekulation entsprechend groß. Viele unserer damaligen Kunden verloren ihren Einsatz.

Knock-Outs zum Ölpreis Brent

Kurserwartung
Ölpreis Brent -Rohstoff wird steigen
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Höhe des Hebels
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Gleiches Spiel 2003 im Irakkrieg

Vor dem ebenfalls zu erwartenden Irakkrieg 2003 spielte sich die Situation ganz genau so ab. Aktienkurse im Vorfeld runter und Ölpreise rauf. Mit Kriegsausbruch und erwartetem Sieg der USA drehte dann die Tendenz genau in dem Moment als die ersten Bomben fielen. Obwohl dieser Krieg viel umstrittener war, wurden 2003 keine Festlichkeiten abgesagt. Man hatte sich nach dem Jugoslawienkrieg vor der eigenen Haustür nun wohl daran gewöhnt, dass Menschen wieder im Krieg sterben. In letzterem trat die Friedensbewegung im Übrigen auch erst auf dem Plan, als die USA eingriffen, um den dortigen Genozid zu beenden. Der hatte sie bis dahin nicht interessiert. Ich will hier nicht politisieren, aber die Vorgänge waren schon bemerkenswert, zumal den USA bei der Befreiung Kuwaits rein wirtschaftliche Interessen unterstellt worden waren. In Jugoslawien war ihnen das in dieser Weise schwer nachzusagen. Dortige Ölvorkommen oder die anderer Bodenschätze waren und sind bis heute nicht bekannt.

Bei einem Iran-Krieg dürfte es genauso laufen

Zunächst einmal sieht es ja nun nicht mehr danach aus, dass der Konflikt zwischen dem Iran und den USA eskalieren wird. So streben die Aktienkurse neuen Rekorden entgegen. Gut für die von mir favorisierte Anlage. Aber man weiß ja nie was die Zukunft bringt. Der Iran steht mit dem Rücken zur Wand und hat ja verlautbaren lassen, dass die echte Vergeltung für die Ermordung ihres Generals Soleimani noch folgen wird. Und bei dem Mann, der im Weißen Haus regiert, muss man ebenfalls jederzeit mit allem rechnen. Sollte es tatsächlich zu einem Krieg kommen, dann dürfte es ganz ähnlich verlaufen wie im Golf- und Irakkrieg damals. Aktien zu verkaufen, wenn der Krieg ausbricht, oder vermeintliche sichere Häfen oder Krisenanlagen wie das Gold oder eben Öl dann zu kaufen, wird definitiv zu spät sein.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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