New Work: Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Unterbeschäftigung – schwere Zeiten für den Karrierenetzwerkbetreiber? So sehen Analysten die Aktie jetzt

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New Work: Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Unterbeschäftigung – schwere Zeiten für den Karrierenetzwerkbetreiber? So sehen Analysten die Aktie jetzt

Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Unterbeschäftigung: Die Corona-Krise hat weltweit den Arbeitsmarkt durchgerüttelt. Das traf auch den Konzern New Work, der vor allem für sein Karrierenetzwerk Xing bekannt ist. Von einer schlechteren Stimmung ist beim Hamburger Unternehmen aber bislang nichts zu erkennen – im Gegenteil. Was bei New Work los ist, wie Analysten die Lage einschätzen und was die Aktie macht.

So ist die Lage des Unternehmens

Im Frühjahr brachte die Corona-Pandemie den Arbeitsmarkt in merkliche Schieflage, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung stiegen. Auch bei New Work war die Flaute spürbar: So machten sich Effekte im ersten Quartal vor allem im Neugeschäft beim E-Recruiting sowie bei den Themen Marketing und Events bemerkbar, hieß es zum Zeitpunkt der Zahlenvorlage im Mai. Und auch in den Monaten darauf fehlten Umsatzerlöse, weil etwa Werbekunden ihre Ausgaben reduzierten und Events nicht stattfinden durften.

Dies alles sei aber nur eine kurzweilige Entwicklung, gab sich die neue New-Work-Chefin Petra von Strombeck im August siegessicher. Sie spekuliert darauf, dass ihr Unternehmen mit Blick auf den demografischen Wandel und die Digitalisierung eine noch viel größere Rolle spielen werde. Auch sieht die Managerin das Thema „neue Arbeitsmodelle“ als derzeit so aktuell wie nie an, dies stimme sie optimistisch.

Klar ist: Die Burda-Tochter New Work rechnet damit, dass in den kommenden zehn Jahren mehrere Millionen Arbeitnehmer altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden werden und entsprechend Arbeitsplätze neu besetzt werden müssen. Dafür sei der Konzern mit digitalen Recruiting-Angeboten gewappnet.

Dabei geben dem Unternehmen die eigenen Kunden scheinbar Rückendeckung. In einer Umfrage unter Mitgliedern des Karrierenetzwerks Xing gab jeder Vierte an, im aktuellen Job unzufrieden zu sein. So wünschten sich fast alle der 1000 Befragten einen fairen, respektvollen Umgang im Unternehmen, doch nicht einmal die Hälfte von ihnen gab an, so einen auch auf der Arbeit zu erfahren.

„New Work bedeutet, dass man das tun kann, was man wirklich will und was einem liegt“, kommentierte Xing-Chefin Sabrina Zeplin die Umfrage. Im Umkehrschluss bedeutet das: Können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern kein gutes Arbeitsumfeld bieten, wächst die Bereitschaft zum Jobwechsel.

Unabhängig von den mittelfristigen Perspektiven kann sich New Work mit seinem Flagschiff Xing in der Pandemie auf eine treue Stammkundschaft stützen. Rund 80 Prozent der Erlöse erwirtschafte das Unternehmen über Laufzeitverträge, hieß es im Bericht zum dritten Quartal. Zudem sei der Geschäftskundenbereich aufgrund stark diversifizierter Kundenstruktur widerstandsfähig und es sei ausreichend Geld vorhanden.

So sehen die Analysten die Aktie

Bei New Work sind sich die Analysten einig: Alle sechs bei Bloomberg erfassten Experten raten derzeit zum Halten der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel von 246 Euro liegt dabei praktisch auf dem aktuellen Niveau – die Spanne reicht dabei von 220 Euro (Berenberg) bis 276 Euro (Deutsche Bank).

Aus Sicht der Berenberg Bank verlief 2020 bislang gut für New Work. So habe das dritte Quartal den Erwartungen und dem Konsens entsprochen, auch weil der Konzern seine Ausgaben flexibel habe senken können. Berenberg-Analystin Sarah Simon kommentierte, New Work biete langfristig gute Wachstumschancen, auch wenn das Umsatzwachstum im kommenden Jahr beeinträchtigt werden könne.

Nicht ganz überzeugen kann sie der Xing Talent Service, bei dem Kunden schneller Wunschmitarbeiter finden sollen. So erfordere das Tool weiterhin menschliche Unterstützung und stehe auch in Konkurrenz zu Headhuntern, die ebenfalls zu den Kunden von New Work zählen.

Commerzbank-Analystin Heike Pauls stufte zuletzt ihre Empfehlung hoch von Verkaufen auf Halten und zeigte sich kritisch. Zwar habe der Konzern das Schlimmste nun hinter sich, aber Abos fürs E-Recruiting seien im dritten Quartal weiter rückläufig. Das gesamte Ausmaß sei wegen der Laufzeit von zwölf Monaten erst im kommenden Jahr ersichtlich. Insgesamt könnten die Wachstumsaussichten für 2021 aber positiv ausfallen.

So läuft die Aktie

Zuletzt mussten Anleger für eine New-Work-Aktie rund 250 Euro bezahlen und damit wieder deutlich mehr als während des Corona-Crashs im März. Im Vergleich zum Corona-Tief, als die im Nebenwerteindex SDax notierten Papiere für nur noch 162 Euro gehandelt wurden, zog der Kurs um mehr als die Hälfte an.

Doch hier lohnt ein genauerer Blick: Nach dem Pandemie-Schock erholte sich der Kurs zunächst einmal rapide. Vor allem im April und Mai ging es mit dem Markt rasant nach oben – bis auf fast 300 Euro und damit wieder in Reichweite des Jahreshochs von 314 Euro von Anfang Februar. Unterstützt haben könnte hierbei auch die Ankündigung eines neuen Konzeptes für Xing Premium, hier ging es um neue Lern- und Digitalangebote.

Mit dem bereits im Vorjahr angekündigten Weggang von Konzernchef Thomas Vollmoeller Ende Mai und dem Stabswechsel an Ex-Lotto24-Chefin Petra von Strombeck ging die Dynamik jedoch zusehends verloren. Anfang August kratzte der Kurs nochmal an der 300-Euro-Marke, doch dann bröckelte er peu a peu ab. Im August sorgte dann die Berenberg-Analystin Sarah Simon mit ihrer Abstufung auf „Sell“ für weitere Verluste.

Anfang November – kurz vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen – rutschte der Kurs wieder in Richtung der 200-Euro-Marke. Doch das Ergebnis der ersten neun Monate wurde von den Investoren positiv aufgenommen, so dass sich das Papier wieder erholen konnte. Mit rund 250 Euro liegt das Papier aber weiter deutlich unter dem Rekordhoch von gut 380 Euro aus dem Sommer 2019.

Seit dem Börsengang des von Lars Hinrichs gegründeten Unternehmens im Jahr 2006 – damals noch unter dem Namen OpenBC – ging es deutlich nach oben, obwohl es lange Zeit nicht danach ausgesehen hatte. In den ersten Jahren konnte sich der Kurs kaum vom Ausgabepreis von 30 Euro lösen; erst ab 2013 zog die Notierung deutlich an. Inzwischen ist das Unternehmen 1,4 Milliarden Euro wert – profitiert hat davon unter anderem der Burda-Verlag, der 2009 eingestiegen ist und Ende 2012 die Mehrheit übernommen hat.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: Piotr Swat / Shutterstock.com

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