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Stellenabbau, gekappte Prognosen, schwächelnde Exporte: Steht die deutsche Wirtschaft bereits mit einem Bein in der Rezession?

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Stellenabbau, gekappte Prognosen, schwächelnde Exporte: Steht die deutsche Wirtschaft bereits mit einem Bein in der Rezession?

Die schlechten Nachrichten für die deutsche Wirtschaft scheinen nicht abzureißen: Börsenschwergewichte wie BASF oder Lufthansa kappen ihre Gewinnprognosen, Tausende Stellen stehen bei Großkonzernen auf der Kippe, Wirtschaftsverbände blicken immer skeptischer in die Zukunft. „Das zweite Halbjahr hat begonnen, und von der allgemein erwarteten Belebung der Konjunktur in Deutschland ist nichts zu sehen“, beschreibt Commerzbank-Konjunkturexperte Ralph Solveen die aktuelle Lage.

Trumps Zoll-Kriege sind für Exportweltmeister Deutschland deutlich zu spüren

Die von US-Präsident Donald Trump angeheizten internationalen Handelskonflikte hinterlassen immer deutlichere Spuren. Das trifft die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Der vor allem für Autos oder Maschinen „made in Germany“ wichtige chinesische Absatzmarkt schwächelt. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie wegen der Elektromobilität. Maschinenbauer und Chemieindustrie beklagen, dass sich Kunden aus der Autobranche mit Bestellungen zurückhalten.

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Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht trotz der Risiken keinen Grund für Schwarzmalerei: „Wir sollten in Deutschland nicht in Panik über die sich abschwächende wirtschaftliche Entwicklung verfallen. Die Grundlage der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor sehr solide.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält zudem eine Verständigung auf ein Handelsabkommen zwischen den USA und der EU bis Ende des Jahres für möglich. Wenn der politische Wille da sei, könne es bis dahin eine Lösung geben, sagte der CDU-Politiker am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in einer Rede beim German Marshall Fund in Washington. Altmaier betonte zugleich die Bedeutung deutscher Autobauer in den USA. Diese haben große Werke in den Vereinigten Staaten und exportieren dort produzierte Fahrzeuge in andere Länder.

Am Laufen gehalten wird die deutsche Wirtschaft momentan vor allem vom Bauboom und der Konsumfreude der Verbraucher. Die konjunkturelle Schwäche führe allerdings zur Verunsicherung bei den Menschen, „damit zu weniger Konsum und dadurch wiederum zu weniger Wachstum“, erläutert Fratzscher. Die Bundesregierung sollte sich darauf vorbereiten und ein nachhaltiges Investitionsprogramm beschließen, um einen langfristigen Impuls zu setzen.

Industrieschwäche schwappt auf andere Sektoren über

Nach Einschätzung des Ifo-Konjunkturchefs Timo Wollmershäuser gibt es bereits „erste Anzeichen, dass sich die Industrieschwäche auch auf andere Wirtschaftsbereiche überträgt“. So habe sich die Stimmung bei den industrienahen Dienstleistern, etwa in der Logistik, deutlich eingetrübt.

Zwar sind die Auftragsbücher vieler Unternehmen noch gut gefüllt. Gehen jedoch keine neuen Bestellungen im nennenswerten Umfang ein, müssen Hersteller ihre Produktion drosseln. Das hat Folgen für die Beschäftigten.

Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts steigt die Zahl der Industrieunternehmen, die mit Kurzarbeit rechnen, oder sie bereits eingeführt haben. Derzeit fahren 3,8 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit. 8,5 Prozent rechnen mit einer Einführung in den kommenden drei Monaten. Das ist der höchste Wert seit 2013. Kurzarbeit hilft, Fachkräfte in schwierigeren Zeiten zu halten und Entlassungen zu verhindern.

Massiver Stellenabbau steht bevor

Stellenkürzungen für die nächsten Monate und Jahre haben bereits eine ganze Reihe prominenter Unternehmen angekündigt. So will der US-Autohersteller Ford 5400 Stellen in Deutschland streichen, Thyssenkrupp 4000, BASF 3000 und Siemens 1400. Bei der Deutschen Bank sollen weitweit rund 18.000 Vollzeitjobs verschwinden, in Deutschland dürfte sich der Abbau allerdings in Grenzen halten. Auch wenn die Pläne teilweise unternehmensspezifische Gründe haben, die Sorge wächst.

„Wenn sich der Beschäftigungsaufbau weiter verlangsamt oder die Arbeitslosigkeit gar zunimmt, steigen die Einkommen der Haushalte nicht mehr so kräftig und sie halten sich bei den Konsumausgaben zurück“, erläutert Wollmershäuser. Derzeit rechne das Ifo-Institut aber damit, dass sich die Industrie gegen Ende des Jahres allmählich wieder erhole.

Auch der Präsident der Bundesagentur für Arbeit (BA) Detlef Scheele, sieht eine grundlegend andere Situation als beispielsweise zu Zeiten der internationalen Finanzkrise vor zehn Jahren: „Wir gehen zurzeit davon aus, (…) dass sich diese konjunkturelle Eintrübung über drei, vier Quartale hinzieht und es dann wieder anzieht.“

Hoffnung macht Wollmershäuser das kürzlich zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten geschlossene Freihandelsabkommen. „Es setzt ein wichtiges Zeichen gegen die Wirtschaftspolitiken, die über Abschottung, Sanktionen und Androhungen versuchen, die globalisierte Wirtschaftsordnung zu verändern.“ Zudem wirke die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stützend. „Das dürfte der Baukonjunktur weiter Schwung verleihen.“

Inflation in Deutschland steigt

In Deutschland hat die Inflation im Juni etwas zugelegt. Im Jahresvergleich seien die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach einer zweiten Schätzung mit. Die Behörde bestätigte damit wie erwartet eine erste Erhebung. Im Mai hatte die Inflationsrate bei 1,4 Prozent gelegen. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Juni um 0,3 Prozent. Auch hier wurde die erste Schätzung wie erwartet bestätigt.

Die höhere Inflationsrate für Juni wurde vor allem durch den erneuten Preisauftrieb bei Pauschalreisen beeinflusst. Dies sei in erster Linie auf den Kalendereffekt zurückzuführen, hieß es in der Mitteilung. Energieprodukte verteuerten sich im Juni im Jahresvergleich um 2,5 Prozent. Der Preisauftrieb bei Energie ist damit schwächer als im Mai.

Dagegen wurde die für europäische Vergleichszwecke harmonisierten Verbraucherpreise (HVPI) nach oben korrigiert. Laut der zweite Schätzung hatte es im Juni demnach im Jahresvergleich einen Anstieg um 1,5 Prozent gegeben. Zuvor hatte das Bundesamt in dieser Betrachtung nur eine Inflationsrate von 1,3 Prozent gemeldet.

Auch im Monatsvergleich gab es bei den HVPI-Daten eine Aufwärtsrevision. Hier stiegen die Preise um 0,3 Prozent, nachdem zuvor nur ein Zuwachs um 0,1 Prozent gemeldet worden war. Analysten hatten bei den HVPI-Daten jeweils eine Bestätigung der ersten Schätzung erwartet.

Lesen Sie auch: Diversifikation und Risikomanagement – Zwei wichtige Bausteine für die Portfolio-Absicherung

(onvista/dpa-AFX)

Titelfoto: gguy / Shutterstock.com

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